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Cottbuser Blätter                    Sonderheft Stadtchronik 2002                    Steffen Krestin

 

 

Chronik der Stadt Cottbus - von 772 bis 1600

 

1915

Der Krieg hinterläßt seine Spuren, auch in Cottbus gibt es zunehmend Schwierigkeiten in der Versorgung. Schon seit Oktober 1914 wird das Kriegsbrot K gebacken, nun aber werden auch die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben. Zunächst wird das Brot rationiert, in den folgenden Monaten und Jahren folgen weitere Lebensmittelkarten und Bezugsscheine. Aber auch ein stetiger Währungsverfall macht den Cottbusern zu schaffen, es mangelte an Kleingeld.  Deshalb beschließt die Stadt am 29. 3. 1917, eigenes Kriegsnotgeld aufzulegen. Auch die goldene Amtskette des Oberbürgermeisters wird geopfert und im Juli 1917 müssen die Kirchenglocken zum Einschmelzen gebracht werden.

1917

Am 6. 2. wird in Cottbus mit der Ausbildung von Flugzeugpiloten begonnen. Seit 1916 wurde an der Burger Chaussee ein Militärflugplatz angelegt. Die Angehörigen des Flieger-Ersatz-Bataillons Nr. 12 bestimmen nun den Luftraum über Cottbus. Manches Unheil bringen sie über Cottbus, so stürzt z. B. am 2. 10. 1917 ein Flugzeug in den Vorgarten des Hauses Amalienstraße 9. Der Pilot kommt bei diesem Unglück ums Leben. Auf Grund der Bestimmungen im Friedensvertrag von Versailles wird der Cottbuser Fliegerhorst am 27. 7. 1919 aufgelöst.

1918

Die Versorgung der Stadt ist mangelhaft, schon am 13. 10. 1916 sprechen sich Demonstranten gegen die zunehmend mangelhafte Versorgung der Zivilbevölkerung aus. Im Frühjahr 1918 erleben die Cottbuser u. a. Typhus- und Grippeepidemien. Am 8. 11. durchzieht ein Demonstrationszug die Cottbuser Straßen und in den folgenden Tagen werden zunächst ein Soldatenrat und am 11. 8.  ein Arbeiterrat gegründet. 100 Tage später, am 19. 11., konstituiert sich ein Beamtenrat und auch die Bauern im Landkreis schließen sich zum Bauernrat zusammen, dem sogar Gutsbesitzer angehörten. Die Räteherrschaft wird erst gegen Ende 1919 aufgelöst. Das in Cottbus stationierte Infanterie-Regiment Nr. 52 kehrt am 29. 12. 1918 wieder zurück. Insgesamt waren 332 Offiziere und 9.018 Unteroffiziere in den vier Kriegsjahren gefallen, aber bis heute kennt keiner die Zahl der toten Soldaten und Cottbuser Bürger, die in diesem ersten großen Weltkrieg ihr Leben verloren. Zum Gedenken an die Toten dieses Krieges wird am 13./14. 8. 1927 auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz ein Ehrenmal eingeweiht. Den Entwurf fertigt Prof. Schulz, das Mahnmal zeigt einen Soldaten des Infanterie-Regimentes Nr. 52 aus Cottbus.

1919

Besonders schwierig war seit langem die Versorgung mit Wohnraum. Um diesem Mangel abzuhelfen, wird am 27. 2. 1919 der „Gemeinnützige Bauverein für Heimstättengründung e.G.m.b.H.“ gegründet. Durch diesen Bauverein werden 1922/23 in der Sielower Landstraße und insbesondere in den dreißiger Jahren Häuser am Fontaneplatz und in der Hüfnerstraße, sowie der späteren Hermann-Löns-Straße errichtet. Schon ein Jahr später erfolgt mit der Gründung der „Gemeinnützigen Aktiengesellschaft für Angestelltenheimstätten“ (Gagfah) eine weitere Genossenschaft. Noch war die Versorgung von zahlreichen Engpässen bestimmt, aber am 31. 3. 1919 wird durch den Magistrat das Cottbuser Kriegsnotgeld wieder eingezogen. Nachdem im Januar 1919 bereits die Wahlen zur preußischen Nationalversammlung mit einem Sieg der SPD stattfanden, wählen die Cottbuser am 12. und 13. 11. 1919 auch ein neues Stadtparlament.

1920

Das Jahr beginnt mit Neuerungen im städtischen Bildungswesen. Am 13. 1. wird in der Augustaschule die „Volkshochschule“ eröffnet und am 11. 11.  beschließen die Stadtverordneten, ab 1921 einen besoldeten Stadtschulrat einzusetzen. Nachdem am 15. 4. das Grundschuljahr begonnen hatte, wird vierzehn Tage später die erste Cottbuser Schulzahnklinik begründet und am 6.5. die Schulkinderspeisung eingeführt. Am 13. 3. hat Wolfgang Kapp sich zum Reichskanzler ausgerufen und noch am selben Tag ruft auch die Cottbuser SPD zum Streik auf. Bei Demonstrationen am 15. 3. treffen die Demonstranten auf die Reichswehrtruppen des Major Buchrucker. Der brutale Einsatz des Militärs fordert vier Tote und fünf Verletzte. An die Opfer erinnert noch heute eine Gedenktafel am Spremberger Turm, dem Ort der Kämpfe 1920. In den folgenden Tagen wird eine „Rote Garde“ gebildet und zusammen mit der Verstärkung aus den umliegenden Gebieten kommt es wiederholt zu Kämpfen zwischen den Arbeitern und den Putschisten, so z. B. bei Branitz, Ströbitz, Sachsendorf, Sandow und Willmersdorf. Im April beginnt für die Cottbuser auch das Zeitalter des Rundfunks. Aus dem etwa hundert Kilometer entfernten Königs Wusterhausen wird die erste Radiosendung empfangen. In dieser Zeit wird auch das Wasserwerk elektrifiziert, jedoch fängt bei Reparaturarbeiten am 28.9. 1920 die Kuppel des Wasserturms Feuer. Der wachsende Strombedarf konnte durch das eigene Elektrizitätswerk kaum noch bewältigt werden. deshalb wird die Stadt Cottbus über eine 26 Kilometer lange Fernleitung am 20. 8. an das Großkraftwerk Trattendorf angeschlossen. Die Stromversorgung aus dem Kraftwerk wird zum 17. 12. 1921 aufgenommen.

1921

Um der Wohnungsnot entgegenzuwirken, beschließen die Stadtverordneten am 6. 1. den Bau der „Rennbahnsiedlung“. Geplant waren 200 Eigenheime, realisiert werden jedoch bis zum August 1923 nur die Hälfte. Erneut wurde auch in Cottbus das Geld knapp – im März bringt die Stadt wieder eigenes Notgeld in Form achteckiger 5- und 10-Pfennig-Münzen in den Umlauf.

1922

Am 13. 10. 1922  verstirbt der Großkaufmann Friedrich Albert Liersch. Er vermacht seine Häuser Sandower Straße 23 und Neumarkt 8 mit der kompletten Einrichtung der Stadt zur Einrichtung eines Heimatmuseums.

1923

Die Inflation reißt auch in den Cottbuser Alltag tiefe Wunden. Wie schon im Mai 1921 gibt es immer wieder Gassperrstunden. Am 23. 1. kostet eine Straßenbahnfahrt 80 Mark, noch im Januar wird der Betrieb ganz eingestellt und im März wird sogar der Verkauf der Wagen und Anlagen in Erwägung gezogen. Erst ab dem 1. 4. 1924 wird der Betrieb der Straßenbahn abschnittsweise wieder aufgenommen. Die Unternehmer in Cottbus geben Bezugsscheine aus, da kaum noch Geld im Umlauf ist. Auch die Stadt editiert erneut Notgeld, im August wird mit Scheinen zu 100.000 Mark begonnen, schon im November müssen Millionenscheine gedruckt werden. Im Herbst 1923 kostet ein Brot in Cottbus 600 Millionen Mark, jeder einzelne Bürger leidet unter der Inflation, die Unternehmen sind schwer getroffen und auch die städtischen Finanzen sind ruiniert. Erst die Einführung der Rentenmark am 15. 11. 1923 beendet die Inflation.

1925

Am 16. 6. findet wieder eine allgemeine Volkszählung statt, in Cottbus leben 50.432 Einwohner. Einen Monat später, am 19. 7.  wird das neue städtische Freibad eröffnet. Das Strombad kombinierte ein Freibad an der Spree mit Schwimmbecken und erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei den Cottbusern, erstmals dürfen hier Männer und Frauen gemeinsam baden. Aber nicht nur der Sport erfährt eine Bereicherung, am 4. 10. wird die Stadtbücherei eröffnet. In drei Räumen der Gemeindeschule I werden ca. 4.000 Bände untergebracht, die Leitung übernimmt bis 1933 der Gewerbelehrer Gottfried Herzog. Am 27. 7. 1923 verstirbt Oberbürgermeister Hugo Dreifert. Ihm folgt 1926 Heinrich Nollner, der jedoch schon am 20. 7. 1926 verstarb. er wurde am 17. 9. 1879 geboren, studierte Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft und war zuvor in verschiedenen Städten tätig. In Erinnerung an die Verdienste als Bürgermeister und Oberbürgermeister wird die Gymnasialstraße in Dreifertstraße umbenannt.

1926

In der Lieberoser Straße wird der Neubau der „Landwirtschaftlichen Schule und Forstamtes Cottbus“ übergeben. Bereits im November 1920 war die Gründung der Schule als Lehranstalt der Landwirtschaftskammer der Provinz Brandenburg erfolgt.

1927

Zwischen 1927 und 1933 führt Dr. Erich Kreutz die Geschäfte als Oberbürgermeister. Er ist vor allem im Interesse der Stadt nach außen aktiv und wirbt für Cottbus. In Sandow wird 1927 das Pfarrhaus und die Spielschule der evangelischen Kirchengemeinde eingeweiht. Während das Pfarrhaus am Doll 1972 der Neubebauung weichen mußte, wird die alte Spielschule heute als Gemeindezentrum genutzt. Zum 30. 1. organisieren die Nationalsozialisten die erste große Kundgebung in Cottbus. Unter dem demagogischen Begriff „Freiheitstag der Lausitz“ demonstrieren sie in Cottbus. Bei Zusammenstößen mit der Gegendemonstration der Gewerkschaften gibt es insgesamt 17 Verletzte. Im Mai erleben die Cottbuser ein faszinierendes Schauspiel: Am 23. 5. wird der regelmäßige Linienflugverkehr aufgenommen. Einen Flugtag organisiert der „Niederlausitzer Automobilklub e.V. Cottbus“ bereits am 6. 7. 1924 und im August 1925 wurde ein „Verein zur Förderung des Flugwesens“ gegründet. Nun steuert die Lufthansa mit ihrer „Riesengebirgslinie“ zwischen Berlin und Breslau auch den „Verkehrslandeplatz Cottbus“ an, zeitweilig wurden auch Flüge in andere Städte angeboten. Die Welt erfährt vom Cottbuser Flugplatz wenig später erneut. Die Ozeanflieger Clarence Chamberlin und Charles Levine müssen auf ihrem Flug von New York nach Berlin bei Klinge in der Nähe von Cottbus notlanden. Sie werden unter der enormen Anteilnahme der Cottbuser in die Stadt eingeladen und am 7. 6. 1927 Tag erhalten sie die Ehrenbürgerwürde und tragen sich in das “Goldene Buch“ ein. Da Levine jedoch Jude war, streichen die Nationalsozialisten unmittelbar nach ihrem Machtantritt 1933 seinen Namen und den seines Begleiters aus dem Buch. Erst nach aufwendigen Restaurierungen kann diese Seite des „Goldenen Buches“ nach 1992 wiederhergestellt werden. Auf dem Cottbuser Flugplatz wird bereits 1933 der zivile Luftverkehr eingestellt. Zunächst richtet man hier eine Verkehrsfliegerschule ein, seit 1935 dient der Flugplatz militärischen Zwecken. Aber auch der Verkehr auf dem Boden wird erweitert, am 1. 7. 1927 fährt der erste Kraftomnibus und ergänzt damit das Angebot der Straßenbahn. Bis 1944 fahren die Buslinien auf verschiedenen Strecken in Cottbus, aber auch Ziele außerhalb der Stadtsteuern sie an.

1928

Am 31. 3. wird das neue Dieselkraftwerk in Betrieb genommen. Das alte Elektrizitätswerk konnte den wachsenden Strombedarf nicht mehr decken und auch die Verbindung zum Kraftwerk Trattendorf reichte nicht mehr aus, den Spitzenbedarf auszugleichen. Im Dezember 1926 stimmen deshalb die Stadtverordneten dem Bau des Dieselkraftwerks zu, beauftragt wird im Januar 1927 die AEG. Der Entwurf für das Gebäude stammt von dem Berliner Architekten Werner Issel, der einen Industriebau in den Formen der Neuen Sachlichkeit entwarf und der sich mit seiner Klinkerfassade gut in den umliegenden Stadtpark einfügt. Der erste Spatenstich datiert auf den 4. 4. 1927 und schon ein Jahr später liefert der Dieselmotor mit 1.450 PS Strom ans Netz. Vom Netz genommen wird das Dieselkraftwerk 1975, in den folgenden Jahrzehnten waren hier lediglich eine Trafostation und Werkstätten eingerichtet.

1929

Die wirtschaftliche Lage wird auch in Cottbus immer schwieriger. Tarifschwierigkeiten in der Textilindustrie führen zunächst zu Aussperrungen, von denen allein 7.000 Cottbuser, in der Lausitz insgesamt 30.000 Arbeiter betroffen sind. Der Lohnkampf findet erst am 26. 2. seinen Abschluß. Am 14. 7. wird der sogenannte „Tänzerinnenbrunnen“ eingeweiht, heute führt der Brunnen den Namen seines Stifters Otto Enke, einem Druckereibesitzer. Seit 1997 steht der Brunnen wieder auf seinem alten Platz.

1930

In Cottbus findet der 31. Brandenburgische Feuerwehrtag statt. Er bietet den passenden Rahmen, um am 30. 7. die neu erbaute Feuerwache in der heutigen Ewald-Haase-Straße einzuweihen. Der mit ILSE-Klinkern verblendete Bau bot den Feuerwehrmänner beste Voraussetzungen für ihre Technik und Mannschaft. Benannt wird die Straße nach dem Feuerwehrmann Ewald Haase, der 1849 geboren wurde und von 1871 bis zu seinem Tod 1930 bei der freiwilligen Feuerwehr diente.

1931

In Ströbitz wird ein Gemeindehaus eingeweiht, ein geplanter Kirchenbau jedoch konnte nicht verwirklicht werden.

1933

Am 30. 1. werden auch die Cottbuser Straßen vom Fackelzug der Nationalsozialisten erleuchtet. Bei den Kommunalwahlen 1929 konnte die NSDAP bereits etwa 3.000 Stimmen auf sich vereinen und 1932 wird sie stärkste Partei in der Stadt. Am 20. 7. 1932 ziehen etwa 40.000 Menschen aus Cottbus und Umgebung auf die Rennbahn, um Adolf Hitler reden zu hören. Die Verelendung und die hohe Arbeitslosigkeit, allein 1932 gab es im Arbeitsamtsbezirk Cottbus 16.203 Arbeitslose und 9.367 Unterstützungsempfänger, läßt große Teile der Bevölkerung den demagogischen Ideen der Nationalsozialisten Glauben schenken. Schon nach der Reichstagswahl am 7. 3. 1933 weht auf dem Spremberger Turm die Hakenkreuzfahne und unmittelbar nach den Kommunalwahlen am 12. 3. werden die ersten kommunistischen und sozialdemokratischen Parteiangehörigen verhaftet und aus dem Stadtparlament entfernt. Am 1. 4. wird auch in Cottbus erstmals zum Boykott jüdischer Geschäfte und Einrichtungen aufgerufen und in den folgenden Wochen und Monaten entfernen die Nationalsozialisten auch alle mißliebigen Personen aus öffentlichen Ämtern. Zwischen 1933 und 1937 ist Dr. Heinricus Haltenhoff als Oberbürgermeister der Stadt tätig. Ihm folgte bis 1945  Franz Viktor Freiherr Baselli von Süßenberg.

1934

Erzbischof Betram aus Breslau weiht am 7. 10. die neue katholische Marienkirche ein. Eine stark wachsende Gemeinde machte den Neubau erforderlich und so wurde 1927 ein Kirchenbauverein gegründet. Drei Jahre später wurde das sogenannte Tiegelgrundstück erworben und am 18. 9. 1932 fand die Grundsteinlegung statt. Der Kirchenbau mit seinem Hauptschiff und zwei Seitenschiffen wurde nach den Plänen des Breslauer Diozösenbaurates Mokross errichtet.

1935

Schon seit den zwanziger Jahren konnten in der Spreestraße und der Turnstraße einfache Quartiere für Wanderer angeboten werden, sie wurden jedoch bald zu eng und deshalb beschließen die Stadtverordneten am 19. 1. 1935 die Einrichtung einer Jugendherberge. Ab August 1935 wird die alte Malzdarre an der Stadtmauern hinter der Klosterkirche ausgebaut und zu einer Jugendherberge umgestaltet. Noch immer bestimmt die Wohnungsnot das Leben zahlreicher Cottbuser. Da weder die Stadt noch die bestehenden privaten Angebote und die Wohnungsvereine dieses Problem bisher lösen konnten, wird am 16.3. die „Wohnungsbau der Werktätigen e.G.m.b.H.“ gegründet. Sie läßt zwischen 1937 und 1939 mehrere Wohnblöcke in der Warschauer Straße errichten.

1936

In der Stadt leben nun  53.641 Menschen in 17.663 Haushalten. Wirtschaftlich dominiert weiterhin die Textilindustrie, das politische Leben war geprägt vom Nationalsozialismus. Das alte preußische Gefängnis in der heutigen Bautzener Straße erfuhr nun die traurige Berühmtheit eines Konzentrationslagers, in dem überwiegend Frauen eingesperrt waren. Am 30. 3. 1936 werden insgesamt 296 Gefangen gezählt, nicht genannt die unzähligen Antifaschisten, die von hier aus ihren Leidensweg antreten mußten. Ein Jahr später sind schon 453 Gefangene inhaftiert und ihre Zahl wächst stetig.

1937

Das neue Jahr beginnt mit ersten Maßnahmen zur Kriegsvorbereitung: Am 1. 1. wird die Stadt zum „Luftschutzort 1. Ordnung“ erklärt und einen Monat später eine sogenannte „Nachweisung der in Cottbus wohnhaften Juden und Mischlinge“ angefertigt, in der 499 Personen verzeichnet sind. In dieser Liste sind sicher nicht nur die praktizierenden Cottbuser jüdischen Glaubens erfaßt, sondern auch alle jene, die auf Grund der Nürnberger Rassengesetze von 1935 unter die unwissenschaftliche und demagogische Begrifflichkeit ‚Jude‘ der Nationalsozialisten geführt werden. Aber auch gegen die sorbischen Institutionen richten sich die Aktivitäten der Nationalsozialisten. Nachdem die Domowina einen faschistischen Satzungsentwurf der "Wendenabteilung" abgelehnt hatte, erfolgt ihr Verbot am 18. März 1937. Im Rahmen der Kriegsvorbereitungen wird zu Beginn des Jahres 1937 mit dem Bau des Cottbuser Abschnittes der Autobahn Berlin – Breslau begonnen, gegen Ende des Jahres können die Cottbuser am 7. 12. ihr neues Rathaus einweihen. Bereits 1934 hatte man mit dem Bau begonnen, zuvor hatte man die Häuser im Quartier zwischen Berliner Straße, Neumarkt, Marktstraße und Mauerstraße abgerissen. Dabei wurde auch das Geburtshaus des Cottbuser Malers Carl Blechen und das Wohnhaus des Kaufmann Liersch am Neumarkt 8, das Städtische Museum, abgetragen. Während an das erstere noch heute eine Gedenktafel erinnert, zieht das Cottbuser Museum in das alte Gymnasium an der Oberkirche um, wo es im Frühjahr 1945 zerstört wird. Das Richtfest für den ersten Bauabschnitt des Rathauses wurde am 6. 12. 1934 gefeiert und schon 1935 können die 85 Diensträume bezogen werden. In den folgenden Jahren wird ein weiterer Abschnitt gebaut und das neue Gebäude erhält auch seinen Schmuck im Stil der nationalsozialistischen Architektur und Kunst. Der von Hans Palm entworfene Bau der kleinen evangelischen Kirche in Schmellwitz wird am 19. 12. 1937 eingeweiht. Zum Erntedankfest 1938 wurde in Willmersdorf ein weiter Kirchenbau des Architekten Palm geweiht.

1938

Am 22. 3. stirbt der Cottbuser Willy Budich in einem Moskauer Gefängnis. Geboren 1890 in Sandow, erlebte er den 1. Weltkrieg als Kanonier. Im November 1918 wird er bei einer Demonstration schwer verletzt. Er schließt sich dem Spartakusbund und später der Kommunistischen Partei an, leitet den Roten Soldatenrat in Berlin und ist Mitglied des Vollzugsrates der Bayrischen Räterepublik sowie Mitarbeiter der Komintern und der Internationalen Roten Hilfe. Als Reichstagsabgeordneter der KPD wird er im Dezember 1932 bei einem Tumult im Reichstag verletzt und im Mai 1933 von der SS verhaftet und zum Krüppel geschlagen. Freunde bringen ihn danach zu seiner Familie nach Moskau, wo er drei Jahre später von Stalins Schergen verhaftet und als Spion verurteilt wird. Es sollten noch fast zwanzig Jahre vergehen, eher er 1955 durch das Oberste Gericht der UdSSR rehabilitiert wird. Am 28. 10. werden polnische Juden aus der Stadt gebracht, sie waren zuvor in Abschiebehaft genommen und anschließend mit dem Zug über die Grenze verbracht worden. Am 14. 11. 1938 bringt ein erster Transport jüdische Mitbürger in die Vernichtungslager. In der Pogromnacht brennt am 9. 11. 1938 auch die Cottbuser Synagoge in der Jahrstraße. Auch der alte Jüdische Friedhof in der Dresdner Straße wird geschändet, dagegen bleibt die 1916 angelegte Begräbnisstätte auf dem Südfriedhof verschont. Zunächst werden in den folgenden Wochen die Trümmer der Synagoge auf Kosten der jüdischen Gemeinde beseitigt, schon am 10. 11. gibt es Verhaftungen weiterer Cottbuser Juden und deren Verschickung in die Konzentrationslager. Akribisch werden weiterhin Listen geführt, die nationalsozialistische Hetze gegen jüdische Mitbürger erfährt immer neue Grausamkeiten. Am 25. 10. 1940 wird auch hier der nationalsozialistische Hetzfilm „Jud Süß“ aufgeführt. Zwei Jahre später, am 24. 8. 1942, werden die letzten in Cottbus lebenden Juden, unter ihnen auch der Vorsteher der Synagogengemeinde nach Theresienstadt verschleppt. Nach einem Bericht aus dem Jahre 1946 sollen aus Cottbus den Holocaust nur zwölf Menschen jüdischen Glaubens überlebt haben – die hiesige jüdische Gemeinde wurde ausgelöscht. Noch heute ist nicht bekannt, wie viele Cottbuser die Schreckensherrschaft durch die Flucht ins Ausland überlebt haben. Im November 1988 wird in Erinnerung an die Zerstörung der Synagoge am Seitenflügel des damaligen „konsument-Kaufhauses“ eine Gedenktafel angebracht und zehn Jahre später eine weitere Gedenktafel in der Karl-Liebknecht-Straße eingeweiht. Seit 1998 gibt es auch wieder eine jüdische Gemeinde in Cottbus, in der überwiegend Menschen jüdischen Glaubens aus den ehemaligen Ländern der Sowjetunion eine neue religiöse Heimat gefunden haben.

1939

In den dreißiger Jahren wird die alte Stadtmauer saniert. Mancher Abschnitt erfährt dabei eine ganz neue Gestaltung, einige der Türme werden erst in diesen Jahren errichtet. Auch der Abschnitt an der Sandower Straße unterhalb des Schloßberges erfährt damals seine Ausgestaltung. Hier wird der „Tuchmacherbrunnen“ aufgestellt. Entworfen hat ihn Richard Kuöhl aus Hamburg. Der Brunnenring trägt die Aufschrift „Ein ehrsam Handwerk wird geehrt, dass gute Tuche wirkt und schert“ und erinnert noch heute an die jahrhundertlange Tradition der Tuchherstellung in Cottbus. Der drohende Krieg wirft seine Schatten voraus, im Februar werden auf Anordnung des Oberbürgermeisters von Baselli „Verdunkelungsübungen“ geprobt und die Sirenen ertönen zu Übungszwecken. Noch aber feiern auch die Cottbuser die nationalsozialistischen Erfolge, am 12. 3. 1938 begrüßen sie mit einen Fackelzug den Einmarsch in Österreich und auch die Besetzung des Sudetenlandes 1938 sowie Böhmen und Mährens 1939  wird gefeiert. Der Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen am 1. 9. 1939 veranlaßt auch die Cottbuser zu weiteren Feiern und noch am 24. 7. 1940 bejubeln die Einwohner der Stadt eine aus Frankreich kommende Division. Die Uniform der Wehrmacht war aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken, seit 1935 wurden an verschiedenen Standorten Kasernen erbaut, dafür kam der Wohnungsbau seitdem fast zum Erliegen. Der Krieg zog nun ein in Cottbus, zahllose Bürger der Stadt verloren auch an den Fronten ihr Leben, Kriegsgefangene kamen in die Stadt und bald  waren auch die Zivilisten von der mangelhaften Versorgung betroffen. Den ersten sechs Schreckensjahren der nationalsozialistischen Herrschaft folgten nun weitere sechs fürchterliche Kriegsjahre.

1940

Auch in Cottbus wird für den Krieg produziert, schon 1938 werden die „Mechanischen Werke Cottbus“ als Teilbetrieb der „Phänomen-Werke GmbH Zittau“ eingerichtet und produzieren das Kettenfahrzeug "ZKW" für die Wehrmacht. Im ersten Kriegsjahr arbeiteten ca. 1.000 Beschäftigte hier und es werden monatlich etwa 150 Kettenfahrzeuge hergestellt. Ein Jahr später verlegen die Flugzeugwerke der „Focke-Wulff GmbH“ Teile ihrer Produktion nach Cottbus und montieren an verschiedenen Standorten in der Stadt bis 1945 20.051 Exemplare der „Focke-Wulff 190“. Im Herbst des Jahres 1940 erleben die Cottbuser die ersten Luftangriffe auf die Stadt, so z. B. am 25. 10. und zwischen dem 10. und 20. November.

1941

In diesem Jahr werden auch die Gottesdienste in wendischer Sprache verboten. So verläßt auch Gotthold Schwela seine Heimat, weil er ausgewiesen wurde und siedelt zwangsläufig nach Thüringen über. In Cottbus werden seit dem Herbst zunehmend Beeinträchtigungen des Alltags spürbar, so müssen ab November auf Grund der Verdunkelungen die Linienkennzeichnungen der Straßenbahn auf Nummern umgestellt werden, da die Farben nicht mehr zu erkennen sind. Im folgenden Jahr werden Zwangsarbeiterinnen bei der Straßenbahn eingestellt. Auch werden 1942 die Busse zum Betrieb mit Stadtgas umgerüstet – immer knapper werden die Reserven für die Zivilbevölkerung.

1944

Gegen Mittag des 3. 1. erleben die Cottbuser den ersten Luftangriff bei Tage, in den folgenden Monaten werden die Sirenen immer wieder aufheulen und die Cottbuser in die Schutzräume flüchten lassen. Im April fallen dann die ersten Bomben auf Cottbus und bringen Unheil und Zerstörung, Not und Elend. Aber auch die ersten Flüchtlingstrecks erreichen Cottbus und so ergibt eine Zählung im Oktober, daß neben den Cottbuser Einwohnern 4.828 Flüchtlinge zumeist aus Berlin und etwa 4.000 ausländische Zwangsarbeiter in der Stadt leben. Der Krieg erfaßt nun auch die Zivilisten, am 12. 11. 1944 wird der Cottbuser Volkssturm vereidigt – das letzte Aufgebot. Sein Quartier bezieht der Volkssturm am 17. 12.  im Cottbuser Theater, hier wird auch ein umfangreiches Munitionslager eingerichtet. Das Leben in der Stadt ist eigentlich zusammengebrochen, Strom und Gas werden regelmäßig abgestellt.

1945

Am 15. 2. erleben die Cottbuser den schwersten Bombenangriff während der Kriegsjahre. 459 amerikanische B 17-Bomber befinden sich im Anflug auf Schwarzheide/Ruhland. Auf Grund der Wetterbedingungen können sie dieses Ziel nicht anfliegen und so wählen sie das Ausweichziel Cottbus. Den Schwerpunkt der Angriffe bildete der Eisenbahnknotenpunkt mit den Werkstätten. Die schwersten Zerstörungen konzentrieren sich auf die Südstadt, zahlreiche Wohnhäuser und Fabrikanlagen werden beschädigt oder zerstört. Auf dem Bahnhof richtet ein explodierender Munitionszug verheerende Schäden an. Zerstört werden auch Einrichtungen des Krankenhauses, die Lutherkirche und ein Teil des Gefängnisses. In Cottbus wird die Zahl der Opfer mit etwa 1.000 Menschen angegeben, die Zahl der Obdachlosen mit ca. 13.000. Wenige Wochen später bereitet die Rote Armee die letzte Schlacht um Berlin vor. Cottbus wird zur Festung erklärt, am 16. April überschreiten die Truppen der Roten Armee die Neiße. Südlich umgehen sie Cottbus, ab dem 19. 4. ist die Stadt eingeschlossen. Am Morgen des 21. 4. bereiten Schlachtflieger und Artillerie den Sturm auf Cottbus vor und schon am nächsten Tag wird die Stadt eingenommen. Die Bilanz der Kämpfe ist verheerend, die Schäden sind hauptsächlich im Stadtzentrum angerichtet. Das Alte ist gänzlich und das Neues Rathaus zum größten Teil ausgebrannt, ganze Wohnquartiere liegen in Trümmern. Die Oberkirche brannte vermutlich nach der Einnahme der Stadt aus, auch das benachbarte Museum verlor seine Bestände. Die Stadtwerke erlitten enorme Schäden, Gas-, Wasser- und Stromversorgung brachen zusammen. Am Ende dieses verbrecherischen Krieges waren in Cottbus etwa 60 % der Wohnungen und auch ca. 60 % der Industriebetriebe beschädigt. Einst lebten hier 55.000 Menschen, Ende April 1945 waren es nur noch ca. 3.000. Der Krieg war am 22. 4. 1945 für die Cottbuser zu Ende und damit auch eine zwölfjährige Schreckensherrschaft. In den ersten Tagen des Friedens finden aber auch die Cottbuser keine Ruhe; Plünderungen und Vergewaltigungen halten die Menschen in Atem, ebenso wie Erschießungen und die Verschleppung zahlreicher Einwohner der Stadt. Schon am 22. 4. forderte Kommandant Tscherwjakow Max Döring auf, das Amt des Bürgermeisters zu übernehmen. Max Döring wurde am 4. 11. 1893 in Cottbus geboren. Früh schloß er sich der Kommunistischen Partei an. Seine Amtszeit währte nur knapp ein Jahr, bereits am 5. 4. 1946 wird er durch den Oberlandrat Lufft seines Amt entbunden. Das Leben kam nur langsam wieder in Gang, große Schwierigkeiten bereitet die Versorgung der Einwohner. Bereits am 3. 5. wird mit der Ausgabe von Lebensmittelkarten begonnen und in den folgenden Tagen wird die erste Zugverbindung wieder befahren, Lehrer müssen sich in der Kommandantur melden und in den Betrieben beginnen die Aufräumungsarbeiten. Am 19. 5. wird Major Sawkin zum Stadtkommandanten ernannt, das Quartier bezieht die Kommandantur in der Promenade 11. Einen Tag später fließt wieder Strom durch das Netz, und um 15.00 Uhr wird an diesem Pfingstsonntag in der „Wachsbleiche“ am Stadtpark ein Konzert durchgeführt. In den folgenden Tagen und Wochen können auch Gas- und Wasserversorgung wieder in Betrieb genommen werden und Ende Mai fahren die ersten Straßenbahnen wieder. Auch das politische Leben beginnt von neuem, am 20. 6. begründen sich wieder die Ortsgruppen der KPD und SPD. Wenig später, am 5.7. gründet sich die LDP und im August etabliert sich auch die CDU in der Stadt. Am 1. 9. bilden die KPD und SPD einen „Einheitsausschuß“ in der Provinz Brandenburg und am 24. 3. 1946 beschließen KPD und SPD auf einem gemeinsamen Kreisparteitag die Vereinigung der beiden Parteien zur SED und wählen einen 1. Sekretär. Unter dem Schutz der Roten Armee beginnt der Aufbau eines Staates nach dem Vorbild der Sowjetunion. Zahlreiche Reformen auf dem Land, in Verwaltung, Justiz und im Bildungswesen werden flankiert von Maßnahmen der Entnazifizierung. Enteignungen von Industriebetrieben, willkürliche Verhaftungen und Deportationen sowie die einsetzenden Reparationsforderungen der Sowjetunion erschweren den Aufbau und bringen weitere Not und Elend. Flüchtlinge bevölkern die Stadt, in der wieder etwa 35.000 Menschen lebten. Im September werden fast 12.000 Flüchtlinge gezählt, die zumeist einige Tage in Cottbus bleiben, ehe sie versuchten, weiter zu reisen. Während des Herbstes sterben mehr als 200 Menschen an einer Typhus- und Parathyphusepedemie. Im Oktober wurde der Schulbetrieb wieder aufgenommen, in den Textilbetrieben der Stadt hatten bereits etwa 200 Webstühle wieder mit der Arbeit begonnen. Am 30. 10. erläßt die SMAD den Befehl Nr. 124 zur „Beschlagnahme und provisorischen Übernahme einiger Eigentumskategorien in Deutschland“ und auf dieser Grundlage wird nun auch die private „Spreewaldbahn AG“ beschlagnahmt. Am Ende des Jahres gibt es vier Flüchtlingslager in der Stadt, in denen etwa 1.200 Menschen Platz finden und trotz aller Schwierigkeiten beginnen die Menschen mit den mühevollen Aufräumarbeiten. Die Trümmer der Innenstadt werden in den späteren Puschkinpark verbracht, mancher Industriebetrieb wird von den Arbeitern wieder in Gang gesetzt.

1946

Neben dem wirtschaftlichen Aufbau galt es auch das kulturelle Leben wieder in Gang zu setzen. Am 22. 1. werden Künstler zu einer Beratung in die Kommandantur geladen, um über die Gründung eines „Kulturbundes“ zu beraten, der Ende März gegründet wird, nachdem heimische Künstler ihre Werke ausgestellt hatten. Die Bestände der Bücherei werden von nationalsozialistischer Literatur befreit und so wird am 1. 3. die Stadtbücherei wieder eröffnet. Nach den Enteignungen von Industriebetrieben werden nun die ersten Volkseigenen Betreibe gebildet, so z. B. am 18. 4. der VEB Tuchfabrik Cottbus und am 9. 9. die „Tuchfabrik Vorwärts“. Ende des Jahres produzieren 92 Betriebe in Cottbus wieder, aber noch immer waren die Schäden überall sichtbar. Im September und Oktober finden in den fünf Ländern der sowjetischen Besatzungszone Gemeinde-, Kreistags- und Landtagswahlen statt. Obwohl die LDP die Wahlen gewinnt, wird auf der 2. Sitzung der Stadtverordneten am 8. 11. Otto Weihrauch von der SED zum Bürgermeister gewählt. Ihm folgte 1949 Hans Bertam von der LDP, aber ab 1954 stellt die SED alle Oberbürgermeister bis 1989. Zum 1. 9. 1946 wird ein neues Schulsystem eingeführt, nun gibt es nur noch die Einheitsschule und einige Schulen ermöglichen mit einem Oberschulteil einen höheren Bildungsabschluß.

1948

Mühsam war der Alltag, aber schon lebten wieder etwa 51.500 Menschen in Cottbus. Die Cottbuser Textilindustrie wird von der Demontage der Maschinen und Anlagen schwer in Mitleidenschaft gezogen, am 5. 8. waren ca. 450 Betriebe davon betroffen. Die Versorgung wird wohl zum größten Teil über den Schwarzmarkt geregelt, doch die Landwirtschaftsmesse in der ersten Augustwoche zählt ca. 100.000 Besucher. Im November  öffnet die erste HO-Gaststätte im Hotel „Weißes Roß“, hier konnte ohne Lebensmittelkarten eingekehrt werden. Wenig später wird in der Karl-Liebknecht-Straße ein erster freier Laden eröffnet, der als Einkaufsmöglichkeit gegen den Schwarzmarkt fungieren soll. Auch die medizinische Versorgung stabilisiert sich wieder, Ende 1948 standen im Krankenhaus wieder 950 Betten zur Verfügung und die HNO-Abteilung sowie die Augenabteilung werden wieder eröffnet.

1949

Im Juni wird den Bauern aus der Umgebung wieder der freie Verkauf ihrer Produkte auf dem Cottbuser Markt gestattet, und am 11. 9. wird auf dem Südfriedhof ein Denkmal für die Opfer des Faschismus eingeweiht. Die Festrede hält Dr. Hans Buchholtz. Er war bis 1934 in Berlin tätig und wurde als Anhänger der „Bekennenden Kirche“ in den Ruhestand versetzt. 1937 war er kurze Zeit Superintendent in Cottbus, wurde aber von den Nationalsozialisten verhaftet und übernahm 1938 eine Pfarrstelle bei Lübeck. Nach dem Ende des Krieges kehrt er nach Cottbus zurück, wird erneut Superintendent und tritt der CDU bei. Wesentlichen Anteil hat er 1947 am Wiederaufbau der Lutherkirche, das Stadtparlament erwägte damals den Abriß der Ruine. Am 30. 9. 1949 muß er unter dem Druck der Kirchenleitung seine Geschäfte als Superintendent niederlegen. Sein Nachfolger wurde als Superintendent der Bergmannssohn Paul Schüler. Am 12. 10. findet auch in Cottbus eine Großkundgebung statt, 30.000 Menschen begrüßen die Gründung der DDR am 7. 10. 1949. Am 24. 10. wird der bisherige Stadtfunk als Studio Cottbus dem Landessender Potsdam zugeordnet und am 17. 9. 1955 strahlt der Sender Cottbus von Radio DDR seine erste Sendung aus dem Studio im alten Logengebäude. Schon zwei Jahre zuvor wurde jedoch begonnen, Radiosendungen in sorbisch/wendischer Sprache zu übertragen.

1950

Durch die Einführung neuer Verwaltungsstrukturen verliert die Stadt Cottbus ihren kreisfreien Status. Aus Guben, Forst, Cottbus-Stadt und Cottbus-Land wird nun der Landkreis Cottbus gebildet. In die Stadt eingemeindet werden am 1. 7. zudem Ströbitz, Schmellwitz, Sachsendorf und Madlow. Nach dem Beschluß zur Enteignung des Grundstückes der Stadtverordneten vom 28. 3. übernimmt am 3. 7. die „Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische-Freundschaft“ die Rechtsträgerschaft über das alte Logengebäude. Hier ist bereits der Rundfunk untergebracht, nun folgte noch eine Bibliothek. Nach einigen Veränderungen wird in diesem Haus am 13. 9. 1957 die Kammerbühne des Theaters der Stadt eröffnet, die ein halbes Jahrhundert lang hier ihre Domizil findet. Aber auch die Versorgungslage in der Stadt kann allmählich verbessert werden. So wird am 28. 7. 1950 das Konsumkaufhaus in der Spremberger Straße eröffnet. Nach umfangreichen Instandsetzungen werden nun im alten Schocken-Kaufhaus wieder Waren angeboten. Die evangelische Landekirchliche Gemeinschaft kann 1950/51  in Merzdorf eine kleine Kirche errichten. Diese Gemeinde besteht schon seit 1901 in Cottbus un hatte ihr Gemeindezentrum seit 1911 in der Berliner Straße.

1951

Zum Pfingstfest wird durch den Generalsuperintendenten Günter Jacob die wieder aufgebaut e Lutherkirche geweiht. Kultur und Sport nehmen zunehmend wieder Raum im Alltag ein. Am 7. 3.  wird das „Haus der Jugend“ eingeweiht. Das Gebäude diente früher der Kasino-Gesellschaft als Vereinshaus, für mehr als fünf Jahrzehnte wird es der Treffpunkt der jungen Cottbuser zu Musik, Konzert und Tanz. Ein halbes Jahr später, am 14. 10., wird im Süden der Stadt die Radrennbahn übergeben. Die 400 Meter lange Bahn ist der erste Abschnitt des Sportzentrums, das in den folgenden Jahren zu einem Zentrum der Sportförderung mit verschiedenen Anlagen erweitert wird. Die Eröffnung dieses Sportzentrums „Max Reimann“ feiern die Cottbuser mit einer Spartakiade vom 15. bis 17. 8. 1952. 32.000 Zuschauer begrüßen den Abschluß des Projektes, das im Nationalen Aufbauwerk entstanden war.

1952

Zunächst organisieren sich die Versorgungsbetriebe neu, am 1. 1. wird der VEB (Kombinat) Verkehrsbetriebe gebildet und direkt dem Rat der Stadt unterstellt. Ein halbes Jahr später wird zum 1. 7. der VEB (Kombinat) Energieverteilung Cottbus begründet und am 1. 10. auch das städtische Gaswerk diesem Kombinat zugeordnet. Die Verwaltungsstrukturen werden im Land Brandenburg mit dem Gesetz vom 25. 7. neu geregelt und die Bezirke Cottbus, Frankfurt und Potsdam gebildet. Insgesamt werden in den fünf Ländern 14 Bezirke und die bezirksfreie Stadt Berlin gebildet. In Cottbus konstituiert sich am 11. 8. der Bezirkstag. Er nutzt nun das Neue Rathaus, der Rat der Stadt wird an anderen Orten untergebracht. Schon vier Tage später erscheint die erste Nummer der „Lausitzer Rundschau“, versehen mit dem Untertitel „Bezirksorgan der SED“. Erst nach den politischen Veränderungen im Herbst 1989 wird die Zeitung ihrer parteipolitischen Bindung enthoben. Seit dem 18. 1. 1990 erscheint sie mit dem neuen Untertitel als „Unabhängige Tageszeitung“ und muß nun als Zeitung auf dem freien Markt bestehen. Wenige Tage später wird am 1. 9. die Sorbische Oberschule gegründet. Sie nutzt das Gebäude des alten Lehrerseminars, heute ist sie als Niedersorbisches Gymnasium eine der wichtigsten Schulen in der Niederlausitz. Seit mehr als fünfzig Jahren steht der Unterricht in sorbischer Sprache auf der Tagesordnung, auch wenn zeitweilig manches Unterrichtsfach nur in deutscher Sprache vermittelt wurde. 1964 treten neue Regelungen für den Einsatz der sorbisch/wendischen Sprache in Kraft, in deren Folge die Schülerzahlen stark zurückgehen. In der Gegenwart ist diese Schule ein Zentrum der Sprach- und Kulturpflege der niederlausitzer Sorben/Wenden.

1953

Auch in Cottbus demonstrieren die Arbeiter am 17. und 18. 6. und protestieren gegen die immer schlechtere Versorgung und die höheren Anforderungen an die Werktätigen in den Betrieben. Aber auch politische Forderungen wurden gestellt; wie in anderen Städten der DDR wird auch in Cottbus schnell wieder für Ruhe gesorgt.

1954

Mit der Konstituierung der Stadtverordneten am 26. 3. wird Cottbus gleichzeitig wieder kreisfreie Stadt. Am 1. 6. findet ein umfangreiches Aufbauwerk einen ersten Höhepunkt. Der Tierpark wird eröffnet und die Pioniereisenbahn fährt erstmalig zwischen Tierpark und Sandower Dreieck. Beide Anlagen entstanden im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes und werden in den folgenden Jahren weiter ausgebaut, bis jetzt ist es ein beliebtes Ausflugsziel für die Cottbuser. Noch immer bereitet die Wohnungsnot den Cottbusern große Schwierigkeiten. Wie schon zu Beginn des Jahrhunderts schließen sich nun die Menschen zusammen und am 13. 6. wird die Arbeiterwohnungsgenossenschaft „Große Initiative“ gegründet. Zwischen 1956 und 1957 werden weitere Arbeitwohnungsgenossenschaften gegründet, die sich im Herbst 1960 zusammenschließen, um den Bau der Wohnhäuser gemeinsam zu koordinieren. Am 17. 8. 1954 wird der neue Rektor der Hochschule für Bauwesen, Prof. Dr.-Ing. Theodor Musterle, in sein Amt eingeführt. Am 25. 10. 1948 wird in der Sielower Straße die „Ingenieurschule für Bauwesen und Handwerkerförderung“ begründet, aus der später die „Ingenieurbauschule Cottbus hervorgeht. Mit dem Abschluß des Baumaßnahmen konnte am 17. 10. 1957 nun auch die Hochschule für Bauwesen ihrer Bestimmung übergeben werden. Sie bildete den Grundstock für die Technische Hochschule, aus der am 15. 6. 1991 die Brandenburgische Technische Universität hervorgeht. Am 17. 12. 1954 kann die Spreebrücke in der Franz-Mehring-Straße in Betrieb genommen werden.

1955

Am 1. 4. wird die URANIA in Cottbus gegründet. Sie hatte sich zur Aufgabe gemacht, wissenschaftliche Erkenntnisse in populärer Weise zu verbreiten. Die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Oberkirche kann am 5. 6. mit der Weihe des Altarraumes einen ersten wichtigen Abschnitt ihres Wiederaufbaues beenden. Es sollen noch Jahrzehnte vergehen, ehe der Kirche ihre Wunden geheilt werden können, erst am 15. 6. 1980 werden die umfangreichen Restaurierungsarbeiten im Innern abgeschlossen. Acht Jahre später, am 19. 6. 1988 wird unter der Anteilnahme Tausender Cottbuser dem Kirchturm die Nachbildung der alten barocken Haube aufgesetzt und die Kirche erhielt dadurch ihr einstiges Aussehen zurück. Unter dem Motto „Grünen und Blühen an der Spree“ findet vom 20. bis zum 28. 8. 1955 eine Blumen- und Gartenausstellung in Cottbus statt. Das Ausstellungsgelände mit ca. 7 Hektar umfaßt u. a. den Blechenpark, den Goethepark, das Mühlgrabenufer und die Kastanienallee.

1956

Zu Beginn des Jahres werden die ersten Produktionsgenossenschaften der Handwerker gegründet. Zum 1. 1. sind dies zunächst die PGH der Fliesenleger und die PGH „Einheit“ des Fleischerhandwerkes, am 25. 3. erfolgt die Gründung der PGH “Fortschritt“ des Schneiderhandwerks. Bald folgten weitere Eingriffe in die wirtschaftlichen Strukturen. Den Einzelhändlern werden nun Kommissionsverträge vorgeschrieben und in den folgenden Jahren den kleineren und mittleren Betrieben staatliche Beteiligungen zugewiesen. Auch die Bauern der Stadt werden in landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften zusammengeführt, am 10. 5.1958 wird die erste Cottbuser LPG gegründet. Aber auch das Stadtbild unterliegt Veränderungen, am 5. 1. 1956 wird mit der Umgestaltung des Schillerplatzes hinter dem Theater begonnen und in den folgenden Wochen und Monaten schaffen die Cottbuser im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes diesen kleinen Park mit dem Springbrunnen. Am 25. 3. kann nach dreijähriger Bauzeit die Poliklinik in der Thiemstraße eröffnet werden, in den folgenden Jahrzehnten erfolgt der kontinuierliche Ausbau des alten Krankenhauses zu einem modernen medizinischen Zentrum. Im August feiern die Cottbuser die 800-Jahr-Feier mit Festumzug, Ausstellungen zur Stadtgeschichte und der Verleihung des Carl-Blechen-Kunstpreises.

1957

Zu Beginn des Jahres gibt es in der Stadt Cottbus 16 PGH, in den 959 Handwerksbetriebe werden ca. 3.800 Menschen beschäftigt. Am 28. 3. 1957 findet die Eröffnung der neuen Hauptpost statt. Bereits 1951 hatte man nach den schweren Schäden am Gebäude die Post wieder aufgebaut, am 30. 4. 1955 wird dann der Grundstein für einen Erweiterungsbau gelegt. Am 15. 5. 1957 wird in der Spremberger Straße nach umfangreichen Baumaßnahmen die Gaststätte „Stadt Cottbus“ eröffnet und im Herbst kann am 15. 10. die neu aufgebaute Spreebrücke in der Sandower Straße übergeben werden. Diese Brücke war in den letzten Kriegstagen gesprengt worden und seitdem nur als Notbrücke in Benutzung. In Dissenchen wird am 7. 12.  eine evangelische Gottesdienststätte geweiht. Diese kleine Kirche entstand durch den Umbau eines Wohnhauses.

1958

Am 11. 7. wird die Pioniereisenbahn bis zur Friedenseiche in Branitz verlängert und am 4. 10. hat die sorbische Oper „Jan Suschka“ anläßlich des fünfzigjährigen Jubiläums des Cottbuser Theaters Premiere. Beginn der Bauarbeiten am „Bezirkspionierpark“ ist der 12. 12., die Blockhütten werden nach 1990 abgetragen und die Fläche neu gestaltet.

1959

Im Verlaufe des Jahres werden die beiden Brücken am Bahnhofsberg erneuert. Ein Jahr später wird auch die alte Holzbrücke des Wernersteges abgerissen und durch Stahlbetonfertigteile, die in Cottbus entwickelt worden waren, ersetzt. Erst 1994 mit dem Neubau des Wernersteges wurde diese Konstruktion entfernt.

1960

Am 15. 6. erfolgt in der Stadt die Eröffnung eines neuen Freibades, neben dem alten Strombad gibt es nun auch das Friedrich-Ludwig-Jahn-Freibad an der Sielower Straße. Am 9. 9. wird die Kaufhalle Süd eröffnet, in der unmittelbaren Umgebung waren zuvor zahlreiche neue Wohnungen erbaut worden. Am Thälmannplatz wird am 12. 12. der zentrale Busbahnhof in Betrieb genommen, erst dreißig Jahre später, am 22. 12. 1990, stand der neue Busbahnhof in der Marienstraße zur Verfügung. Eine Schulreform brachte nun die zehnjährige Schulpflicht, die Einführung der Polytechnischen Oberschule bis Klasse 10 und die Erweiterte Oberschule für das Abitur bis Klasse 12.

1961

Nachdem die sowjetische Stadtkommandantur ausgezogen war, nutzt nun der Rat der Stadt das alte Knappschaftsgebäude seit dem Juni 1961 am Schillerplatz. Zahlreiche Dienststellen der städtischen Verwaltung sind jedoch über die ganze Stadt verstreut. Erst am 8. 2. 1990 können die Cottbuser ihr Rathaus am Neumarkt wieder nutzen, nachdem der Rat des Bezirkes aufgelöst worden war und seine Tätigkeit eingestellt hatte. In das Knappschaftsgebäude ziehen dann Stadtarchiv und Stadtmuseum, 1995 erhält die Bundesknappschaft dieses Haus aber wieder zurück und nutzt es seitdem.

1963

Für die Stadt Cottbus wird ein Generalbebauungsplan aufgestellt. Nach einigen Präzisierungen wird dieser am 16. 5. 1965 verabschiedet. Geplant war die Errichtung eines neuen Stadtzentrums, das den Ansprüchen der Zeit gerecht werde. Dieses außerhalb des historischen Zentrums entstehen zu lassen, forderte den großflächigen Abriß zahlreicher Straßenzüge. Für dieses Jahr hatte man auch den Beginn des Neubaues für ein Empfangsgebäude am Bahnhof vorgesehen, jedoch mußten die Cottbuser noch einige Jahre darauf warten. Die Grundsteinlegung erfolgte erst am 30. 10. 1974 und am 5. 10. 1978 wird nach dreijähriger Bauzeit das neue Empfangsgebäude übergeben. Am 19. 3. 1963 wird der Sportclub Cottbus gegründet. Drei Jahre später, am 1. 2. 1966, kann die BSG Energie Cottbus mit der Sektion Fußball begründet werden. Während die Fußballer immer wieder zwischen DDR-Liga und DDR-Oberliga wechselten, brachte der Sportklub zahlreiche Weltmeister hervor. Insbesondere der Radsport wurde in Cottbus mit Erfolg betrieben, Lutz Heßlich eröffnet am 7. 7. 1976 den langen Reigen der Weltmeister.

1964

Am 1. 1. wird die AWG „Stadt Cottbus“ gegründet. Diese Arbeiterwohnungsgenossenschaft wird sich ab 1976 mit anderen Wohnungsgenossenschaften zusammenschließen. Bereits 1926 wurde zum Schutz eines unterirdischen Abwasserkanals die Sanzebergbrücke als Fußgängerbrücke errichtet. Am 6. 10. 1964 wurde nun eine neue Brücke übergeben, die Firma „Walter Schupp" hatte diese unter Verwendung der alten Widerlager und Pfeiler als Plattenbalkenbrücke errichtet. Am  8. 10. 1964 schließen die Repräsentanten der beiden Städte Cottbus und Montrieul eine Partnerschaft ab. Bereits am 11. 4. 1960 war Cottbus Mitglied der Weltförderation der Partnerstädte geworden, Partnerschaftsverträge bestanden zudem mit Grosseto in Italien (1967). Seit 1975 gibt es Beziehungen mit Zielona Gora in Polen, ein Vertag über die Partnerschaft wird jedoch erst 1992  abgeschlossen. Seit 1974 besteht der Kontakt  mit Lipezk in Rußland und ebenfalls seit 1975 mit Targowischte in Bulgarien. Mit Kosice bestehen seit 1992 enge Beziehungen und seit 1987 auch mit Saarbrücken, 1995  mit Gelsenkirchen und 1999  mit der englischen Stadt Nunetown & Bedworth.

1965

In Cottbus leben 75.541 Menschen. Im März beginnen die ersten Abrißarbeiten durch das Tiefbaukombinat zum Bau eines neuen Stadtzentrums, sie werden bis 1967 die Voraussetzungen für die Neubauten schaffen. Grundlage ist der Bebauungsplan, das Quartier zwischen Karl-Liebknecht-Straße wird sich im folgenden Jahrzehnt stark verändern. Das erste Gebäude ist das „konsument-Kaufhaus“, die Eröffnung wird am 3. 10. 1968  gefeiert. Ein Jahr später, am 18. 8. 1969 wird die Volksbuchhandlung eröffnet, zwei Monate später wird der „Stadtbrunnen“ des Cottbuser Künstlers Rudolf Graf vor der Buchhandlung in Betrieb genommen. Dieser Brunnen wird im Herbst 2002 abgetragen und durch neue Wasserspiele ersetzt. Am 5. 10. 1969 werden zahlreiche Einrichtungen in der Stadtpromenade der Öffentlichkeit übergeben, so z. B. verschiedene gastronomische Einrichtungen und am 18. 7. 1970  das „Hotel Lausitz“, das zu Beginn der neunziger Jahre abgetragen und durch den Neubau des „Lausitzer Hofes“ zwischen 1992 und 1995 ersetzt wird. Auch die Wohnhäuser prägen das Bild, sie entstehen im 1. Bauabschnitt. In einem weiteren Bauabschnitt wird zum 1. 7. 1974 der Straßenbahnverkehr aus der Spremberger Straße in die Stadtpromenade verlegt. Fußgängerbrücke 1974 und die Eröffnung der Stadthalle am 3. 10. 1975 markieren diesen Abschnitt, der seine endgültige Gestaltung 1977/78 mit den Pavillons erhielt.

1967

In diesem Jahr wird das Haus der Bauarbeiter übergeben. Hier finden Konzerte und Kulturveranstaltungen statt, Ende der neunziger Jahre wird das Staatstheater dieses Haus als neue Spielstätte der Kammerspiele übernehmen. Die Carl-Blechen-Sammlung im Schloß Branitz erfährt in diesem Jahr eine wichtige Bereicherung mit dem Kauf des Bildes „Vorfrühling“. Im März 1829 schuf Carl Blechen das Gemälde, das eine italienische Hügellandschaft zeigt.

1968

Zwischen März und September werden die Fassaden der Bürgerhäuser auf dem Altmarkt saniert, nach 1980 müssen manche der Häuser erneut restauriert wurden. Dabei sind zahlreiche Gebäude fast vollständig abgerissen und durch Kopiebauten ersetzt worden.

1969

Am  3. 9. wird die Ingenieurhochschule für Bauwesen gegründet. Sie bildet den Grundstock für das in den folgenden Jahren aufgebaute Bildungszentrum. Im ersten Studienjahr wurden 246 Direktstudenten und 183 Fernstudenten immatrikuliert. Neben den Wohnheimen entstehen zahlreiche Bildungseinrichtungen, der erste Bauabschnitt wird am 23. 7. 1970 übergeben. Ein Jahr später, ab 20. 12. 1971  kann die Schwimmhalle genutzt werden und anschließend werden bis 1973  die Baufachschule, die Schule des Textilkombinates und zwei Pädagogische Schulen errichtet. Einen Abschluß finden die Baumaßnahmen mit der Übergabe des gesamten Komplexes am 3. 10. 1974. Am 29. 9. 1969  beginnt eine neue Etappe in der Textilproduktion in Cottbus, an diesem Tag werden die neuen Produktionsstätten des VEB Textilkombinates in Betrieb genommen. In nur neunmonatiger Bauzeit konnte hier ein kompletter Betreib errichtet werden, der in den folgenden Jahren weiter ausgebaut wird. Den Beschluß zum Aufbau dieses Betriebes faßte das Politbüro der SED im März 1968 und schon am 3. 10. 1968 wird der erste Spatenstich vollzogen. Die Maschinen für das moderne Werk wurden damals zumeist aus der BRD und der Schweiz importiert, die Versuchsproduktion konnte bereits am 8. 5. 1969 starten. Produkte des TKC fanden hohe Wertschätzung, schon auf der Herbstmesse 1969 in Leipzig erhalten sie die erste Goldmedaille. Trotz innovativer Entwicklungen stoßen die Textilwerker schnell an die Grenzen ihrer Möglichkeiten, bald sind viele ihrer Produkte nur innerhalb des RGW absetzbar. Im Sommer 1990 waren fast 4.000 Mitarbeiter in diesem Betrieb tätig, schnell erweist sich jedoch, daß unter marktwirtschaftlichen Bedingungen die Produktion so nicht mehr weitergeführt werden konnte. Es folgten Ausgründungen und vor allem ein drastischer Abbau der Beschäftigen, 1993 waren an diesem Standort in vier Textilbetrieben noch etwa 700 Arbeitnehmer beschäftigt. Heute erinnert vor allem der Name des Einkaufszentrum an das einstige Kombinat, nach dem Umbau der Werkhallen konnte dieses am 29.6. 1993 eröffnen.

1970

Am 3. 1. fährt der letzte Zug der traditionsreichen Spreewaldbahn, von den Cottbusern auch liebevoll “Bimmelguste“ genannt. Bereits seit 1958  waren verschiedene Teilabschnitte stillgelegt worden, z. B. in Lieberose und am 18. 10. 1964 zwischen Byhlen und Lieberose. Drei Jahre später wurde zunächst am 26. 5. 1967 der Güterverkehr und ab 24. 9. auch der Personenverkehr eingestellt. Die Strecke zwischen Goyatz und Cottbus wurde bereits am 26. 5. 1968 nicht mehr befahren und nach 1970 übernahmen nun alle Fahrten die Buslinien des Kraftverkehrs. Die Anlagen wurden zum größten Teil zurückgebaut, heute erinnern noch einige Bahnhofsgebäude an die Glanzzeit der Kleinbahn.

1971

In diesem Jahr wird der Beschluß gefaßt, die Kiesgrube in den Madlower Schluchten zu einen Freibad auszubauen und die Schwimmhalle in der Welzower Straße wurde mim Rahmend es „Mach Mit-Wettbewerbes“ errichtet. Die Stadt zählt nun 83.354 Einwohner und 30.733 Wohnungen. Um die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern, wird am 16. 6.  der Grundstein für eine neue Großbäckerei gelegt, die ihren Betreib am 1. 9. 1973 aufnimmt.

1972

Das neue Jahr bringt dramatische Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur. Es werden auch in Cottbus zahlreiche Betriebe, die bisher privat oder mit staatlicher Beteiligung betrieben wurden, enteignet und verstaatlicht. Dies betraf z. B. die Teppichfabrik „Krüger & Hahn“, die Färbereien „Ernst Michovius & Co.“ und „Wilhelm Eschenhagen“ und die Tuchfabriken „Berthold Herfarth KG“, „Enno Reuschel KG“ und „Hasselbach & Westerkamp KG“. Aber auch die „Streichgarnweberei Wilhelm Gerlach KG“ und die Walk- und Appreturbetriebe „Domke & Wilke“ und Walk- und „Otto Huckenbeck“ waren davon ebenso betroffen wie der traditionsreiche Betrieb „Gustav Schmogrow“ und die Baufirma „Schupp“.

1973

Im Mai wird die bereits seit den fünfziger Jahren bestehende Musikschule in ein Konservatorium umgewandelt.

1974

Die Stadt Cottbus erhält am 26.4. ein modernes Raumflugplanetarium, das ein vierachsiges Zeiss-Projektionsgerät besitzt und den Namen „Jurij Gagarin“ erhält.

1975

In diesem Jahr wird erstmalig seit Jahrzehnten wieder ein Markt durchgeführt, im Oktober findet  nun jährlich der „Lausitzer Markt“ in Cottbus statt. Die Inbetriebnahme des Kraftwerks Jänschwalde am 1. 2. markiert für die Bezirksstadt durchaus einen wichtigen Einschnitt, viele Kraftwerker wohnen in Cottbus. In direktem Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung der Stadt steht auch die Grundsteinlegung für das Neubaugebiet Sachsendorf/Madlow am 17. 9. Geplant war der Abschluß der Baumaßnahmen für das Jahr 1983, auf einer Fläche von ca. 133 Hektar sollten etwa 12.500 Wohnungen entstehen. Insgesamt würden hier einmal 40.000 Menschen leben. Die ersten 32 Familien ziehen im Januar 1975 in ihre Wohnungen, bald folgen auch Schulen und Kindergärten. Kaufhallen werden an zentralen Plätzen errichtet, auf andere Versorgungseinrichtungen müssen die Sachsendorfer lange warten. Am 1. 10. 1975 wird der Grundstein für das neue Bezirkskrankenhaus gelegt. Nach sieben Jahren Bauzeit kann der gesamte Komplex am 14. 12. 1982 übergeben werden.

1976

Am 13. 1.  wird eine moderne Tankstelle an der Kolkwitzer Straße in Ströbitz übergeben und am 18. 3.  erhält das Cottbuser Textilkombinat gemeinsam mit dem Chemiefaserwerk Guben eine Goldmedaille auf der Leipziger Messe für ihr Produkt „Jersey Flanell“. In den Straßenbahnen wird seit dem 21. 3. das neue Entwertungssystem eingeführt und am 15. 5. wird der Badesee in Ströbitz eingeweiht. Am 4. 9. wird der 100.00 Einwohner der Stadt geboren – Cottbus ist nun die 15. Großstadt der DDR. Am 6. 10. wird die Spremberger Straße als Fußgängerzone übergeben, nachdem bereits zwei Jahre vorher hier Straßenbahnverkehr in dieser Geschäftsstraße eingestellt worden war.

1977

Zu Beginn des Jahres steht die Kultur im Mittelpunkt. So wird am 7. 1. das Kino Weltspiegel nach umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten wieder eröffnet. Wenige Wochen später erfolgt am 5. 3. die Gründung der Staatlichen Kunstsammlungen Cottbus. In den folgenden Jahrzehnten wird in diesem Museum eine umfangreiche Sammlung moderner zeitgenössischer Kunst zusammengetragen und immer wieder den Cottbusern präsentiert. Die Sammlungen dokumentieren das 20. Jahrhundert mit seinen Umbrüchen, zu den herausragenden Schwerpunkten zählen sicher die Bestände der jüngeren DDR-Kunst. Nach der Neustrukturierung der Museumslandschaft führen die „Brandenburgischen Kunstsammlungen Cottbus. Museum der zeitgenössischen Kunst“ seit Dezember 1990 die Sammlungen fort und präsentieren sich als eines der bedeutendsten Museen im Land Brandenburg. Ende März 1977 trifft sich die Domowina zu ihrem IX. Bundeskongreß in Cottbus und am 14. 6.  wird im Cottbuser Kulturbund auch eine „Cottbuser Bezirksgruppe der Bibliophilen und Freunde der Kleinkunstgraphik“ (Pirckheimer-Gesellschaft) gegründet. Den sportlichen Höhepunkt markiert in diesem Jahr Rosemarie Ackermann am 26. 8.  mit ihrem Weltrekord im Hochsprung, als erste Frau überspringt sie die 2-Meter-Marke.

1978

Auch dieses Jahr wird von der Kunst bestimmt. So erhält das Bezirksmuseum Cottbus im Schloß Branitz ein bedeutendes Bild des Cottbuser Malers Carl Blechen geschenkt. Aus dem Nachlaß des Cottbuser Architekten Max Hanke kommt das Gemälde „Gotische Kirchenruine im Winter mit schneeballenden Jungen“ in die Sammlungen. Die Gestaltung der Spremberger Straße erfährt mit dem Brunnen des Künstlers Jürgen von Woyski eine Bereicherung.

1980

Im Juli finden im neuen Max-Reimann-Stadion die DDR-Meisterschaften in Vorbereitung auf die Olympischen Spiel in Moskau statt. Dort sind die Radfahrer aus Cottbus erfolgreich, Lothar Thoms, Lutz Heßlich, Hans-Joachim, Hartnick und Bernd Drogan sowie Bernd Winkler kehren mit Medaillen zurück.

1981

Am 7. 4.  stirbt in Cottbus Dr. Herbert Scurla. Der am 21. 4. 1905 geborene Schriftsteller und Publizist lebt seit 1951 in Cottbus. Mit seinen Veröffentlichungen über bedeutende Schriftsteller wie Lessing, Varnhagen von Ense, Heine, Büchner und Schiller vermittelt er Einblicke in die klassische deutsche Literatur. Auch seine Publikationen über Forschungsreisende, z. B. Wilhelm und Alexander von Humboldt, und ihre Erkunden zählen noch heute zu den Klassikern. Am 8. 4. 1981 danach wird im Tagebau Cottbus-Nord die Förderung der Kohle aufgenommen, dieser Tagebau sollte entsprechend der damaligen Planungen fast bis an die Stadtgrenzen herangeführt werden. In diesem Zusammenhang wird zwischen 1986 und 1992 ein etwa 5 km langer Abschnitt des Hammergrabens verlegt.

1983

Im Norden der Stadt wird eine neue Brücke über die Spree gebaut, damit erhält der Nordring eine Anbindung an die Straße in Richtung Peitz. Ein Jahr später, 1984, wird mit dem Neubau der nördlichen Bahnhofsbrücke begonnen. Bereits 1974 mußten hier Lastbeschränkungen für den Verkehr ausgesprochen werden und 1976 wurde der Straßenbahnverkehr über die Bahnhofsbrücke gesperrt.

1984

Am 16. 7.  wird zudem der Grundstein für das Innerstädtische Bauen gelegt, in den folgenden fünf Jahren werden zahlreiche historische Gebäude und Straßenzüge durch Neubauten ersetzt. Das Wendische Viertel wird in der üblichen Plattenbauweise errichtet, aber die Gebäude erhielten der Innenstadt angepaßte Fassaden. Die ersten Wohnungen werden bereits ein Jahr später, am  15. 3. 1985, übergeben. Wenige Tage später, am 26. 9. wird in Cottbus die 40.000 Neubauwohnung übergeben und am 3. 10.  fährt die Straßenbahn das erste Mal in das Neubaugebiet nach Schmellwitz.

1986

Ganz im Zeichen der Museen steht der April. Am  16. 4.  wird nach umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten die Parkschmiede im Branitzer Park der Öffentlichkeit zugänglich und einen Tag später kann auch das Technische Denkmal Spreewehrmühle feierlich eingeweiht werden. Hier hatte bereits 1977 die Gaststätte geöffnet und sich zu einem beliebten Ausflugsziel der Cottbuser entwickelt. Ein halbes Jahr später wird am 3. 10. 1986 das Cottbuser Theater nach vierjähriger Rekonstruktion mit dem „Rosenkavalier“ wieder eröffnet.

1987

Im März findet der XI. Bundeskongreß der Domowina in Cottbus statt. Auch wird in diesem Jahr erstmals wieder ein Gottesdienst in sorbisch/wendischer Sprache abgehalten. Am 31. 10. kann  die neue Radrennbahn im Sportzentrum übergeben werden und am 12. 11. wird in Cottbus der „Freundeskreises Karl May“ gegründet, der dem Kulturbund angeschlossen war. Dieser Freundeskreis war der erste Interessenverband in der DDR, dessen Mitglieder sich dem Werk des Schriftstellers Karl May widmete.

1989

Anfang Juni wird die dritte katholische Kirche in Cottbus geweiht, Die „Edith-Stein-Kriche“ besaß auch ein Gemeindezentrum. Am Wochenende 23. und 24. 4. werden die beiden 90 Meter langen Hauptteile der östlichen Fahrbahnseite der Bahnhofsbrücke montiert. Im Zeichen der Museen steht der 2. 5. 1989, an diesem Tag wurde das Niederlausitzer Apothekenmuseum eröffnet. Heute beherbergt das „Brandenburgische Apothekenmuseum“, getragen von einem Förderverein, eine der bedeutendsten medizinhistorischen Sammlungen. Schon zu Beginn des Jahres war es zu Diskussionsrunden in den Kirchen gekommen, so veranstaltete die Gruppe Gerechtigkeit unter dem Schutz der Kirche schon am 11. 2., kurz nach dem Besuch des schwedischen Ministerpräsidenten Olaf Palme in DDR Gesprächsrunde zur UNO-Charta Ein starkes Sicherheitsaufgebot, Observation und Überwachung durch die Bereitschaftspolizei waren da noch an der Tagesordnung, aber in den folgenden Wochen und Monaten werden die kritischen Stimmen immer lauter und immer hörbarer. Am 7. 5. finden auch in Cottbus die Kommunalwahlen statt. Wie in zahlreichen anderen Städten der DDR kam es auch in Cottbus zu Manipulationen der Wahlergebnisse. Die Cottbuser Umweltgruppe macht bereits am 12. 5. eine Anzeige, wenige Tage später, am 30. 5., erstattet sie Anzeige gegen Unbekannt. Die Verantwortlichen für die Wahlfälschungen werden später von einem Gericht verurteilt, aber der Widerstand in der Bevölkerung regt sich, obwohl Partei- und Staatsführung immer wieder auf die Erfolge der Wirtschaft und sozialen Leistungen verweisen. In Cottbus werden am 30. 6. insgesamt 129.224 Einwohner gezählt, das Durchschnittsalter beträgt 33,5 Jahre und die Einwohnerdichte liegt bei 2.571 Menschen je Quadratkilometer. Im Sommer laufen die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der Gründung der DDR auf Hochtouren, aber zahlreiche DDR-Bürger hatten sich ins sozialistische Ausland geflüchtet. Nachdem in Ungarn der Eiserne Vorhang gefallen war, flüchten über diesen Umweg zahllose Menschen aus der DDR, in anderen Städten gehen die Menschen auf die Straßen und protestieren gegen Partei und Staatsführung, fordern Reisefreiheit, politische Mitwirkung ein. Im Juni 1989 finden in der Schloßkirche erste Zusammenkünfte statt, auch das neue Gemeindezentrum in Sachsendorf wird eingeweiht. Im August  stehen die zunehmenden Umweltproblem in Veranstaltungen der Lutherkirche auf der Tagesordnung. Am 11. 9.  wird die DDR-Reformbewegung „Neues Forum“ und am 7. 10. die Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP) gegründet. Auch in Cottbus sind Vertreter dieser neuen Organisationen und Parteien aktiv. Die erste Montagsdemonstration beginnt am 30. 10.  vor dem Stadttheater. Der Demonstrationszug begibt sich zur Stadthalle und wird sich in den nächsten Wochen zu einem offenen Forum der Diskussion entwickeln. Die Kirchen öffnen sich nun auch den Demonstranten und die Führung der SED löst Erich Honecker durch Egon Krenz ab. Am 13. 11.  wird Hans Modrow zum neuen Ministerpräsidenten gewählt und wenige Tage später beginnen am 21. 11. die ersten Gespräche zwischen der Regierung der DDR und der BRD über wirtschaftliche Zusammenarbeit. Zunehmend richten sich die Proteste der Bürger nun auch gegen die staatlichen Stellen der Unterdrückung und Verfolgung, in Cottbus wird am 5. 12.  die Kontrolle über die Zentrale der Stasi-Dienststellen durch die Bürger übernommen und so die Vernichtung zahlreicher Akten verhindert. Vier Wochen später, am 17. 1. 1990, hatten alle ehemaligen Mitarbeiter des Amtes für Nationale Sicherheit ihre Büros geräumt. Der erste Runde Tisch tagt in Cottbus am 11. 12., damit war ein neues demokratisches Forum entstanden. Unter der Leitung des Generalsuperintendenten waren in diesem Gremium Vertreter der neuen politischen Gruppen und Parteien, der Kirche und des Staates zusammengekommen, um auf einer breiten Basis die weitere Entwicklungen in der Stadt zu sichern. Bis zum 30. 5. tagt das Gremium regelmäßig und schuf mit seine Beschlüssen wichtige Grundlagen für eine demokratische Entwicklung in unserer Stadt. Am 13. 12. tritt Oberbürgermeister Erhard Müller, er war seit 1973 im Amt, zurück und die Stadtverordnetenversammlung wählt Waldemar Kleinschmidt zum Oberbürgermeister. Nach 12 ½ Jahren folgt ihm nach den Kommunalwahlen 2002 Frau Karin Rätzel. Auf der Demonstration am 18. 12. werden auch in Cottbus erstmalig Rufe „Deutschland einige Vaterland“ laut.

1990

Nach der Auflösung des Bezirkes Cottbus am 8. 2. können die Cottbuser auch wieder ihr altes Rathaus nutzen. Die folgenden Wochen stehen ganz im Zeichen des Walkampfes. Vertreter der verschiedenen Parteien kommen nach Cottbus, so am 1. 3.  Oskar Lafontaine, am 4.3.  Otto Graf von Lambsdorf und am 9.3. Hans-Dietrich Genscher sowie am 13. 3.  Helmut Kohl. Die Wahl am 18.3. bringt ein neues Kräfteverhältnis in der Volkskammer, die CDU wird stärkste Partei. Auch die Kommunalwahl am 6.5. bestätigt dieses Kräfteverhältnis in Cottbus, die CDU stellt 27 Abgeordnete, die PDS 22, die SPD 18 und das Bündnis für Cottbus 10. Die  FDP stellt 4 Abgeordnete und 8 Mandate werden von anderen kleineren Parteien besetzt. Am 1. 7.  wird de im Mai beschlossene Vertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion mit dem Umtausch der Währungen Realität und am 3. 10 feiern auch die Cottbuser den Tag der Deutschen Einheit. Die Abgeordneten der Stadt und des Landkreises treffen sich zu einer Festsitzung im Cottbuser Theater, die Festrede hält Generalsuperintendent Richter. Am 1. 7. 1990  erscheint die erste Nummer des „Cottbuser General-Anzeigers“ und einen Tag später wird aus der 1966 gegründeten „BSG Energie“ der „FC Energie Cottbus“ gegründet. Wenige Tage später, am 11. 7.  gewinnen die Cottbuser ein Freundshaftspiel gegen den FC Kaiserslautern mit 4 zu 0 und am 5. 6. 1997  steigen die Fußballer unter der Leitung des Trainers Eduard Geyer, der seit 1994 in Cottbus tätig ist, in die 2. Bundesliga auf.  Knapp zwei Wochen später unterliegt der FC Energie Cottbus im Pokalfinale dem VfB Stuttgart und am 26. 5. 2000 gelingt der Mannschaft der Aufstieg in die 1. Bundesliga. Die neuen Verhältnisse ermögliche nun auch neue wirtschaftliche Aktivitäten, am 24. 7.  beschließen die Stadtverordneten den Bau des Cottbus-Center in Sielow und im August 1990  liegen bereits fast 1.600 Gewerbegenehmigung vor. Am 6. 10. 1990 findet mit der „Contact 90“ wird wieder eine Messe in der Stadt durchgeführt, in den folgenden Jahren entwickelt sich Cottbus zu einem Zentrum der Messenativitäten in der Region. Ende des Jahres wird auch in Cottbus gewählt, am 14. 10  der Landtag und am 2. 12. die Abgeordneten und Parteien für den Bundestag. Mit der Neustrukturierung der Wirtschaft werden auch in Cottbus nun die ersten Arbeitslosen und Kurzarbeiter registriert.

1991

Bedeutende Betriebe der Stadt suchen nach wirtschaftlichen Alternativen, so wird der Automatisierungsbetrieb Cottbus nach der Privatisierung am 13. 2. Teilbetrieb der Asea Brown Boveri und aus dem Textilkombinat Cottbus gehen mehrere Betriebe hervor. Am 29. 5.  erhält Cottbus den Status einer Modellstadt und damit Anspruch auf besondere Förderung für die Sanierung der Innenstadt. In den nächsten zehn Jahren werden umfangreiche Mittel zur Verfügung gestellt, um öffentliche und private Gebäude in einem festgelegten Bereich der Stadt sachkundig wiederherzustellen und zu restaurieren. Auch neue Verwaltungen finden in Cottbus eine Heimstatt, am 16.9. erhält das Finanzzentrum des Landes Brandenburg in Cottbus seinen Sitz. Die Stadt wird mit dem Vorschaltgesetz zum Landesplanungsgesetz am 27. 9. Oberzentrum der Region Südbrandenburg und in den folgende Jahren werden zahlreiche weiter Verwaltungen des Landes Brandenburg hier angesiedelt. Am 9. 12. findet die Gründungsversammlung der Fachhochschule Lausitz statt. Diese neue Bildungseinrichtung hat ihren Sitz in Senftenberg und in Cottbus, Gründungsrektor wird Prof. Dr. Roland Sessner. Auch in Cottbus greift nun das neue Schulsystem mit seinen Strukturen, Grundschulen, Gesamtschulen, Realschulen und Gymnasien dienen nun der Bildung.

1992

Das Cottbuser Stadttheater soll Staatstheater in Brandenburg werden, am 16. 1. wird ein Vertrag zwischen dem Land Brandenburg und der Stadt Cottbus abgeschlossen. Ein halbes Jahr später, am 1. 8.  wird Christoph Schroth Intendant in Cottbus. Unter seiner Leitung wird das Cottbuser Staatstheater zu einem der bedeutendsten Theater, das immer wieder mit Inszenierungen auf sich aufmerksam machen. Am 1. 3.  organisiert die Zeitung „Der Märkische Bote“ zusammen mit 14 Vereinen den ersten Karnevalsumzug in Cottbus seit Jahrzehnten. An den Straßen feierten ca. 40.000 Besucher die Närrische Zeit, in den folgenden Jahren entwickelt sich der Cottbuser Karnevalsumzug zum größten der Region. Auf der Stadtverordnetenversammlung am 28. 4.  wird dem Oberbürgermeister Waldemar Kleinschmidt Vom Parlamentsvorstehers Klaus-Bernhard Friedrich die goldene Amtskette überreicht. Metallgestalterin Petra Zimmermann verlieh den Kettengliedern aus getriebenem Silber die Form stilisierter Krebse und der Cottbuser Buchbinder Reinhard Kussagk spendete die Schatulle. Die erst 1912 angeschaffte Goldene Amtskette des Oberbürgermeisters wurde bereits am 29. 3. 1917 durch eine eiserne ersetzt. Für die Bebauung des innerstädtischen Schloßkirchquartiers wird am 7. 8.  der Grundstein gelegt und bereits am 22. 10. wird der erste Spatenstich für den Lausitzer Hof gefeiert, die Grundsteinlegung wird am 25.5. 1993 gefeiert. Das rekonstruierte Gebäude der Industrie- und Handelskammer Cottbus wird am 12. 11.  eingeweiht und die Cottbuser Straßenbahn stellt am 18. 12. ihren ersten modernisierten Tatra-Triebwagen in Dienst. In der Bautzener Straße wird ein neues Gemeindezentrum der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde eingeweiht, dessen bau bereits 1988 begonnen wurde.

1993

Am 25. 1.  beginne die Tiefbauarbeiten für den Neubau der Landeszentralbank in der Ewald-Haase-Straße. An diesem Standort werden ca. 65 Millionen DM verbaut, es entsteht eine der modernsten Landeszentralbanken. Der Handel bestimmt die Cottbuser Landschaft. Zunächst wird am 13. 5. im Süden der Lausitz-Park eröffnet und danach am 27. 3.  wird im Norden das Cottbus-Center eröffnet. Die Volks- und Raiffeisenbank Cottbus eröffnet am 13. 6. ihren neuen Firmensitz. Am Standort der historischen „Drei Gleichen“ in der Sandower Straße erfolgte ein kompletter Neubau mit historisierender Fassadengestaltung. Am 29. Juli  ist Baubeginn für den 137 Meter hohen Cottbuser Fernsehturm und am 9. 7.  wird der Grundstein für den Wiederaufbau des Hauses des Handwerks am Altmarkt gelegt. Die Cottbuser Sparkasse errichtet auch einen neuen Firmensitz in der Rudolf-Breitscheid-Straße, der Grundstein wird am 10. 8.  gelegt, dagegen weiht die Bayerische Bank zieht in das rekonstruierte Gebäude Sandower Straße 54 ein. Die Hypothekenbank nutzt ihren neuen Filialsitz in Cottbus am 15. 11.  in der Berliner Straße 159. Sie errichtet einen Neubau als Kopie zweier noch im September 1989 abgerissenen denkmalgeschützter Gebäude. Die Cottbuser wählen am 5. 12. erneut ihr Stadtparlament, die SPD wird nun stärkste Partei. Am 6. 12.  werden nach dem Beschluß vom Sommer 1992 die Dörfer Branitz, Dissenchen mit Schlichow, Döbbrick mit Maiberg, Kahren, Sielow und Willmersdorf nach Cottbus eingemeindet. Auf einer Fläche von 103,6 km² leben nun 128.347 Einwohner, sieben Jahre später sind es nur noch 108.241 Einwohner.

1994

Zu Beginn des Jahres wird am  7.1.  das neue Haus der Wirtschaft eröffnet. In Vorbereitung auf die Bundesgartenschau konnte das Teilstück der Autobahn A 15 zwischen Forst und Cottbus am 12. 2. für den Verkehr freigegeben werden und wenige Tage später wird am  17. 2.  der Grundstein für den Ostrower Business Park gelegt. Hier entstehen Wohnungen, eine Tiefgarage und Handelsflächen. In Schmellwitz wird am 28. 2. eine neue Grundschule eröffnet. Am 21. 3. beginnt die Industrie- und Handelskammer mit dem Bau eines neuen Weiterbildungszentrums und am 20. 4.  wird der Grundstein für ein modernes Umweltzentrum auf dem späteren Gelände der Bundesgartenschau gelegt. Mit der Eröffnung des Wendischen Museums am  3. 6. in der Mühlenstraße 12 findet der mühevolle Aufbau eines Museums für die Kultur und Lebensweise der Sorben / Wenden in der Niederlausitz einen Höhepunkt. Schon im alten Städtischen Museum gab es Sammlungen und Ausstellungen, die diesen Schwerpunkten gewidmet war, nun ist es wieder möglich , diese reiche Kultur der Öffentlichkeit einem eigenständigen Museum vorzustellen. Immer wieder aber wird Richtfest gefeiert in jenen Tagen, so am 3. 6.  beim Bau des späteren „C & A Kaufhauses“ am Brandenburger Platz und am  10.6.  beim Bau des Schloßkirchquartiers. Die ersten modernen großen Hotelbauten entstehen in Vorbereitung auf die BUGA 1995 und in der Hoffnung auf einen regionalen Tourismus, am 1. 9. können die ersten Gäste ins Hotel Maritim neben der „Fürst-Pückler-Passage“ kommen.

1995

Mit dem Abriß des Hausteils Marienstraße 4 am 17. 1. wird die letzte Ruine aus dem 2. Weltkrieg beseitigt. Der Aufbau der Innenstadt geht zügig voran, am 27. 2.  wird das Sorat-Hotel am Schloßplatz eröffnet. Höhepunkt einer mehrjährigen Entwicklungsarbeit ist die Eröffnung der Bundesgartenschau in Cottbus am 29. 4. die am 8. 10. mit 2,3 Millionen Besuchern wieder ihre Pforten schließt. bereits am 4. 12. 1991 hatte der Zentralverband Gartenbau beschlossen, diese BUGA in Cottbus durchzuführen. Am 28. 10. 1993 erhält das Bau- und Finanzierungskonzept für die BUGA die Zustimmung des Stadtparlamentes. Am 20. 1. 1993 unterzeichnen Oberbürgermeister Waldemar Kleinschmidt und Präsident Zwermann vom Zentralverband Gartenbau den Durchführungs- und Gesellschaftervertrag. Am 15. 11. 1995 verleiht die Stadt Cottbus erstmals wieder Ehrenmedaillen. Diese Auszeichnungen sollen insbesondere für das besondere Engagement für die Stadt verleihen werden, erste Empfänger der Medaillen sind Generalmusikdirektor Frank Morgenstern und der Apotheker Ullrich Gerasch. In Fortsetzung des Quartiers am Schloßkirchplatz legt die GWG Stadt Cottbus am 21. 12. 1995 den Grundstein für die Schloßkirchpassagen. Hier entstehen neben Handelsflächen auch zahlreiche Wohnungen im Zentrum der Stadt.

1996

Am  5. 1.  wird in der Cottbuser Postfiliale wird ein „Automatisches Brief-Annahme-System“ (ABAS) aufgestellt, dabei handelt es sich um einen Betriebsversuch, der bis zum Juli 1997 durchgeführt wurde. Im April  kommt das Aus für den Cottbuser Schlachthof und am 22. 5. fällt der Startschuß für die Sanierung der Berliner Straße zwischen dem Stadtzentrum und Kolkwitz. Nach der Fertigstellung im Jahr 2000 konnte eine der wichtigsten Straßen in Cottbus den neuen Verkehrsanforderungen gerecht werden. Im Dezember 1996 wurde am Großen Spreewehr eine moderne Turbine für die Stromerzeugung durch die Stadtwerke in Betrieb genommen. Der Grundstein dafür wurde bereits drei Jahre vorher im Dezember 1993 gelegt. Zeitgleich wurde das gesamte Wehr umgebaut und eine neue moderne Anlage errichtet. Im Verlaufe des Jahres 1996 gelang dem Fürst-Pückler-Museum in Branitz der Ankauf eines weiteren Gemäldes von Carl Blechen, des Holztafelbildes „Waldlichtung mit kleinem Weiher und liegendem Hirten“.

1997

Am 9. 5. wird der Grundstein für ein neues Heizkraftwerk gelegt. es soll das am 23. 5. 1968  nach fünfjähriger Bauzeit ablösen. Den Betrieb stellt das alte Heizkraftwerk im Juni 1999  ein. Das neue Heizkraftwerk, eines der modernsten Braunkohlekraftwerke, geht am 23. 3. 2000 ans Netz. Am 12. 10. 1997 wird am Staatstheater erstmalig der „Max–Grünebaum–Preis“ vergeben. Die Erben des einstigen Cottbuser Fabrikanten stifteten zunächst für besondere künstlerische Leistungen den Preis, später wird er auch auf wissenschaftliche Leistungen an der Brandenburgischen Technischen Universität ausgeweitet.

1998

Ein bedeutendes Denkmal ist nach langjähriger Restaurierung wieder zugänglich, am 13. 3. öffnen sich die Türen der Bauhausschule wieder für Schüler. Sie wurde bereits 1930 als Gemeindeschule VII eingeweiht. Hier wird nun eine Integrationsschule eingerichtet, in der Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam lernen und modernste Lehr- und Therapieeinrichtungen zur Verfügung stehen. Auch in diesen Wochen findet der weitere Ausbau des medizinischen Zentrums Cottbus einen wichtigen Fortschritt, am 10. 6.  wird das neue Herzzentrum übergeben. Die Cottbuser Stadtverordneten beschlossen bereits am 25. 11. 1993 die Einrichtung dieses Herzzentrums.

1999

Am 29. 5.  erfolgt der offizielle Startschuß für die Internationale Bauausstellung „Fürst-Pückler-Land“ und im Juni wird mit dem ersten Spatenstich für das City-Parkhaus der Bau begonnen. Bereits am 25. 11. stehen hier 325 Parkplätze zur Verfügung. Ein wichtiger Höhepunkt ist die Inbetriebnahme der neuen Feuerwache im Süden von Cottbus am 10. 7. Der Grundstein für das moderne Leitzentrum, in dem die Stadt Cottbus gemeinsam mit dem Kreis Spree-Neiße arbeitet,  wurde bereits am 19. 12. 1996 gelegt.

 

2000

Am 11. 1. wird erstmalig in der Öffentlichkeit das Projekt der City-Galerie vorgestellt. Vorgeschlagen wird eine Bebauung im Bereich der Stadtpromenade, der u.a. auch die 1874/75 erbaute Mädchenmittelschule und spätere Blechenschule zum Opfer fallen soll. Auch Bestandteile der unter Denkmalschutz stehenden Stadtpromenade müssen für den geplanten Neubau abgerissen werden. Dieses Vorhaben wird in der Stadt kontrovers diskutiert. Am 19. 1.  wird der Neubau des Arbeitsamtes eingeweiht. Hier entstand ein modernes Bürogebäude, abgerissen wurden jedoch die Bierkeller der alten Brauerei, in denen in den Jahren zuvor der „Bebel-Klub“ eine wesentliche Bereicherung der Cottbuser Kulturlandschaft war. Am 14. 2.  wird der Unterricht im neuen Schulgebäude des Oberstufenzentrums I aufgenommen und im Rahmen einer denkmalpflegerischen Sanierung wird dem Spremberger Turm am 27. 5. der Zinnekranz erneuert und ein neuer Glockenstuhl aufgesetzt. Mit der Einweihung des Brauhauses der Landskron-Brauerei am 2. 10. 2000 wird  nun auch in Cottbus wieder Bier hergestellt. Am Standort des einstigen Carl-Blechen-Klubs war einmodernes Brauhaus mit einer Gaststätte entstanden. Am Silvestertag feiern die Cottbuser den beginn eines neuen Jahrtausends, in der Stadt leben nun 108.241 Menschen.

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 11. September 2008 um 14:27 Uhr