Veranstaltungen

NOEVENTS

Drucken E-Mail

 Cottbuser Blätter                    Sonderheft Stadtchronik 2002                    Steffen Krestin

 

Chronik der Stadt Cottbus - von 1850 bis 1915

 
1850

Innerhalb der Jahre 1850/51 erfolgt ein völliger Umbau vom Langhaus des Cottbuser Rathauses in spätgotischer Form. Im Mai wird das Kleine Spreewehr errichtet und die Stadt zählt nun 9.228 Einwohner. Am 27. 10. wird die neue katholische Christuskirche „Zum guten Hirten“ durch Pfarrer Florian Birnbaum aus dem Kloster Neuzelle eingeweiht. Nach der Reformation waren nur noch wenige Katholiken in der Stadt geblieben, die Gemeinde wurde in diesen Jahrhunderten durch die Pfarrer aus Neuzelle betreut. Um 1838 zählte die Gemeinde bereits wieder ca. 800 Mitglieder und so wurde 1845 ein Grundstück an der Dresdener Straße erworben. Den Grundstein legte die Gemeinde am 5. 6. 1848 und nach dem Neubau der Marienkirche 1934 stand sie zunächst leer, wurde auch als Lager genutzt. Im 2. Weltkrieg  schwer beschädigt wird sie zwischen 1965 und 1967 wieder hergestellt und als „Christuskirche“ neu geweiht. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche werden 1850 ein Pfarrhaus und eine Schule für die seelsorgerische Arbeit und 1895 ein Schwesternhaus errichtet. In diesem Jahr erfuhr auch der Postverkehr eine Neuerung. Am 15. 11. wurden die ersten Briefmarken in der Stadt ausgegeben und am 4. 2. 1851 die ersten Postbriefkästen aufgestellt.

1851

In diesem Jahr erhält das Vorwerk des Kunstgärtners Moritz Ruff offiziell den Namen „Ottilienhof“. Ottlilie ist der Name seiner Frau, heute erinnert noch die Ottilienstraße daran. Am 15. 8. erteilte König Friedrich Wilhelm IV. den Gründungserlaß einer „Handelskammer für den Kreis Cottbus“. Noch im November erfolgten die ersten Kammerwahlen und am 16. 3. 1852 fand die erste Plenarsitzung statt. Ab 1887 weitete sie ihr Arbeitsgebiet aus, als „Handelskammer für die Niederlausitz zu Cottbus“ betreute sie zahlreiche Unternehmen in der westlichen Niederlausitz. 1924 erweiterte sie sich als „Industrie- und Handelskammer für die Niederlausitz“ und wurde im Zusammenhang mit den Strukturveränderungen der Nationalsozialisten 1943 aufgelöst. Nach dem Krieg arbeitete sie ab Oktober 1945 als „Industrie- und Handelskammer der Provinz Mark Brandenburg, Bezirksgeschäftsstelle Cottbus“ und zwischen 1953 und 1990 zunächst als „Industrie- und Handelskammer der DDR, Bezirksdirektion Cottbus“, später als “Handels- und Gewerbekammer Cottbus“.

1853

Am 15. 3. findet in Cottbus die erste öffentliche Pockenschutzimpfung statt. In Werben wird am 18. 6. der sorbische Dichter Mato Kosyk geboren. Zwischen 1867 und 1873 besucht er das Cottbuser Gymnasium, danach ist er als Telegraphist in Leipzig bei der Eisenbahn tätig und später lebt er als Dichter in Werben. In dieser Zeit ist er auch als  Redakteur der „Bramborski Nowiny“ tätig. Anfang des 20. Jahrhunderts verläßt er seine Heimat und wandert nach Amerika aus, dort stirbt er am 22. 11. 1940 in Albion. Am 31. 10. 1853 wird in Cottbus eine Königliche Bankagentur eingerichtet. Ihre Leitung übernimmt der Bankagent Grosche. Es ist dies die zweite Bank in Cottbus, sie wird ab dem 1. 12. 1883  als Reichsbankstelle geführt werden. Zuvor war am 1. 11. 1857 auch in Cottbus eine Vereinsbank und am 24. 11. 1874 die „Niederlausitzer Bank“ gegründet worden.

1857

Am 23. 8. brennt es auf dem Schloßberg! In der Cockerillschen Fabrik, die allerdings am 31. 1. 1852 durch Herrn von Bothmer, der diese seit 1847 allein besaß,  an den Rittergutsbesitzer von Seidel verkauft wurde, bricht ein verheerendes Feuer aus. Neben den Fabrikanlagen nutzte seit dem Juli 1853 die Justiz den Ständesaal auf dem Schloß für ihre Zwecke. Die Spinnereifabrik im Fürstenhaus und auch der alte Schloßturm werden durch das Feuer beschädigt, die Stadt bleibt auf Grund der günstigen Windrichtung vor größerem Schaden bewahrt. Doch wird es zwei Jahrzehnte dauern, ehe die Ruinen beseitigt sind. Zunächst untersagt die Regierung am 19. 3. 1858 den Abriß der Ruine des Schloßturmes, später erklären auch die Cottbuser Stadtverordneten den Turm zum Denkmal. 1864 erwirbt der Brauer G. Rückert das Schloßgrundstück und richtet hier eine Brauerei ein. Wenige Jahre später erwirbt der Justizfiskus am 1. 2. 1870 das gesamte Areal und wenige Wochen danach konstituiert sich am 20. 4. der „Schloßturm-Bauverein“. Ehrenvorsitzender ist Hermann Fürst von Pückler-Muskau, als Architekt für den Wiederaufbau des alten Bergfriedes konnte Prof. von Arnim gewonnen werden. Mit dem „Aufsetzen der sechs Turm- und zwei Fahnenkuppeln unter Lebensgefahr“ wurde im September 1877 der Wiederaufbau des Schloßturmes, der nun auch als Gerichtsturm bezeichnet wird,  abgeschlossen.

1858

In ihrer Sitzung am 14. 7. beschäftigen sich die Stadtverordneten erstmals mit dem möglichen Bau einer Eisenbahnverbindung zwischen Cottbus und Görlitz. Es sollten jedoch noch fast zehn Jahre vergehen, ehe die Eisenbahnen Cottbus mit der Welt verbanden. Dafür konnten die Cottbuser aber seit dem 16. 7. telegraphieren; an diesem Tag wird die Cottbuser Telegraphenstation in Betrieb genommen. Während Dr. Bolze diese Neuerung in populären Vorträgen vorstellte, erkannte die Industrie recht schnell den Vorteil. Eine Depesche nach Berlin mit 20 Worten kostete damals 24 Silbergroschen.

1860

Das Cottbuser Zentralgefängnis in der heutigen Bautzener Straße wird am 1. 4. nach dreijähriger Bauzeit fertiggestellt. In den Jahrzehnten seines Bestehens wird dieses Gefängnis in den unterschiedlichen Gesellschaftsepochen traurige Berühmtheit erreichen. Die Häftlinge der ersten Jahre bauten den Branitzer Park mit auf, später diente das Cottbuser Gefängnis den Nationalsozialisten als Frauenzuchthaus. Qualvoll starben hier die Menschen, als beim Bombenangriff auf Cottbus am 15. 2. 1945 auch die Gefängnisbauten betroffen waren. Zu Zeiten der DDR richtete das System hier eines der berüchtigten Gefängnisse ein, in denen jene DDR-Bürger gefangen gehalten wurden, die mit dem politischen System im Lande nicht einverstanden waren. Im Frühjahr 2002 wurde die neue Justizvollzugsanstalt in Dissenchen in Betrieb genommen und die Gebäude des alten Gefängnisses geräumt. Besonders wichtig war für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt jedoch die Gründung der Tuchfabrik Heinrich Jaeger am 1. 8. 1860. In den folgenden Jahrzehnten kam es dann zum eigentlichen Aufschwung in der Cottbuser Tuchindustrie, in der nun –zahlreiche Großbetriebe entstanden. Angeführt seien hier z. B. schon in den 40er Jahren die Fabrik des Kahle, der den Betrieb von Lutze weiterführte. 1852 nimmt die Valtesche Fabrik den Betrieb auf, die später von S. und E. Neumann übernommen wird und in den folgenden Jahrzehnten werden weitere Tuchfabriken gegründet, so u. a. 1860  Adolph Eschenhagen, 1861 M. u. O. Sommerfeld, 1862  Julius Vogel, 1863 Emil Tietze jun. und Heinrich Hübner, 1865 Wilhelm Handreke, 1868 Hasselbach & Westerkamp, 1869 Gustav Samson, 1870  Gebrüder Krüger in der Bautzener Straße 19, 1875 Hermann Löw, 1876 Grünebaum und Kaufmann, 1879  Duch & Hamann, und Wilhelm Eschenhagen, 1880 Ludwig Polscher und 1882 die Gebrüder Fritsch, 1884 oder schon 1880 Grovermann & Hoppe, 1884 Textor und Prochatschek,  1888 Jürß & Elger, 1889 Herrmann Hellwig, 1890 Max Meyer & Co. und 1891 Wilhelm Westerkamp. Im Cottbuser Adreßbuch sind für das Jahr 1874/75 allein 118 Tuchfabrikanten aufgeführt, für Jahrzehnte bestimmten diese Fabriken das Bild der Stadt, es entstanden zudem noch zahlreiche Zuliefer- und Konfektionsbetriebe, aber auch Tuchgroßhandlungen und Spezialbetriebe für Färberei und Appretur. Waren 1860 nur etwa 1.900 Arbeiter in der Tuchindustrie tätig, so sind es dreißig Jahre später schon ca. 5.900. Auch die Produktionszahlen zeigen einen deutlichen Aufschwung: 1860 wurden 42.000 Stück Tuche gefertigt, 1890 waren es 150.000 Stück.

1861

Cottbus entwickelt sich neben einem Zentrum der Tuchindustrie auch zu einem bedeutenden Ort der Teppichherstellung. In diesem Jahr gründet Theodor Kühn seine Firma in Cottbus. 1865 stellen 90 Beschäftigten insgesamt 80 „persische Teppiche“ und auf 25 Stühlen 1.200 Deckenstoffe her. 1873 übernimmt Otto Pietsch die Fabrik und 1894 wird die Produktion unter dem Firmennamen „Vereinigte Smyrna AG“ weitergeführt. Zu diesem Großbetrieb zählen noch die Teppichfabriken „Gevers & Schmiedt“ in Schmiedeberg i./R. und „Dehmann, Spoerer & Friedrichs“ in Hannover-Linden. Ebenfalls 1894 wird die Teppichfabrik „Krüger & Hahn“ an der Jägerbrücke 2 gegründet. Richard Otto gründet am 26. 3. 1924 seine Teppichfabrik in den Räumen am Amtsteich 18, 1934 zieht er in die damalige Pücklerstraße 55 um. Die Teppichproduktion in Cottbus wird am 30. 7. 1991 eingestellt. An diesem Tag wird die kleine Abteilung am Ostrower Damm geschlossen, ein großer Teil der Maschinen, Wolle, Zeugnisse und historischen Objekte wird ins Cottbuser Stadtmuseum verbracht. Allmählich sprengt die Stadt ihre mittelalterlichen Fesseln, am 13. 5.  wird begonnen, das alte steinerne Mühlentor abzutragen. Zwei Tage danach wird in Cottbus der Turnverein gegründet. 25 Mitglieder zählte er bereits zur Gründung, in den folgenden Jahren wird er einer der größten und bedeutendsten Cottbuser Sportvereine. Das Leben in der Stadt wurde nun auch geprägt von mancher technischen Neuerung. Bereits am 31. 7. 1855 teilte die „Gasbeleuchtungs-Kommission des Magistrats“ mit, daß in Cottbus ein Gaswerk erbaut werden soll. Den endgültigen Beschluß faßten die Stadtverordneten am 23. 4. 1861 und am 13. 12. wurden das Gaswerk und die Anlagen übergeben. Die Baukosten betrugen 61.000 Thaler, insgesamt werden damals drei Gasometer und zwölf Öfen errichtet. In der Stadt waren 150 Gaslaternen aufgestellt und ca. 7 km Leitungen verlegt worden. Am 23. 12. nahm der Oberbürgermeister Leopold Jahr die erste Gaslaterne in Betrieb, gegenüber des Rathauses an der Ecke Altmarkt / Rathausgasse strahlte das neue Licht.

1862

Am 21. 2. wird in Drebkau Ewald Müller geboren. Zwischen 1882 und 1924 wirkte er als Lehrer in Cottbus. Seine literarischen Werke bringen ihm den Ruf ein, der „Dichter des Spreewaldes“ zu sein. Aber für die Erforschung der Sorben und Wenden leistete er eine wichtigen Beitrag, 1894 erscheint sein Buch „Das Wendentum in der Niederlausitz“. Ewald Müller stirbt am 24. 6. 1932.

1863

Die wirtschaftlichen Strukturen verändern sich zunehmend. Überlieferte und traditionelle Formen werden durch industrielle Produktion abgelöst, so auch in der Bier- und Schnapsherstellung. Am Neumarkt gründet Heinrich Kuhn eine Kornbrennerei und Likörfabrik. Jedoch schon 1793 produzierte Otto Friedland Korn und Likör in der Stadt und 1832  begründet Franz Schneider seine Fabrik. Mit einem Genossenschaftskapital von 40.000 Mark wird die „Vereinsbrauerei Aktien-Gesellschaft Cottbus“ gegründet. Daneben bestanden bereits die traditionsreiche „Brau-Commune“ seit 1860  in der Taubenstraße, seit 1846  G. W. Allerdt Weißbier, seit 1851 Wilhelm Müllers bayrische Brauerei, seit 1857 Gottwald in Sandow. Die Brau-Commune lebte im 1869 gegründeten Brauverband bis 1920 weiter. Zunächst wurde nur das seit Jahrhunderten berühmte Cottbuser Weißbier hier hergestellt und in Fässern zu 100 – 130 Litern ausgeliefert. Seit einigen Jahren wurde in der Niederlausitz und auch in der Umgebung von Cottbus nach Braunkohle geschürft. Bereits 1847 soll in der Umgebung von Cottbus nach Kohle gesucht worden sein. Neben zahlreichen anderen Unternehmern versuchte 1863 F. W. A. Hennig aus Cottbus in der Cottbuser Feldmark sein Glück. Ein Jahr später graben Lober und Schramke aus Cottbus in den Fluren von Kathlow und Kahren nach Kohle. Im November 1884 liegt ein erster ausführlicher „Situations- und Profilaufriß“ der Cottbuser Braunkohlengruben vor. Ergiebige Braunkohlefelder im Bereich von Sandow, Wilhelmshöhe, Sachsendorf, Klein und Groß Gaglow, Madlow, Gallinchen, Kiekebusch, Branitzer Vorwerk, Branitzer Herrschaft, Merzdorf, Sielow werden in einem weiteren „Situations- und Profilaufriß“ vom 18. 12. 1911 verzeichnet. Am 13. 7. 1863 brannte es in Ströbitz. Bei diesem Unglück konnte die neu gegründete Cottbuser Freiwillige Feuerwehr erstmals ihre Einsatzfähigkeit unter Beweis stellen. Schon ein Jahr zuvor waren beim Brand der Valteschen Fabrik und des Lossowschen Hauses Mitglieder des Turnvereins zum Löschen ausgerückt und hatten sich anschließend am 16. 8. 1862 als Freiwillige Feuerwehr zusammengeschlossen. Offiziell gegründet wird sie am 13. 2. 1863.

1865

nachdem bereits auf dem Schloß ein Schornstein von der neuen Technik der Dampfmaschine kündete, wird in der Tuchfabrik des F. S. Kahle in diesem Jahr der zweite Cottbuser Schornstein für eine Dampfmaschine errichtet. Am 28. 9. wird Wilhelm Kuhnert geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Cottbus. Er absolviert die Berliner Kunstakademie und wurde als Zeichner und Tiermaler berühmt. Er schuf ein umfangreiches Werk und illustrierte z. B. Haakes „Tierleben der Erde“ und Brehms „Tierleben“. Kuhnert starb am 12. 2. 1926. Gegen Jahresende, am 22. 12. 1865 , wird auch in Cottbus die Trichinenschau beim Schlachten eingeführt und damit ein wichtiger Schritt für die Gesundheit der Bevölkerung geleistet.

1866

In diesem Jahr erhält die Stadt Anschluß an die Welt – am 13. 9. wird der Betrieb auf der Eisenbahnstrecke zwischen Cottbus und Berlin aufgenommen. Der Zug benötigte bis Berlin 3 Stunden und 57 Minuten. Erste Gespräche zum Bau einer Eisenbahn zwischen Görlitz und Cottbus wurden bereits 1850 geführt und nachdem das Projekt durch die preußische Regierung wohlwollend beurteilt wurde, beschäftigten sich die Cottbuser Stadtverordneten am 14. 7. 1858 mit diesem Vorhaben. Die Genehmigung zum Bau der Berlin – Cottbus – Görlitzer Eisenbahn erteilte der preußische König Friedrich Wilhelm I. am 18. 5. 1864. Schnell erkannten die Cottbuser die Bedeutung der Eisenbahn und in den folgenden Jahren wurden zahlreiche Verbindungen hergestellt. Am 31. 12. 1867 wird die gesamte Strecke von Berlin nach Görlitz in Betrieb genommen, am 21. 4. 1870 verkehren die ersten Züge zwischen Cottbus und Großenhain, am 30. 6. 1872 wird der Zugverkehr auf der Strecke Halle – Cottbus – Sorau – Guben eröffnet und am Silvestertag 1876 fahren die Züge von Cottbus nach Frankfurt/Oder. Seit 1866 wird der weit vor den Toren liegende Bahnhof baulich angeschlossen und noch heute säumen schöne Wohn- und Geschäftshäuser den Weg vom Stadtzentrum zum Bahnhof. Der Bahnstandort Cottbus erfuhr 1874 durch die Gründung der „Königlichen Hauptwerkstatt Kottbus zur Ausbesserung von Lokomotiven und Wagen“ eine bedeutende Aufwertung.

1867

Am 27. 4. wird der Neubau für das „Friedrich-Wilhelms-Gymnasium“ eingeweiht. Der Berliner Architekt Adolph Lohse entwarf an der Promenade einen postklassizistischen Bau. Zwei Seitenflügel und eine Zentralbau bestimmen die Ansicht, im Innern sind moderne Unterrichtsräume eingerichtet, aber auch eine Lehrer- und eine Schülerbibliothek, ein Zeichensaal, Laboratorium und Physiksaal sowie eine naturhistorische Sammlung nutzen Lehrer und Schüler für den Unterricht. Im Obergeschoß befindet sich eine prächtige Aula. Diese Schule wird bis 1945 als „Friedrich-Wilhelms-Gymnasium“ geführt, zwischen 1946 und 1960 war hier die IV. Einheitsschule mit Oberschule und danach bis 1991 die „6. Polytechnische Oberschule“ untergebracht. Danach lernten hier die Schüler in der 16. Grundschule und seit 1999  ist dies die 14. Grundschule. nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten zog nun im Jahr 2002 hier die „Erich-Kästner-Grundschule“ wieder ein. Der Cottbuser Superintendent Christian Heinrich Ebeling begründet am 26. 6. das Diakonissenhaus Salem. Die Einweihung des neuen Gebäudes in der damaligen Feldstraße und heutigen Thiemstraße jedoch konnte Ebeling erst am 26. 6. 1887 feiern.

1868

Am 7. 1. zieht das 2. Bataillon des Infanterie-Regimentes Nr. 52 in Cottbus ein. Bis zur Auflösung 1919 wird Cottbus nun Garnisonsstadt. 1885 wurde durch die Stadt eine Kaserne in der heutigen Karl-Liebknecht-Straße erbaut und 1892 erhielt das Regiment den Namen „von Alvensleben“. Constantin von Alvensleben war 1809 geboren worden und hatte sich in zahlreichen Schlachten der preußischen Truppen militärische Ehren erworben. Er starb 1892 und am 16. 8. 1913 setzte ihm die Stadt Cottbus in der damaligen Kaiser-Friedrich-Straße ein Denkmal.

1870

Zum Baden gingen die Cottbuser an die Spree, aber nicht überall durfte damals ins Wasser gesprungen werden. Am 22. 5. wurde eine Militärbadeanstalt eröffnet und noch dreißig Jahre später galten die Spreebereiche in Madlow und am Sanzeberg als „wilde Badestellen“. Für Frauen wurde erst am 16. 7. 1900 eine eigene Badeanstalt eingerichtet. Am 4. 10. wird die Gewerbliche Zeichenschule in Cottbus eröffnet. Die Stadt zählte mittlerweile etwa 18.000 Einwohner und es zogen immer mehr Menschen nach Cottbus. Im Norden der Stadt wurde deshalb am Totensonntag, dem 20. 11. der neue Friedhof eingeweiht. Hier, auf dem Nordfriedhof fanden zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten der Cottbuser Geschichte ihre letzte Ruhestätte.

1871

In diesem Jahr wurde die Stadt größer. Bereits drei Jahre zuvor hatten die Stadtverordneten der Eingemeindung der Schloßmühleninsel, des Hospitallandes am Kleinen Spreewehr, der Metze und der Besitzungen der Markgrafenmühle zugestimmt. Ein Jahr später wurden auch die drei Teile von Brunschwig und das Dorf Ostrow nach Cottbus eingemeindet. In der nun größer gewordenen Stadt wurden 1872 22.288 Einwohner gezählt.

1872

Am 6. 5. wurde der „Verschönerungsverein“ gegründet. In den Jahren seines Wirkens sammelte er Mittel und Gelder für die Verschönerung der Stadt und beteiligte sich an zahlreichen auch städtischen Maßnahmen in der Gestaltung der Anlagen. Führende Persönlichkeiten der Stadt gehörten ihm an. Wesentlichen Anteil hatte der Verschönerungsverein an der Gestaltung der Promenade, am Gerichtsberg, dem Kaiser-Wilhelm-Platz, Luckauer und Spremberger Wall sowie dem Volkspark. Aber auch die Baum- und Strauchpflanzungen in zahlreichen Cottbuser Straßen unterstützten die Mitglieder.

1873

Die Malerin Elisabeth Wolf wird am 15. 3. in Sandow geboren. Sie schuf zahlreiche Bilder ihrer Heimatstadt und 1960 verlieh die Stadt ihr den Blechenpreis und drei Jahre später wird sie erste Ehrenbürgerin der Stadt nach dem 2. Weltkrieg. Sie starb am 15. 12. 1964 in Cottbus. Ein weiterer bedeutender Künstler der Stadt, Carlo Noack, wurde am 18. 11. 1873 geboren. Der Landschaftsmaler war später als Zeichenlehrer am Cottbuser Gymnasium tätig und stirbt am 24. 4. 1959. Sozialdemokratische Politik findet nun auch in Cottbus eine Heimstatt. Am 18. 3. wird die Abteilung Cottbus des „Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins“ gegründet. Aber schon im folgenden Jahr verbot das Kreisgericht am 7. 7. 1874 den Parteiverein der Anhänger von Lassalle. Nun wurde am 7. 6. 1875 die Ortsgruppe der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei gegründet und der erste sozialdemokratische Parteitag des Regierungsbezirkes Frankfurt/Oder fand am 22. 6. 1890 in Cottbus statt. Auf diesem Parteitag übernahm die Partei die „Märkische Volksstimme“, die am 1. 4. 1890 gegründet worden war und seit 1907 ihren Sitz in Cottbus hatte. Am 27. 6. wird in der Promenade das Kriegerdenkmal eingeweiht. Es ist den Gefallenen Cottbusern der Kriege 1864, 1866 und 1870/71 gewidmet. Das in Lauchhammer gegossene Denkmal, auch unter dem Namen „Siegessäule“ in Cottbus bekannt, wird am 27. 1. 1964 abgerissen und bei Schachtarbeiten im Juli 1968 wurden auch die Fundamente entfernt. Am 5. 9. 1873 wird in Schorbus Gotthold Schwela geboren. Er besucht das Cottbuser Gymnasium und studiert anschließend Theologie und Sorabistik. Zeit seines Lebens ist Schwela in der Region als Pfarrer tätig. Er widmet sich aber auch der Erforschung und Pflege der sorbisch/wendischen Sprache und Kultur und gehört 1912 zu den Mitbegründern der Domowina in Hoyerswerda und auch bei der Wiederbegründung der Domowina in der Niederlausitz am 8. 9. 1946 ist er aktiv beteiligt. Schwela stirbt auf einer Bahnfahrt von Thüringen nach Cottbus am 20. 5. 1948. Sein bedeutendstes wissenschaftliches Werk „Die Flurnamen des Kreises Cottbus“ wird erst 1959 veröffentlicht. Im Jahr 1873 wird die städtische Zentralturnhalle errichtet, die 1889/90 einen Erweiterungsbau erhält.

1874

Am 10. 4. bezieht die Augustaschule, eine „Höhere Töchterschule“, ihr Domizil in der damaligen Turnstraße. Ein Jahr zuvor hatte Prof. Dr. Rothenbücher die Genehmigung zur Gründung der Privatschule erhalten. Fast zwanzig Jahre lang werden hier die Mädchen höherer Stände unterrichtet, zwischen 1875 und 1884 gibt es an der Schule auch ein Seminar für Lehrerinnen. Zum 1. 4. 1895 wird die Privatschule von der Stadt übernommen und Dr. Rothenbücher wird vom dem aus Dessau stammenden Dr. Döhler abgelöst. Aber auch die Stadt ließ ein Schulgebäude für die Mädchen errichten, am 1. 4. 1875 wurde die neue Mädchenmittelschule in der späteren Kaiser-Friedrich-Straße bezogen.

1875

Nachdem im Jahr zuvor die Cottbuser Arbeiter sich zusammengeschlossen haben, gründeten die Cottbuser Fabrikanten am 9. 5. den hiesigen Fabrikantenverein und führten am 1. 8. 1876 eine erste „Wollabfallauktion“ durch. Am 16. 9. richtet die Stadt ein Einwohnermeldeamt ein. Am 1. 10. übernehmen Otto Friedrich Schnitter und Gottlob Richard Kies die Firma des Brennereibesitzers Theodor Gustav Melde. Für die Wirtschaft der Stadt besaßen die Betriebe der Nahrungs- und Genußmittelbranche große Bedeutung, trugen sie doch den Namen Cottbus in alle Welt. So gehörten die Brennereien Kniepf, Friedland, Lehmann, Jäger, Graske, und Schneider sowie verschiedene Brauereien wie z. B. die Bayrische Brauerei Kircher, Gottwald , die 191  gegründete Firma Schultze und Söhne sowie die Vereinsbrauerei zu den wichtigsten Betrieben. Aber auch die 1883 gegründete Cottbuser Molkereigenossenschaft, die Spreewaldkäserei der Gebrüder Kunert seit 1894 und die 1919 gegründete Schokoladen- und Kakaofabrik Burg & Braun bereicherten das Angebot. Am 30. 12. wird auch in Cottbus ein „Schultze-Delitzscher Konsumverein“ gegründet. Die Mitglieder können hier günstig einkaufen und verwalten den Handel selbst. Damit sollte versucht werden, den ständig steigenden Preisen entgegen zu wirken.

1877

In diesem Jahr wird der Großenhainer Bahnhof in Betrieb genommen. Noch waren die verschiedenen Eisenbahnlinien in Privatbesitz, so dass es durchaus möglich war, mehrere Bahnhöfe zu betreiben. Der nördlich der Bahnlinien liegende Großenhainer Bahnhof wurde bereits 1885 als solcher wieder außer Dienst gestellt. Am 3. 2. 1877 erfolgte die Übergabe des neuen Landgerichtsgebäudes. Nachdem der Justizfiskus das Schloßgelände am 1. 2. 1870 für 17.100 Thaler übernommen hat, wird auf den Grundmauern des alten Fürstenhauses diese Justizeinrichtung erbaut. Am 16. 4. wird in der Stadt ein „Volksbildungsverein“ gegründet und nur einen Monat später, am 17. 5., nimmt die Spielschule in der Sandower Vorstadt die ersten Kinder auf. Aber auch technische Neuerungen hielten Einzug in Cottbus. Im November wurde im Rathaus das erste Telefon aufgestellt, womit man sich über dreißig Meter Entfernung unterhalten werden konnte. Bis die ersten Anschlüsse verlegt wurden, sollten noch einige Jahre vergehen, erst am 26. 6. 1886 beginnt die Post mit der Installation der Leitungen und Telefone. Drei Jahre später werden dann auch der Fernsprechverkehr mit Berlin, Görlitz, Forst, Guben und Spremberg aufgenommen – wieder war die Welt ein Stück näher nach Cottbus gekommen. Am 9. 11. 1879 findet die Einweihung der Kreuzkirche statt, der Grundstein für diese Kirche wurde bereits am 10. 5. 1878 gelegt. Sie gehört zu den selbständigen evangelisch-lutherischen Kirche.

1880

Nach mehr als dreißig Jahren Amtszeit tritt Oberbürgermeister Leopold Jahr in den Ruhestand. Er verstirbt am 20. 11. 1884 im Alter von 79 Jahren. Sein Nachfolger Dr. Karl Mayer wird bis 1892 die Stadt regieren. Nach seinem Studium war er als Stadtkämmerer in Potsdam tätig. Nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst in Cottbus übernahm er bis zu seinem Tod am 18.11.1909 die Funktion eines Regierungsrates und vortragenden Rates beim Fürsten Günther von Schwarzburg-Rudolstadt.

1882

Am 10. 7. startet der Luftschiffer Sekurius in den Lollschen Gärten im Bereich der Roßstraße zu einer Ballonfahrt und erreicht eine Höhe etwa 1.160 Metern. Einen Monat später wird am 23. 8. der Cottbuser Gnevko der erste „Deutsche Meister“ im Schwimmsport. Bei einem Sportmeeting „Meisterschaft der Gentlemen“ in Berlin-Halensee, das vom Schwimmverein „Neptun Berlin“ organisiert wurde, siegt Gnevko in der Disziplin „Englische Meile“ über 1.609 Meter vor Dr. Coles.

1883

Am 5. 2.  eröffnet die „Cottbuser Molkerei“ ihren Betrieb. Die im Fabrikantenverein zusammengeschlossenen Unternehmer richten am 1. 10.  eine private Webschule ein. Zwölf Jahre später, 1895, wird diese dann eine öffentliche Lehranstalt und führt den Namen „Preußische Höhere Fachschule für Textilindustrie“. Es sollten noch weitere drei Jahre vergehen, ehe die Lehrer und Schüler 1898 vor den Toren der Stadt einen neuen modernen Gebäudekomplex beziehen konnten. In dem Neubau an der Webschulallee wurde in den Abteilungen Spinnerei, Färberei, Weberei, Appretur und Musterzeichnen unterrichtet. Zwischen 1950 und 1951 wird die traditionsreiche Schule aufgelöst, ihre inhaltliche Weiterführung erfährt die Ausbildung im Bereich der Textilindustrie in Forst. Die Gebäude werden 1953 durch die Volkspolizei übernommen.

1884

Am 27. 5. werden die sterblichen Überreste der bereits 1854 auf dem Branitzer Friedhof im Vorpark beigesetzten Fürstin Lucie von Pückler in die Wasserpyramide umgesetzt. Am 2. 10.  wird das Feuerwehrdepot in der Turnstraße eingeweiht und die Spielschule bezieht ein neues Gebäude in der Schulstraße. Dieser erste Cottbuser Kindergarten bestand bereits seit dem 1. 1. 1840.

1885

Im Juni eröffnet in der Mühlenstraße die neue Thiemsche Klinik.

1886

Am 22. 3. wird die neue Infanteriekaserne eingeweiht. Damit hatte Oberbürgermeister Dr. Mayer eine wichtige Voraussetzung geschaffen, daß die Stadt am 9. 11. aus dem Kreisverband herausgelöst wurde und nun einen eigenen Stadtkreis bildete. Voraussetzung hierfür war eine gewisse Einwohnerzahl, Cottbus zählte damals etwa 30.000 Einwohner. am  16. 5. wird der Bahnsteigtunnel freigegeben und anschließend erhalten die Bahnsteige ihre Überdachungen. In der Dresdner Straße wird am 14. 10. der Neubau der Elementarschule IV. für jeweils sechs Mädchen und sechs Jungenklassen eingeweiht. Hier fanden die Kinder Aufnahme, die südlich der Bahnlinie wohnten. Bereits 18891f erfolgte der Anbau eines Flügels und 1901 wurde der westliche Teil  für die „Martin-Luther-Schule“ angebaut. Im Volksmund war die Schule auch als „Weinbergschule bekannt.

1887

Am 15. 9. wird die Genehmigung zur Begründung eines Museum erteilt. Die bereits 1884 gegründete „Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte“ macht im Oktober ihre Sammlungen der Öffentlichkeit zugänglich. Einige Jahre später begann auch die Stadt, historische Zeugnisse zusammenzutragen. Die Sammlungen der Stadt, des 1905  gegründeten Heimatvereins, des 1916 gegründeten Kunstvereins und der Niederlausitzer Gesellschaft werden zu einem „Städtischen Museum“ vereinigt. Neben archäologischen und historischen sowie ethnographischen Sammlungen der Sorben und Wenden beginnt die Stadt Cottbus auch ab 1913 Arbeiten des Malers Carl Blechen anzukaufen und eine eigene Kunstsammlung aufzubauen. Als 1922 der Kaufmann Friedrich Albert Liersch starb, vermachte er sein Haus Neumarkt 8 der Stadt mit der Zweckbindung, hier ein Museum einzurichten. Ab 1925 wird es das „Städtische Museum“, jedoch wird dieses Haus beim Neubau des Rathauses abgerissen. Die Sammlungen brachte man in verschiedenen Gebäuden der Stadt unter, im alten Gymnasium am Oberkirchplatz öffnet 1937 das Museum wieder. Im Frühjahr 1945 wird das Gebäude zerstört und die Sammlungen der Stadt gingen größtenteils verloren. Im Jahr 1887 wird einer der bedeutendsten Landschaftsmaler der Niederlausitz geboren. Als Sohn sorbischer Bauern erblickt Wilhelm Schieber am 21. 11. 1887 in der Nähe von Calau das Licht der Welt. Zwischen 1902 und 1908 besucht er in Altdöbern das Lehrerseminar, wird bis 1943 als Lehrer in Heinersbrück, Neuzelle und Berlin tätig sein. Nach 1945 lebt er bis zu seinem Tod am 3. 12. 1974 in der Nähe von Vetschau.

1890

In der Stadt lebten nun bereits fast 40.000 Menschen. Die Wege, die zu Fuß zurückgelegt werden mussten, waren weiter geworden, in allen Himmelsrichtungen waren neue Wohnungen und Fabrikanlagen entstanden, aber erst ab dem 26. 8. war das Radfahren in der Stadt erlaubt. Am 1. 5. wird die neue Oberrealschule in der Bahnhofstraße eingeweiht. Ihr Vorläufer war die 1858 gegründete Knabenmittelschule, später war es eine Realschule und 1890 zusammen mit der Mittelschule in einem Gebäude. Letztere zieht 1913  aus und nun wird hier eine Oberrealschule eingerichtet. Das Gebäude erfährt in den folgenden Jahren mehrere Erweiterungen und die Oberrealschule wird eine der größten und bedeutendsten Schulen in der Region. Ab 1895 können die Schüler dann auch in der neuen Turnhalle Sportunterricht erhalten und noch heute zeugen Schule und Turnhalle von der einstigen Bildungsstätte. Bereits seit 1820 bestand für die Stadt die Auflage, ein öffentliches Schlachthaus zu unterhalten. Da der Magistrat jedoch nie genügend Geld hatte und die Fleischer meinten, daß ihre Schlachthäuser den Anforderungen genügten, dauerte es sieben Jahrzehnte, ehe am 25. 8. 1890 der Städtische Schlachthof in Betrieb genommen wird. Mehr als ein Jahrhundert werden hier Tiere geschlachtet, die Stillegung des traditionsreichen Betriebes am Spreeufer erfolgt im April 1996.

1891

Am 22. 6. wird das neue Gebäude der Hauptpost in Betrieb genommen. Bereits 1875 hatte die Post das Grundstück Berliner Platz 3 erworben und ein Jahr später den Betrieb hierher verlegt. 1880 erwirbt die Post weitere Flächen und acht Jahre später beginnt nach dem Abriß der alten Häuser der Neubau des Neorenaissancegebäudes. Etwa 282.000 Mark kostete der Bau der zweigeschossigen Anlage, an einem Turm waren die Freileitungen des Telegrafen  angebracht. 1916 wurde das Gebäude um ein Stockwerk erhöht. Im brennt das Postamt aus und wird später bis auf wenige Reste abgetragen.

1892

Am 26. 3. wird das neue Kreishaus in der Bahnhofstraße eingeweiht. Hier wird die Verwaltung des Landkreises untergebracht und der Landrat bezieht seine Wohnung im Haus. Einige Jahre später wird in der damaligen Kaiserstraße 1908 das Gebäude der Kreissparkasse errichtet, die bereits 1887 gegründet worden war. Am 3. 5. 1892 wird der neue Bürgermeister Paul Werner in sein Amt eingeführt. Die Funktion eines Oberbürgermeisters wird er am 18. 2. 1894 erhalten und bis 1914 die Geschicke der Stadt lenken. Geboren wurde er am 19. 10. 1848 in Zeit. Bevor er nach Cottbus kam, war er bereits in anderen Städten tätig. In seiner Amtszeit entwickelt sich Cottbus zu einem bedeutsamen Zentrum der Niederlausitz. Aufstrebende Industrie findet ihre Fortführung in zahlreichen Reichs- und Landesbehörden. Vereine und Verbände der Stadt strahlen in die Region aus und wichtige kommunale Einrichtungen werden in der Amtszeit Werners geschaffen. So erhält Cottbus eine zentrale Wasser- und Abwasserversorgung, das Elektrizitätswerk und die Straßenbahn, Grünanlagen werden errichtet und das Theater erbaut. Ein neues Krankenhaus wird noch kurz vor dem Ende der Amtszeit Werners übergeben. Paul Werner stirbt in Cottbus am 10. 6. 1927. An ihn erinnert der am 6. 11. 1912 eingeweihte Wernersteg und die im April 1904  in Wernerstraße umbenannte Grünstraße. Die kleine Brücke wird 1945 zerstört, drei Jahre später wieder provisorisch aufgebaut. Seit 1995 verbindet ein Neubau wieder die beiden Ufer. Am 2. 6. 1892 wird in Cottbus Wilhelm Charlett geboren. Er baut um 1909/1910 ein  Flugzeug mit Bambusrohrrahmen und 9 Meter Flügelspannweite und unternimmt auf dem Cottbuser Exerzierplatz Flugversuche, um die Flugfähigkeit seiner Konstruktion zu beweisen. 1911 verläßt er Cottbus, ist im ersten Weltkrieg Marineflieger und später als Pilot tätig. Am 23. 9. 1927 findet er bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe von Schleiz den Tod.

1893

Am 1. 4. werden die Cottbuser Straßen und Häuser neu numeriert. Bisher erfolgte die Zählung der Häuser sowie der Grundstücke fortlaufend und nach Stadtvierteln. Nun führten auch die Cottbuser Straßennamen ein und die Häuser wurden in den Straßen gezählt. Davon zeugen u.a. die Adreßbücher aber auch die neuen Stadtpläne. Am 1. 5.  erscheint in Cottbus das erste Auto. Aus Forst kommend, beziehen die vier Reisenden Quartier im Hotel Ansorge und fahren einen Tag später nach Berlin weiter. Am 11. 7. gründen 45 Arbeiter den „Arbeiter-Turnverein Cottbus“.

1894

Mit der Ausstellung für Gewerbe und Nahrungsmittel findet am 9. 3. die erste Cottbuser Messe statt. Diese und ähnliche Messen werden in den folgenden Jahren immer wieder als Leistungsschau der Cottbuser Industrie und des Handwerks durchgeführt, so z. B. vom 27. bis 29. 5. 1922 und 1. bis 8. 11. 1948.

1895

Im Juli wird in Sandow eine Apotheke eröffnet und am 3. 12.  bezieht die Spielschule in der Spremberger Vorstadt ein neues Gebäude in der Weinbergstraße, hier befindet sich heute noch ein evangelischer Kindergarten.

1896

Zwischen dem 24. 2. und dem 21. 4. erlebt die Niederlausitz den ersten großen Streik der Textilarbeiter. Fast 6.000 Arbeiter legen die Arbeit nieder, nachdem am 22. 2. 54 Tuchfabrikanten mit Aussperrungen gedroht hatten. Nach langwierigen Verhandlungen erreichen die Arbeiter die Einführung des Elf-Stunden-Tages und eine Lohnerhöhung sowie den Verzicht der Unternehmer auf Entlassungen und Lohnkürzungen. Sportlich wird der Name der Stadt Cottbus durch den Turner Gustav Schuft in die Welt getragen, er gewinnt bei der Olympiade in Athen zwei Goldmedaillen. In diesem Jahr wird an der Sandower Brücke ein neues Schulgebäude, Sandower Straße 19, errichtet. Zunächst als Gemeindeschule, zeitweilig als Knabenmittelschule und nach 1945 kurzzeitig als Lehrebildungsanstalt genutzt, wurde es dann „Gewerbliche Berufsschule“ und heute ist hier das „Kaufmännische Oberstufenzentrum“ beheimatet.

1897

Am 15. 1. verstirbt Auguste Löber, geborene Feige. Sie hinterläßt ihr Vermögen mit der Maßgabe, eine Stiftung für die Versorgung bedürftiger Frauen einzurichten. Das Statut der Stiftung wird am 16. 9. aufgesetzt und am 13. 12. 1897 erhielt die Stiftung durch eine königliche Ordre die Rechte einer juristischen Person. In der 1905 nach ihr benannten Feigestraße findet am 30. 6. 1900 die Einweihung des Stiftshauses statt. In einer zweijährigen Bauzeit waren hier 24 Wohnungen für 30 Bewohner, sowie die zugehörigen Sozialeinrichtungen errichtet worden. Im Jahre 1998 konstituiert sich erneut ein Kuratorium für die „Feigestiftung“. Seitdem unterstützt die Stiftung wie einst in der Gründungssatzung festgeschrieben vor allem notleidende Frauen und Mädchen. Im gleichen Jahr erhält Cottbus eine weitere Sozialeinrichtung. Am 13. 6. 1897 stiftet Wilhelm Riedel, der 1829 in Cottbus geboren wurde, das „Riedelstift für vaterlose Waisen“. Bereits ein Jahr zuvor hatte er ein Haus für die Aufnahme verarmter Witwen eingerichtet und auch in den folgenden Jahren bedachte er seine Heimatstadt mit weiteren Unterstützungen, so z. B. 1903 das „Riedelstiftes für achtbare Arme“ und 1907 das Werkstättenhaus „Selbsthilfe“. Die Stadt dankt ihm 1903 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde. (s. Eintrag 1829) Am 1. 12. 1897 wird in Cottbus die Wasserversorgung in Betrieb genommen. Am 8. 6. 1896 hatte man mit dem Bau des Wasserwerkes begonnen. Die Grundlage für den Bau des Wasserwerkes und des Trinkwassernetzes bildet der Beschluß der Stadtverordneten vom 23. 5. 1894. Schon im ersten Jahr sind fast 900 Grundstücke an das über 50 km lange Wassernetz angeschlossen und 1899 konnte auch die Kläranlage im Cottbuser Norden in Betrieb genommen werden. Vom 41 km lange Kanalnetz können 1900 bereits 1.629 Grundstücke profitieren – Oberbürgermeister Paul Werner hatte mit der Realisierung sein erstes großes Projekt zum Nutzen der Stadt durchsetzen können.

1899

Am 1. 12. wird die Strecke zwischen dem Westbahnhof und dem Anschlußbahnhof der bereits seit 1898 fahrenden Spreewaldbahnhof in Betrieb genommen. Zwischen 1897 und 1898 werden die „Lübben-Cottbuser-Kreisbahnen“, später unter dem Namen Spreewaldbahn bekannt, errichtet. Die Eisenbahn verbindet Cottbus mit Burg und Straupitz, sowie Lübben, Goyatz und Lieberose. Am 5. 12. 1904 wird der neu erbaute Spreewaldbahnhof  seiner Bestimmung übergeben.

1900

Zu Beginn des neuen Jahrhunderts leben fast 40.000 Menschen in Cottbus. Cottbus ist die bedeutendste Stadt in der Region und Zentrum der Textilindustrie, des Verkehrswesens und Standort zahlreicher Behörden. So werden in diesem Jahr in Cottbus in zwölf Brauereien etwa 78.000 Hektoliter Bier und in sechzehn Brennerein ca. 115.00 Liter Alkohol hergestellt. Im Jahre 1898 hat die Landesversicherungsanstalt ein Gelände von 16 Hektar bei Kolkwitz übernommen und nun feiern die Cottbuser am 16. 6. 1900 die Eröffnung der Lungenheilstätte.

1901

In diesem Jahr erfolgt die Ausschmückung der Schloßlehne durch den Verschönerungsverein, der heute wieder in seiner ursprünglichen Gestalt mit dem Wasserfall hergerichtet wurde.

1902

Am 6. 3. brennt es im Kaufhaus Merkur, danach kursiert in Cottbus der Spruch „Abgebrannt wie Marie Lehmann“. Einen Tag später, am 7.3., werden in der Stadt die ersten Litfaßsäulen in Betrieb genommen und in der Bellevuestraße wurde 13. 7. eine Volksspeisehalle eröffnet. Die jüdische Gemeinde weiht am 15. 9. 1902 ihre neue Synagoge in der Jahrstraße ein. Die Weihe der Synagoge vollzog der Görlitzer Rabbiner Dr. Freund. Bereits am 3. 7. 1901 wurde der Grundstein gelegt. Die Ausführung hatte die Cottbuser Baufirma „Hermann Pabel Co.“ übernommen. (schon bei ersten Synagoge geschrieben) Die Gemeinde zählte damals etwa 100 Mitgliederselbständige, insgesamt ca. 500 Personen. Viele Angehörige der jüdischen Gemeinde waren fest in das Leben der Stadt integriert. Als Unternehmer, Juristen oder in andere Bereichen tätig engagierten sie sich in der Stadt, soziale Unternehmungen unterstützten z. B. die Familie Grünebaum ebenso wie kulturelle Vorhaben oder die Gestaltung der Stadt. Sie waren aktiv in den städtischen Körperschaften oder als Stadtverordnete und verloren nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten alle Rechte.

1903

In diesem Jahr wird der Südfriedhof eröffnet, schon 1900 hatten die Stadtverordneten seine Anlage beschlossen. Am 27. 4. wird in das neue Kabelnetz der Stadt Cottbus erstmals Strom eingespeist. Die Stadtverordneten hatten am 7. 3. 1900 den Beschluß gefaßt, ein Elektrizitätswerk und eine Straßenbahn errichten zu lassen. Den Auftrag für diese beiden Projekt erhielt am 21. 12. 1901 die Berliner Firma „Siemens & Halske“ und so werden zunächst am Mühlgraben das neue Elektrizitätswerk erbaut. Zwei Wasserturbinen und zwei Dampfmaschinen erzeugen damals 800.000 Kilowattstunden. Parallel zum Aufbau des Elektrizitätswerkes werden auch die Anlagen für die Straßenbahn errichtet. Am 28. 7. 1902 ist Baubeginn und die erste Probefahrt findet am 22. 6. 1903 statt. Zunächst fährt die Straßenbahn auf drei Linien. Die rote verkehrt zwischen dem Bahnhof und Sandow, die blaue von der Dresdner Straße nach Ströbitz und die gelbe verbindet den Spreewaldbahnhof mit Schmellwitz. Nach dem Bau des Krankenhauses wird 1914 die weiße Linie eingerichtet; die Straßenbahnen verkehren hier zwischen den Bahnhof und dem Krankenhaus. Mit einigen Abweichungen und Erweiterungen bleiben diese Linien bis weit in die fünfziger Jahre konstant, erst im Februar 1952 werden Nummern eingeführt und die Rote Linie erhielt die 1, die Blaue Linie die 2, die Gelbe Linie die 3 und die Weiße Linie die 4.

1904

Am 4. 6. werden die neuen Schmuckanlagen am Kaiser-Wilhelm-Platz übergeben. Wieder hat die Stadt ein Kleinod gewonnen, die Anlagen im französischen Gartenstil hatte das Stadtbauamt entworfen. Der Platz führte bis 1888 den Namen „Neustädter Platz“, erst im Dreikaiserjahr wurde an den Deutschen Kaiser Friedrich Wilhelm I. erinnert. Am 10. 8. 1904 vergrößert sich das Gebiet der Stadt durch die Eingemeindung von Sandow und des Gutsbezirkes Brunschwig. Insgesamt 645 Hektar kommen nun zur Stadt und fast 6.000 Einwohner leben in diesem Gebiet. Ein Jahr später, 1905, leben ca. 46.000 Menschen in Cottbus. der neue Ströbitzer Friedhof wird am 29. 4. übergeben.

1905

Mit der Gründung des „Vereins für Heimatkunde“ am 15. 2. finden die Bemühungen von Hugo Dreifert einen erfolgreichen Abschluß. In diesem Verein finden sich zahlreiche Cottbuser zusammen, die sich der Erforschung und Propagierung der Regionalgeschichte widmen. In der damaligen Feldsraße, heute ist dies die Thiemstraße, wird das Garnisonslazarett neu erbaut.

1906

Mit der Einführung einer Zentraluhrenanlage am 16. 5. können nun vom Rathaus aus die städtischen Uhren gestellt und betreut werden. Noch heute erinnert die Zentraluhr im Cottbuser Stadtmuseum daran. Die alten Wallanlagen erfahren allmählich eine Umgestaltung. Nachdem bereits der alte Platz am Neustädter Tor gestaltet wurde, unterstützt der Verschönerungsverein nun auch die Gestaltung des Luckauer Walls. Am 26. 11. 1906 wird der Japanische Pavillon feierlich übergeben. In Sielow wird nach dem alten Vorbild eine neue Kirche erbaut. Die Kirchturmhaube wurde 1945 zerstört und danach vereinfacht wieder aufgebaut.

1907

Schon im Mai 1905 wird mit den Abrißarbeiten am alten Gerichtsgefängnis begonnen. Damit verschwanden die letzten baulichen Überreste des Cottbuser Schlosses. Baurat Beutler und Regierungspräsident Krause schufen die Pläne für das neue Amtsgericht, zu dem auch ein Gefängnisgebäude gehört. Am 29. 7. 1907 wird das neue Amtsgericht in Benutzung genommen. Zwar hatten die Cottbuser schon in den Jahren zuvor Gelegenheit, kleine Kinoanlagen auf den Rummelplätzen und Jahrmärkten und in verschiedenen Cottbuser Geschäften und Gaststätten zu erleben. Am 5. 4. jedoch wird in der Stadt das erste stationäre Kino im „Metropol“ am Neumarkt eröffnet. Ein zweites Kino öffnet am 29. 3. 1908 und auch im Hotel „Weißes Roß“ steht ein Tonbildtheater. Wenige Jahre später, am 4. 10. 1911 konnte ein besonderer Kinobau seine Pforten öffnen, der Weltspiegel gilt noch heute als einer der ältesten Zweckbauten für Kinovorführungen. Noch wurden die Stummfilme am Piano begleitet, erst 1929 erleben die Cottbuser in den Kammerlichtspielen den ersten Tonfilm.

1908

Die Cottbuser Freimaurerloge „Zum Brunnen in der Wüste“ stellt den Bau ihres neuen Logengebäudes am 31. 5. fertig. Am 9. 5. wird in der Madlower Heide das Walderholungsheim eingeweiht. Das alte Rathaus auf dem Marktplatz war schon seit längerem zu klein für die Verwaltung. Deshalb erwirbt die Stadt am 9. 9. das Hotel zum Goldenen Ring Altmarkt 21. Geplant war, im Areal zwischen Marktplatz, Scharrengasse und Mühlenstraße die Grundstücke zu kaufen und hier einen größeren Verwaltungsbau zu errichten. Zunächst ziehen einige Bereiche der Verwaltung in das nun als Stadthaus I bezeichnete Gebäude. Im alten Theatersaal finden nun die Sitzungen der Stadtverordneten statt. Erstmalig tagen sie am 3. 11. 1909 hier. Wenige Monate später, am 1. 10. 1908, erleben die Cottbuser die feierliche Einweihung des Cottbuser Stadttheaters. Seit dem 19. Jahrhundert wurde Theater im Gasthof zum Goldene Ring gespielt, nun besitzt die Stadt einen eigenen Musentempel. Am 1. 11.1905 hatten die Stadtverordneten beschlossen, den alten Viehmarkt in Schillerplatz umzubenennen. Gleichzeitig faßten sie den Beschluß zum Bau eines Theaters. Der Berliner Architekt Bernhard Sehring gewann den Wettbewerb und am 1. 6. 1907  war Baubeginn. Der Vorhang hob sich zur ersten Vorstellung ein Jahr später und die Cottbuser erlebten Lessings „Minna von Barnhelm“. Zum Glanz des Cottbuser Theaters trugen die Bürger der Stadt wesentlich bei, der Rentier Clemens Ruff stiftete die Marmorplastiken der Venus und der neun Musen im Kuppelfoyer und der Fabrikant Max Grünebaum ließ in seiner Fabrik den großen Bühnenvorhang herstellen. Die Klosterkirche wird nach umfangreichen Reparaturen und Umbauten am 1. 11.  wieder eröffnet. Damals entstand das neue Gestühl und die Emporen, die Kanzel wurde an die Nordwand umgesetzt und eine neue Orgel eingebaut. Der Kirchenmaler Frey schuf eine neue Ausmalung, die leider später übermalt wurde.

1909

In diesem Jahr wird mit der Anlage des „Kaiser-Wilhelm-Auguste-Viktoria-Hains“ im Volkspark in den Madlower Schluchten begonnen. Der Stadtgärtner Friedrich Glum übernimmt die Gestaltung des 18 Hektar großen Areals. Auch der Verschönerungsverein beteiligt sich und in den folgenden Jahren entstehen Waldwiesen, Waldpark und ein künstlicher Bach. Viele Cottbuser beteiligen sich zudem mit Spenden für Sträucher und Bäume an der Ausgestaltung.

1910

In diesem Jahr wird die „Elimkapelle“ als Kirche der evangelischen Methodistengemeinde eingeweiht. Bereits 1895 hatte sich diese Gemeinde in Cottbus gebildet, die Kapelle in der Virchowstraße wurde zwischen 1977 und 1984 erweitert und ist heute als“ Christuskapelle“ bekannt. Das Lehrerseminar wurde bereits 1907 gegründete. Am 25. 6. 1910 konnte nun der neue Gebäudekomplex eingeweiht werden. Dem Lehrgebäude zugeordnet waren u. a. eine Direktorenvilla und eine Turnhalle. Das Lehrerseminar wird 1925 geschlossen, jedoch 1932 als Pädagogische Akademie wieder eröffnet und ein Jahr später zur Hochschule für Lehrerbildung umgestaltet. In das Gebäude zieht am 1. 9. 1952 die Sorbische Oberschule ein, heute ist es das Niedersorbische Gymnasium. Der brandenburgische Knappschaftsverein beschließt am 28. 12. 1910, seinen Sitz von Guben nach Cottbus zu verlegen. Im folgenden Jahr ließ er hinter dem Stadttheater sein neues Verwaltungsgebäude errichten.

1911

Mit einem Festgottesdienst wird am 17. 12.  die Oberkirche nach umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten wieder ihrer Bestimmung übergeben. Begonnen wurde mit den Arbeiten im Herbst 1910, vor allem der äußere Zierrat der Kirche sowie eine neue Dacheindeckung und die Dachreiter wurden damals angebracht. In Döbbrick wird in diesem Jahr die Kirche mit einer dem Barock nachempfunden Innenausstattung erbaut.

1912

Die „Augusta-Schule“ wird am 5. 1.  eingeweiht. Am 23. 1. vereinbart die Stadt mit der Siedlungsgenossenschaft „Eigene Scholle“ den Bau von Wohnungen für Arbeiter zwischen Löbensweg und Schießstandstraße. In den folgenden Jahren entstehen hier zahlreiche Häuser und 1919 wird die Siedlung nach Cottbus eingemeindet. Im Süden der Stadt wird am 30. 6. 1912 die Lutherkirche geweiht. Anno 1896 war begonnen worden, mit Basaren und Sammlungen für den Bau einer Kirche in diesem Stadtviertel Geld zu sammeln und am 2. 4. 1906 wurde der Luther-Kirchbauverein gegründet. Fünf Jahre später, am 25. 6. 1911, erfolgte die Grundsteinlegung für den Bau der Kirche. Der Entwurf stammte vom Regierungsbaurat Leibnitz. Am 13. 10. 1912 wird in Hoyerswerda die Domowina als Bund der Lausitzer Sorben gegründet. Aus der Cottbuser Region ist der Pfarrer Gotthold Schwela an der Gründung der Interessenvertretung beteiligt. Am 3. 12.  wird das neue Dienstgebäude für das Bahnpostamt bezogen, jedoch drei Jahren später ist es bereits zerstört.

1913

Schon im Jahr 1912 finden auf der Cottbuser Rennbahn Schau- und Rundflüge statt. Am 6. 4. 1913 startet das Luftschiff „Hansa“ um 11.10 Uhr mit elf Gästen in Cottbus und landet 13.30 Uhr wieder auf der Rennbahn. Ein Zeppelin startet gegen 14.00 Uhr zum Rückflug mit neun Gästen und landet in Potsdam 16.15 Uhr. Ein Jahr später ließ die Stadt eine Flugzeughalle mit Werkstatt errichten und hatte somit alle Voraussetzungen für einen regulären Flugplatz geschaffen. Es sollten jedoch noch einige Jahre vergehen, ehe Cottbus auch aus der Luft erreichbar wurde. Der örtliche Handel erfuhr in diesem Jahr eine weitere Bereicherung. Am 30. 9. 1913 eröffnet in der Spremberger Straße das Schocken-Kaufhaus, das bereits 1902 von Adolph Bromberg bzw. Reinhold Reeck errichtet wurde. Die 1907 gegründete Firma beauftragte 1914 das Cottbuser Büro „Dümpert & Haucke“ mit Planungen für die Erweiterung des Kaufhauses. Neun Jahre später, am 25. 10. 1925, wird der Erweiterungsbau am Schloßkirchplatz eröffnet. Verantwortlich für den architektonisch besonderen Bau zeichnet das Cottbuser „Büro für Architektur und Kunstgewerbe“ von Rudolf Stiefler und Ernst Könecke. In den dreißiger Jahren wird die jüdische Familie Schocken enteignet und das Cottbuser Kaufhaus wie die anderen Kaufhäuser der „Kaufstätten Merkur A.G.“ zugeordnet. Nach dem Krieg wird hier das Konsum-Kaufhaus eingerichtet, aber die schweren Schäden am Gebäude machen 1950 umfangreiche Sanierungsarbeiten notwendig. Trotz weiterer Arbeiten muß das Gebäude 1963 weitgehend baupolizeilich gesperrt werden. In Sandow wird am 13. 10.  die neue Schule, heute die 2. Realschule, eingeweiht. Den Bau entwarf der Architekt Dr. Mäckelt aus Berlin, die Ausführung übernahm die Cottbuser Firma „August Patzelt“ und am 10. 11.  wurde der Grundstein für das evangelische Gemeindehaus in der Bahnhofstraße 5 gelegt. Mit einer Feier am 23. 8. 1914 wurde diese eingeweiht, jedoch wenige Tage später gleich als Lazarett genutzt.

1914

Am 12. 2. findet die Wahl eines neuen Oberbürgermeisters statt. Oberbürgermeister Paul Werner beabsichtigte, sich aus Altersgründen zur Ruhe zu setzen. Mehr als zwanzig Jahre hat er die Geschicke der Stadt bestimmt, 1914 wurde ihm deshalb auch die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen. Den Cottbuser Stadtverordneten lagen 75 Bewerbungen vor, sie entschieden sich für Hugo Dreifert, der schon zwischen 1894 und 1905 als 2. Bürgermeister in Cottbus tätig war und einer Cottbuser Familie entstammte. Krönender Abschluß der Amtszeit des Cottbuser Oberbürgermeisters Werner, der bereits am 1. 4. 1914 zurückgetreten war, wird die Übergabe des neuen städtischen Krankenhauses am 27. 6. 1914 an der damaligen Feldstraße. Die letzte Amtshandlung des scheidenden Oberbürgermeisters Paul Werner war jedoch die Einweihung der Jubiläumsbrücke im Volkspark am 30. 3. 1914. In der Taubenstraße wurde 1845 das erste städtische Krankenhaus eingerichtet, daneben gab es noch Lazarette und private Anstalten. Schon 1908 übernahm die Stadt die Thiemschen Anstalten, die Verbesserung der medizinischen Versorgung war mehrfach Thema in den Stadtverordnetensitzungen, so z. B. 1903  und 1907. Aber erst am 29. 8. 1912 konnte der Grundstein gelegt werden. Zwei Jahre später wird das moderne Krankenhaus mit 330 Betten in Betrieb genommen, wenige Monate später zunächst in ein Lazarett umgewandelt. In den folgenden Jahrzehnten erfährt der Gebäudekomplex zahlreiche Erweiterungen, so 1920 die Einrichtung der Unfallstation und durch einen Anbau kann 1929 die Bettenzahl auf 650 erhöht werden. Nachdem bereits im April 1918 zwei separate Isolierbaracken errichtet worden waren, kann am 22. 11. 1941 ein neues Isoliergebäude seiner Bestimmung übergeben werden. Schwer getroffen wurde der Krankenhauskomplex beim Luftangriff am 15. 2. 1945. Mehr als 90 Bombeneinschläge werden auf dem Gelände des Krankenhauses gezählt, von über 900 Betten waren 350 zerstört und insbesondere der Ostflügel mit dem OP-Trakt ist nur noch eine Ruine. Zu einer Kriegssitzung kommen die Stadtverordneten bereits am 10. 8. 1914 zusammen. Zwei Tage zuvor zog das in Cottbus stationierte Infanterie-Regiment Nr. 52 durch ein Spalier der Cottbuser zum Bahnhof. Zahlreiche Beamte waren zum Kriegsdienst eingezogen, den Kriegsbeginn hatten wenige Tage zuvor auch die Cottbuser jubelnd begrüßt und der Magistrat bereits am 4. 8. aufgerufen hat, auf Hamsterkäufe zu verzichten. Stadtanleihen werden für Kriegszwecke aufgelegt, Lazarette eingerichtet und erste Sammlungen für die Kriegsfürsorge bringen 180.000 Mark ein. Zur Unterstützung der kämpfenden Truppen wurde am 27. 1. 1916 eine neue Rathaustür angeschafft. Durch den Erwerb von Ziernägeln, die dann in die Tür eingeschlagen wurden, können die Cottbuser für den Krieg spenden. Aber auch auf eine ganz andere Weise lernen die Cottbuser nun schon den Krieg kennen: Am 4. 9. 1914 wird auf der Rennbahn im Norden der Stadt ein Lager für 10.000 Gefangen eingerichtet, an diesem Tag treffen etwa 7.000 Russen ein. Erst 1921 verlassen die letzten 600 russischen Kriegsgefangenen die Stadt. 1915 wird auch in Merzdorf ein weiteres Gefangenenlager eingerichtet. Noch im November 1914 erleben die Gefangenen im Kriegsgefangenenlager eine Fleckentyphus-Epidemie. Der berühmte polnische Biologe Stanislaus Prowacek steckt sich bei den Untersuchungen im Lager an und stirbt am 15. 2. 1915.

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 26. Januar 2014 um 15:56 Uhr