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 Cottbuser Blätter                    Sonderheft Stadtchronik 2002                    Steffen Krestin

 

Chronik der Stadt Cottbus - von 1600 bis 1850

  

1600
Am 3. 9. erleben die Cottbuser eine der größten Katastrophen der Stadt. Bei einem Brand wird fast der gesamte Ort in Schutt und Asche gelegt, nur 9 kleine Buden sollen den Brand überstanden haben. Die Kirchen werden zerstört, lediglich die Bibliothek der Oberkirche kann gerettet werden. Das halbe Schloß, das Rathaus mit dem Archiv, die Lateinschule an der Oberkirche und die Stadtmühle  sowie ein Teil von Sandow und das Hospital fallen den Flammen zum Opfer. Das Feuer brach bei dem Ratsverwandten Martin Meurer in der Mühlenstraße aus, jedoch konnte sein Verschulden nicht nachgewiesen werden. Der Kurfürst unterstützte den Wiederaufbau der Stadt, indem er den Bürgern Bauholz zur Verfügung stellte, sie für fünf Jahre von Steuern befreite und das 1543 geliehene Kirchensilber zurückgab. In den folgenden Jahren wurden nicht nur die Wohnhäuser wieder aufgebaut, auch die zerstörten Kirchen und die beschädigten Bereiche der Stadtmauer wurden repariert. So erhielt z. B. der Münzturm 1603 ein neues Dach mit einer Wetterfahne und dem Cottbuser Stadtwappen, dem Krebs auf der Spitze. Nach dem Wiederaufbau des Rathauses ließ die Stadt bei dem Glockengießer Sebastian Preger in Frankfurt/Oder 1607 eine Glocke gießen. Später war diese die kleine Rathausglocke, die die Viertelstunden schlug. Aber auch in den folgenden Jahrzehnten wurden die Cottbuser immer wieder von Katastrophen heimgesucht. So ist aus dem Jahre 1612 eine Pest überliefert, der mehr als 1.000 Menschen zum Opfer fielen. Auch soll damals die Spree über die Ufer getreten sein und fürchterliche Überschwemmungen angerichtet haben. Wenige Jahre später, 1615, wütete ein Feuer in Sandow, und brannte 55 Häuser nieder.
1606
Bis zum Jahre 1610 verwaltet Wedig Reimar Edler von Putlitz das Amt Cottbus, danach hatte Weichmann von Winterfeld die Amthauptmannschaft bis 1625 inne. Ihm folgten zwischen 1625 und 1627 Amtshauptmann Gebhardt von Alvensleben und 1628 und 1636 Vitztum von Eckstädt.
1620
Am 27. Mai findet der erste Gottesdienst der deutsch-reformierten Kirchengemeinde in Cottbus statt. Genutzt wird dafür ein Raum auf dem Schloß, woraus später, nach dem Zusammengehen mit den Hugenotten und dem Aufbau einer eigenen Kirche der Name Schloßkirchgemeinde abgeleitet wurde. Wenig später hält der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) in Cottbus Einzug: Am 14. Juni werden die ersten Soldaten einquartiert. Noch waren die Kriegsjahre erträglich, auch wenn immer wieder Söldner und Flüchtlinge durchzogen. Bei einer Musterung werden insgesamt 444 waffenfähige Männer gezählt, jedoch war der Alltag schon durch die Auswirkungen der Geldverschlechterungen geprägt. Die „Kipper und Wipper“ führen zum Niedergang des Geldwesens, sie prägen minderwertige Münzen. Galt der Reichsthaler 1619 noch 108 Kreuzer, so wurde er 1621 schon mit 390 Kreuzer berechnet. Der Feingehalt der Münzen hatte sich bis 1621 um das siebenfache gegenüber dem Jahre 1596 verschlechtert. Aus Geldnot bat der Cottbuser Rat den Kurfürsten um die Genehmigung, wieder den Cottbuser Heller schlagen zu dürfen.
1626
Am 3. Juli schlägt der Blitz in das Luckauer Tor ein, das nun mühsam wieder aufgebaut werden muß. Allerdings war wohl der Zustand der Stadtmauer bedenklich, da schon 1614 ein Teil derselben hinter der Brettmühle einstürzte. Damit hatte diese Befestigungsanlage wohl in diesen unruhigen Kriegsjahren wenig Widerstandsfähigkeit, wie auch die ständigen Belagerungen und Einquartierungen zeigten. So zogen am 3. August 1626 ca. 40.000 Mann unter dem Befehl des General Wallensteins in Cottbus und in der Umgebung ein. Während ihres zweitägigen Aufenthaltes richteten sie in der Stadt und den Dörfern großen Schaden an. Wallenstein selbst nahm Quartier auf dem hiesigen Schloß. Ein Jahr später, am 3. August 1627, zog Wallenstein erneut durch Cottbus und die Umgebung und wieder erlebten die Menschen 5.000 plündernde Soldaten, obwohl diesen bereits knapp 180 Tonnen Bier übergeben worden waren. Am 31. Juli 1627 hatte sich der Cottbuser Magistrat beim Kurfürsten beschwert, daß der Generalstab für 2.000 Thaler Wein genommen hat und diesen nicht bezahlte. Den kaiserlichen Truppen unter Wallenstein folgte dann am 26. Oktober Oberst Fahrenbach wieder mit einigen tausend Mann, die einen Schaden von ca. 4.000 Thaler anrichteten. In den folgenden Jahren erleben die Cottbuser immer wieder den Durchzug von Truppen, 1628 sind es zu Jahresbeginn Sachsen, im April sind es wieder Wallensteins Söldner und im Sommer wird die Stadt von kaiserlichen Truppen besetzt.
1627
Während der Kriegsjahre wird die Stadt immer wieder auch von der Pest heimgesucht. In diesem Jahr fallen ihr ca. 2/3 der Bevölkerung zum Opfer. Während der Pestepidemie 1631 brennt das Siechenhaus ab. Zwei Jahre später, 1632/1633, erleben die Cottbuser erneut diese Seuche. Die Einwohnerzahl sinkt auf ca. 150 und auch 1637 kommt eine neue Krankheitswelle nach Cottbus.
1631
Die Jahre des Krieges gehen an der Stadt nicht spurlos vorüber. Immer wechselnde Armeen besetzen und plündern die Stadt. Im Januar 1630 erleben die Cottbuser den Durchzug und die Einquartierung der Truppen des Oberst Kehr und im Sommer sind die schwedischen Truppen in der Stadt. Zu Beginn des Jahres 1631 zieht der kaiserliche Oberst Goetze durch den Cottbuser Kreis und hinterläßt eine Spur der Verwüstung. Am 26. Juni 1631 greift er mit seinen Soldaten die Stadt an und vertreibt den hier weilenden schwedischen Oberst Bock. Der Einnahme der Stadt folgt eine wüste Plünderung, der elf Bürger zum Opfer fallen. Da die Stadt die geforderte Kontribution in Höhe von 16.000 Thalern nicht aufbringen kann, werden 6 Geiseln verschleppt. Im September zieht Oberst Goetze erneut in Cottbus ein, und ein Jahr später, 1632, kommen kroatische Truppen. Weimarer Reiter und sächsische Truppen plündern ebenso wie die 7.000 Kroaten die Stadt und saugen die letzten Reserven der Stadt auf. Viele Häuser liegen brach, die Bewohner der Region haben Mühe, ihren Alltag zu fristen. Unmittelbar vor der Stadt, am Luckauer Tor, wird ein Kind von einem Bären zerrissen; auch Wölfe werden in der Umgebung gesichtet. Zwar werden auch in den folgenden Jahre immer wieder Einquartierungen und Truppendurchzüge vermeldet, z. B. 1634 von Sachsen und Kroaten, im Jahr darauf von brandenburger Soldaten, aber von größeren Schäden ist zu diesem Zeitpunkt kaum noch die Rede. Nach dem Friedensschluß zwischen Brandenburg und Sachsen sowie dem Kaiser gelten die Schweden nun als Feinde des Landes. Im Jahre 1640 ziehen schwedische Truppen unter General Stalhans in die Stadt ein, der ein Jahr später 34.190 Thaler Kontribution einfordert. Auch in den folgenden Jahren sind immer wieder kaiserliche oder schwedische Truppen in Cottbus. Über die schwedischen Soldaten klagten die Cottbuser, „daß ein so gahr gottloses und böses Volk noch niemals in Cottbus gewesen sei“. Erst 1652 verlassen letztere die Stadt und in einem Visitationsprotokoll wird dem Kurfürsten von Brandenburg über den Zustand seiner Besitzungen berichtet.
1635
Dem Hofmusiker Martin Krüger wird am 23. November das Privileg bewilligt, in seinem Haus „Am Ring“ einen Ausschank zu betreiben. Neben dem Ratskeller, der erstmals 1639 erwähnt wird, ist dies der älteste Nachweis einer Gaststätte, damals auch als „Freihaus“ bezeichnet.
1638
In diesem Jahr wird in einer Verfügung festgelegt, daß in der Wendischen Kirche, der alten Klosterkirche, wendisch gepredigt werde. Dagegen wird in der Oberkirche die deutsche Sprache benutzt, schnell bürgerte sich der Begriff „Deutsche Kirche“ ein. Den landläufigen Namen „Oberkirche“ erhielt die Kirche St. Nikolai vermutlich im 18. Jahrhundert, weil sie nach der Reformation als Mutterkirche festgelegt war und die ehemalige Klosterkirche eine Filialkirche war.

1639

Abraham von Grünberg übernimmt die Verwaltung der Herrschaft Cottbus als Amtshauptmann.  Er wird bis zu seinem Tod am 16. 3. 1672 diese Funktion ausüben.

1644

Auf dem Kirchhof vor dem Spremberger Turm wird die Begräbniskapelle „Ad sanctam portam“ geweiht. Der Bau dieser Kapelle hatte sich über zwei Jahre erstreckt. Sie wird zeitweilig der kleinen katholischen Gemeinde zweimal im Jahr zu Gottesdiensten zur Verfügung gestellt.

1650

Auf der Grundlage des Cottbuser Dialektes verfaßt Jan Choinan in Lübbenau eine niedersorbische Grammatik. Wenige Jahre später, 1667 erheben sich die zumeist sorbischen Bauern in der Region. Sie fordern die Befreiung von Diensten und Abgaben, ca. 4.000 Bauern beteiligten sich am Aufbegehren. Im Sommer 1667 werden dessen Anführer auf das Cottbuser Schloß geladen, um hier ihre Beschwerden vorzutragen. Am 27. Juli wird der Aufstand endgültig niedergeschlagen und die Anführer nach Küstrin gebracht, wo sie zwei Wochen Wallarbeiten als Strafe ableisten müssen. Zur gleichen Zeit fordert der Kurfürst Friedrich Wilhelm die Abschaffung der sorbischen Sprache in der Neumark. Dem folgte am 9. 12. 1667 durch ein Edikt das Verbot gedruckter sorbischer Bibeln, einmal mehr hatten die Landesherren ihre Macht gegen die sorbischen Bewohner der Region eingesetzt. Diese Politik findet ihre Unterstützung durch das Lübbener Oberkonsistoriums, welches 1668 eine Druckschrift „Ohne vergreifliche Monita, wie im hiesigen Markgrafentum die gäntzliche Abschaffung der wendischen Sprache...“ herausgibt.

1652

Am 23. März wird in Cottbus eine Visitation durchgeführt. Das ganze Land ließ der Kurfürst Friedrich Wilhelm beschreiben und erhielt so einen Überblick über den Zustand nach dem Krieg. In der Stadt Cottbus waren die Schäden unübersehbar. Gezählt wurden nur noch 243 Bürger, die 51 Berufe ausübten. Vielen Hausstellen waren wüst, die Mauern der Stadt wiesen Löcher auf. Jedoch besaß die Stadtmauer selbst nun nur noch als Zollgrenze Bedeutung. Handel und Wirtschaft lagen am Boden und es mußte an vielen Stellen neu begonnen werden.

1653

Die Bewohner der Stadt fanden aber schnell zum Alltag zurück. Am 12. August klagten sie über den zunehmenden Verfall des hiesigen Weizenbieres. Erstmalig erwähnt wurde es 1642, aber scheinbar war der Absatz stark zurückgegangen. Etwa in dieselbe Zeit fällt auch die erste Erwähnung des später so berühmten „Cottbuser Korn“, seit 1643 führt der hiesige Schnaps seinen Namen.

1661

Für die Cottbuser Oberkirche fertigt der Torgauer Bildhauer Andreas Schultze einen neuen Hochaltar an und erhält als Lohn 881 Thaler . Der elf Meter hohe Altar ist aus Sandstein, den dreigeschossigen Aufbau zieren Szenen und Figuren aus dem Leben Christi. Im Mittelpunkt des bedeutenden Kunstwerkes ist die Auferstehung Jesu Christi von den Toten dargestellt. Während die Geburt Jesu Christi zur Weihnachtszeit in dem unteren Bereich des Altars dargestellt wird, findet sich die Passion Jesu an die Seiten gerückt. Im Zentrum des Altars steht somit der lebende Jesus Christus. Die Begegnung zwischen Maria Magdalena und dem wieder auferstandenen Heiland am Ostermorgen findet ihre Ergänzung mit zwei alttestamentarischen Szenen: Nach drei Tagen kommt Jonas aus dem Bauch des Walfisches frei und Simson erwürgt den Löwen, womit das Gute über das Böse siegt. Nach oben wird der Altar durch ein Dreieck abgeschlossen, hier ist die Dreieinigkeit Gottes dargestellt: Christus als Herr der Welt, Gott-Vater und der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Dieses bedeutende Œuvre hat die Jahrhunderte überstanden, Stadtbrände hinterließen ihre Spuren an der Kirche ebenso wie die Kriege des vergangen Jahrhunderts, vor den Zerstörungen während des 2. Weltkrieges wurde der Altar nur durch Einmauern geschützt.

1671

In der Nacht zum 21. März beginnt früh gegen 2.00 Uhr ein verheerendes Unglück: An der Stadtmühle entsteht ein Brand, der sich bald über die ganze Stadt ausbreitet. Erst am Nachmittag kommt das Feuer in der Klosterstraße zum Erliegen. Das Haus mit den drei Mohrenköpfen, später führte es die Nummer 66, blieb den Cottbusern lange in Erinnerung. Ob jedoch die drei Mohrenköpfe an den Stadtbrand erinnern sollten oder vielleicht eine ganz andere Bedeutung besaßen, konnte bis heute nicht geklärt werden. Auffällig ist jedoch, daß sie in der Darstellung eindeutig Gesichtszüge afrikanischer Menschen tragen und gar nicht an rauchverschmutzte Bewohner der Stadt erinnern. Vielleicht war es nur ein Hauszeichen, vielleicht waren einst hier Mohren zu Besuch? Die Stadt jedoch trauerte, vier Tote waren zu beklagen und 93 Brauhäuser sowie 214 weitere Wohnhäuser waren ein Opfer der Flammen geworden. Schäden hatte auch das Cottbuser Rathaus zu verzeichnen, das hiesige Archiv verbrannte. Die Oberkirche blieb jedoch wie das Schloß und das Schulgebäude verschont. Auf Befehl des Kurfürsten sollten nun die mit Stroh gedeckten Dächer beseitigt und die Mauern aus Ziegelsteinen errichtet werden. Noch im gleichen Jahr fertigte der Glockengießer Franz Sebastian Vollard in Frankfurt/Oder fünf Glocken an: Drei wurden in den 1671 abgebrannten und wieder aufgebauten Turm der Oberkirche gebracht und zwei kamen auf den Turm des Rathauses.

1685

Kurfürst Friedrich Wilhelm erließ den „Kommissions-Receß“. Mit ihm wollte er den Wiederaufbau nach Krieg und Stadtbrand beschleunigen, noch immer lagen etwa 200 Grundstücke in Cottbus wüst da. Den Handwerkern wurde die Niederlassung in der Stadt erleichtert, so wurde z. B. das Meistergeld drastisch gesenkt, die Anfertigung kostbarer, aber teurer Meisterstücke untersagt und auch der Meisterschmaus begrenzt.

1688

In diesem Jahr soll erstmals in der Stadt durchsichtiges Glas hergestellt worden sein. Die älteste Urkunde der Glaserinnung datiert auf den 22. 1. 1704.

1698

In Cottbus wirkte der Postmeister Ludwig Böttcher. Es wurde ein Verbindung zwischen Berlin und Cottbus eingerichtet, der Brief kostete zwei Groschen. Jedoch gab es wohl schon eher ein Postamt, denn 1694 verbot der Kurfürst den Postkutschern, ihr Horn in der Stadt zu blasen und 1692 führte die sächsische Post auf ihrem Weg von Dresden nach Warschau über Cottbus. Damals befand sich die Postexpedition im Gebäude des Amtsrates Hubert, vermutlich war dies das erste Cottbuser „Postamt“.

1701

Am 4. 10. gründen die nach Cottbus eingewanderten Hugenotten eine französische Kolonie. Prediger Cabrit, erklärt sich bereits am 2.8.1700 bereit, zusammen mit weiteren 13 Familien nach Cottbus ziehen und am 28.6. 1701 kommen sie in der Stadt an. Sie folgen damit den Spuren anderer Glaubensflüchtlinge; schon 1698/99 kamen Reformierte aus der Pfalz nach Cottbus. Die Gläubigen, die sich nun in Cottbus niederließen, belebten auch das hiesige Handwerk. Insbesondere die Strumpfwirkerei, die Gerberei, die Konditorei und die Tabakverarbeitung beherrschten sie und mancher Cottbuser Geschäftsname, z. B. Toussaint, Pichon, Pischon und Matthieu, in das 19. Jahrhundert an diese Tradition. Bereits am 18. 12. 1701 erhalten die französischen Glaubensflüchtlinge die seit dem Stadtbrand 1600 wüst liegende Katharinenkapelle an der Spremberger Straße zum Bau eines eigenen Gotteshauses. Die neuen Bewohner der Stadt leben zwar verstreut, bilden aber eine eigene Gemeinde ebenso wie die deutschen Reformierten. Als erster Prediger der hiesigen deutsch-reformierten Gemeinde wird 1691 Adrian Lengenfeld bestellt. Er erhält eine Wohnung auf dem Schloß, wo auch die Gottesdienste abgehalten werden. Einige Jahre Jahrzehnte später, per Dekret vom 9. 8. 1720, erhält die französische Kolonie erneut Zuwachs: Die neu eingewanderten Pfälzer und Wallonen werden ihr zugeteilt. Religionsflüchtlinge kamen aber auch später noch nach Cottbus, so zogen am 16. 8. 1732 Salzburger Emigranten, die auf Grund ihres protestantischen Glaubens ihre Heimat verlassen mußten, mit ca. 50 bis 60 Gepäckwagen durch die Stadt. Zu ihrer Unterstützung sammelten die Cottbuser 315 Thaler Reisegeld. Die beiden Gemeinden der Hugenotten und der deutsch-reformierten Protestanten schließen sich 1757 zusammen. Henry Jacob Pichon tritt 1774 als letzter Richter der französischen Kolonie sein Amt an, anschließend verlor die französische Gemeinde auch ihre besondere juristische Stellung in der Stadt.

1709

In diesem Jahr wird das erste „Cottbuser Buch“ gedruckt – in Kahren erscheint ein Katechismus in niedersorbischer Sprache, ein Jahr später wird hier auch das Neue Testament in niedersorbischer Sprache bei Michael Kühn gedruckt. Die Übersetzung fertigte der Prediger Gottlieb Fabricius, der zwischen 1679 und 1741 lebte und viele Jahre in Kahren als Prediger tätig war.

1714

Am 7. Januar wird die neu erbaute Schloßkirche geweiht. Bereits 1705 erhielt die französische Gemeinde die Erlaubnis, zur Errichtung ihrer Kirche eine Kollekte zu sammeln. Zwei Jahre später, am 6. 10. 1707; wird der Grundstein für das schlichte barocke Kirchengebäude gelegt. Noch bevor der Bau fertiggestellt ist, verstirbt im Alter von 78 Jahren Prediger Cabrit. Er wird am 15. 2. 1713 in der noch nicht fertigen Kirche beigesetzt. Im Oktober 1714 genehmigt der Kurfürst, daß auch die deutsch-reformierte Gemeinde die neue Kirche für ihre Gottesdienst nutzen darf und bald bürgert sich der Name „Schloßkirche“ ein. Als die Gemeinden der Hugenotten und die bereits seit 1620 bestehende Gemeinde der deutsch-reformierten Gläubigen immer kleiner werden, werden  sie 1757 zusammengelegt. Die Kirche erfuhr 1870/71 einen Umbau. Der Westflügel wurde erneuert und bei der Gelegenheit auch der heute die Spremberger Straße prägende Kirchturm errichtet. Mit der Eröffnung als ökumenisches Gemeindezentrum am 23. 9. 1974 änderte sich die Bedeutung dieser Kirche.

1715

Seit Jahrhunderten gilt Cottbus als Schulstadt, hier befand sich eine Lateinschule in unmittelbarer Nachbarschaft der Oberkirche. Unter dem Rektorat des Martin Busse wird am 8. April die neue Stadtschule eingeweiht. In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges wurde das Barockhaus mit seiner pilastergeschmückten Fassade zerstört. Anfang Juli erheben sich erneut die Bauern in der Region um Cottbus. Der Anführer ist Schulze Hans Lehmann aus Eichow. Am 6. Juli tagt eine Untersuchungskommission auf dem Cottbuser Schloß, die 16 Bauern aus Eichow, Krieschow, Werben, Lieskow, Gosda werden verhaftet und auf die Festung nach Peitz gebracht. Die Unruhen der Bauern ziehen sich über zwei Jahre hin, im Juli 1717 begeben sich ca. 4.000 Rittergutsbauern auf einen Marsch nach Berlin, der jedoch militärisch zerschlagen wird. Der Anführer der Bauernerhebung, Schulze Lehmann, wird nun in Spandau in lebenslange Haft gesteckt. Wenig später, am 2. 12. 1717, verfügt der preußische König erneut, „daß im Schuldienst die wendische (niedersorbische) Sprache beseitigt werden müßte“. Am 27. Juli wird Immanuel Jacob Pyra in Cottbus geboren. Sein Vater ist Advokat in Cottbus, das Wohnhaus der Familie Pyra stand am Altmarkt, heute Altmarkt 15. Bis 1729 besucht Pyra die hiesige Lateinschule und danach das Gymnasium in Bautzen und studiert in Halle. Dort zählt er zu den Mitbegründern der Halleschen Dichterschule, 1737 erscheint sein Werk „Tempel der wahren Dichtkunst“. Pyra stirbt am 14. 7. 1744 in Berlin als Konrektor am Köllnischen Gymnasium. Er gilt als einer der bedeutendsten Dichter des frühen 18. Jahrhunderts, seine „Ode auf Friedrich II.“ war ein wichtiges Zeugnis des beginnenden Preußenstolzes.

1718

Schon seit einiger Zeit hatte die Stadtbefestigung ihre militärische Funktion verloren. Nun erfuhren die Wallanlagen eine neue Nutzung, die preußischen Autarkiebestrebungen brachten auch nach Cottbus die Seidenraupenzucht. In diesem Jahr wurden die ersten 1.200 Maulbeerbäume zu Lasten der Cottbuser Kämmereikasse auf den hiesigen Wallanlagen gepflanzt. Zwar folgten bald weitere Pflanzungen, aber der Erfolg der Seidenraupenzucht blieb aus und in der Mitte des 19. Jahrhunderts wird die Zucht eingestellt und es erfolgt erneut eine Umgestaltung der Anlagen an den Stadtmauern.

1719

Die Stadt zählte damals 3.205 Einwohner, zu denen auch die Bewohner der Spremberger und Luckauer Vorstädte gezählt wurden, innerhalb der Mauern gab es 366 Häuser. Jedoch müssen hier noch die Bewohner der Dörfer Sandow, der drei Brunschwig und Ostrow hinzugezählt werden, auch werden nicht alle Bewohner der Stadt als Einwohner gezählt. In diesem Jahr ordnete zudem der preußische König Friedrich Wilhelm I. die Verwaltung neu: Die Zahl der Ratsherren wird nun auf acht festgesetzt und setzte sich aus drei Bürgermeistern, dem Syndikus, der zugleich Stadtschreiber und Gerichtsaktuar ist, dem Kämmerer und einem Stadtrichter sowie zwei Senatoren zusammen. Das seit Markgraf Johann übliche Chüren, die jährliche Neuwahl, wird nun abgeschafft.

1720

Der erste Cottbuser Stadtplan wird von dem Geometer Seyfried Handschky gezeichnet. Auf ihm sind 417 Hausnummern eingetragen. Vier Jahre später wird dieser Plan um die Vorstädte ergänzt. Noch heute bildet der Stadtplan eine wichtige Grundlage für die Erforschung der Stadtgeschichte. Es sollten noch einmal mehr als hundert Jahre vergehen, ehe die Stadt wieder vermessen und ein neuer Stadtplan gezeichnet wurde. Auf dem Stadtplan des Handschky ist sie bereits eingezeichnet, die in diesem Jahr neu erbaute Stadtmühle. Mittels unterschlächtiger Wasserräder werden zwei Mahlmühlen, eine Schneidemühle, eine Walkmühle und eine Lochmühle angetrieben. Ende des Jahrhunderts erfährt die Stadtmühle erneut Veränderungen, 1793 wird sie wieder umgebaut. Ihre älteste Erwähnung stammte aus dem Jahre 1435. Die Mühle war für die Bauern der Umgebung über Jahrhunderte der fest zugewiesene Ort, ihr Getreide mahlen zu lassen. Daß die Müller nicht immer genau Maß nahmen, belegen die Beschwerden. Um dem entgegenzuwirken, ließ 1665 der Kurfürst die bisherigen Kerbhölzer durch Mahlzettel ersetzen. Aber schon am 10. 8. 1672 beklagen sich wieder die Cottbuser Bürger, daß es in der Stadtmühle unredlich zugehe.

1722

In diesem Jahr übernahm Friedrich Wilhelm von Pannwitz die Regierung als Amtshauptmann. Er blieb bis 1731 im Amt, zuvor übte zwischen 1706 und 1720 Wilhelm von Gröben diese Funktion aus. Nach dem Tod des von Pannwitz übernahm Baron Gotter den Posten des Amtshauptmannes. Jedoch führte sein Stellvertreter Leopold von Klitzing auf Schorbus die Geschäfte. Als dieser 1748 verstirbt, wird dieses Amt nicht mehr besetzt. Ihre Aufgaben übernehmen später die Landräte.

1724

Die Wirtschaft der Stadt beginnt sich auszuweiten. Schon am 12. 3. 1723 wurde in einem Edikt festgelegt, daß Fabrikinspektoren zur Kontrolle der Wirtschaft einzusetzen sind. Weiterhin schreibt die Neumärkischen Braukonstitutionen vor, daß das Recht des Branntweinbrennens nicht den „Heidearbeitern, Forstbedienten, Schulzen, Müllern, Bauern, Kossäten zustand, um die Bürger nicht in ihrer Nahrung zu schädigen“. Jedoch begründet in diesem Jahr Samuel Christian Werner seine Firma „Kornbranntweine & Liköre“ im späteren Postgäßchen an der Spremberger Straße. Er folgt damit den Spuren Gustav Kniepfs, der bereits 1712 die Produktion des „Kniepf-Korns“ aufnahm und dessen Firma später eine der größten Kornbrennereien Deutschland wurde. Zwei Jahre später, 1726, verlegt der aus Sachsen stammende Buchdrucker Johann Michael Kühn seine zuvor im Schloß Kahren betriebene Druckerei nach Cottbus.

1726

Es wird mit der planmäßigen Anlage der Neustadt begonnen. Dies ist die erste Erweiterung der Stadt Cottbus außerhalb der Stadtmauern. Friedrich Wilhelm I. beauftragte den Berliner Oberbaudirektor Gerlach mit den Planungen der Wohn- und Arbeitsgebäude für Tuchmacher, Leineweber, Loh- und Weißgerber. 1733 wird dann auch ein eigenes Tor in der Stadtmauer für die Bewohner der Neustadt gebrochen, das Neustädter Tor sicherte einen direkten Zugang zu den neuen Häusern. Noch heute erinnert der Straßenzug zwischen Burgstraße und Brandenburger Platz mit seinem Namen „Am Neustädter Tor“ an das 1872 abgetragenen Tor. Zehn Jahre später, um 1743 sind ca. 20 Häuser fertiggestellt und bezogen. Schon etwas eher waren in den Häusern am Mühlgraben Gerber angesiedelt worden. Es sollten jedoch noch einige Jahre vergehen, ehe alle Stellen im Gebiet zwischen dem heutigen Ostrower Damm, dem Brandenburger Platz und der Franz-Mehring-Straße bebaut waren.

1729

Bis zu diesem Jahr wird der Friedhof an der Oberkirche genutzt, während der Kirchhof an der Schloßkirche von der französischen Gemeinde noch bis 1731 betrieben wurde.

1730

In diesem Jahr erscheint die erste Cottbuser Stadtgeschichte „Die Sammlung einiger Nachrichten von der Stadt Cottbus und den herumliegenden Orten“ des Johann Gottfried Ohnefalsch-Richter, der zwischen 1703 und 1765 lebte. Wenig später, vermutlich um 1740 verfaßte der Cottbuser Stadtarzt Dr. Johann Friedrich Beuch (1684 – 1758) ebenfalls eine „Geschichte und Beschreibung der Stadt Cottbus bis zum Jahre 1740“. Dieses Buch wurde 1785 in Berlin gedruckt. Um 1783 publizierte der Arzt und 2. Bürgermeister Carl Christian Gulde (1735 – 1815) mehrere Schriften zur Stadtgeschichte. Schon 1774 hatte er zum Geburtstag seines Sohnes Carl Wilhelm Gulde eine kleine Schrift zur Erinnerung an berühmte Cottbuser verfaßt und 1786 veröffentlicht er seine „Gesammelten Nachrichten zur Geschichte der Herrschaft Cottbus“.

1734

Die neuen wirtschaftlichen Bedingungen finden ihren Nachhall in zahlreichen neuen Regelungen. In einem neuen Privileg für die Tuchmacher vom 8. 11. wird u. a. festgelegt, daß Lehrlinge ehelicher Geburt und des Lesens und Schreibens mächtig sein müssen und nach einer vierwöchigen Probezeit drei Jahre lernen sollen. Ein Jahr später werden in Cottbus insgesamt 3.458 Stück Tuch hergestellt und abgesetzt. Die Bäcker in Cottbus erhalten am 25. 5. 1735 ein neues Generalprivileg.

1740

Die Stadt huldigt am 10. 8. dem König Friedrich II., der bis zu seinem Tod 1786 regiert. Auch sollen sich in diesem Jahr  die ersten drei jüdischen Familien in Cottbus niedergelassen haben. So mietete sich z. B. die Witwe Kayla Israel Pinkus im „Schwarzen Bären“ ein und durfte gemeinsam mit ihrem Bruders Marcus Israel Pinkus und ihrem Schwager Moses Simon ein Geschäft führen.

1742

Am 20. 9. wurde J. F. Fritze in Kolkwitz geboren. Er übersetzte während seiner Tätigkeit als Pfarrer das Alte Testament in die niedersorbische Sprache und ließ dieses dann 1796 drucken. Bis zu seinem Tod 1815 lebte er in Kolkwitz. Einige Jahre zuvor hatte bereits der Magister Johann Ludwig Will  die Herausgabe eines Buches „Kleine Sammlung geistreicher Lieder“ initiiert, in dem er 1749 auch 211 wendische Kirchenlieder abdruckte.

1744

Der Komptendorfer Pächter Krüger stiftet Geld für den Aufbau einer Waisenschule. Schon im Mai sind etwa 40 Kinder aufgenommen, untergebracht ist die Schule in einem Zimmer in der Sandower Gasse. Durch den Archediakon Christian Siegfried Busse, er wird 1746 auch zum Direktor der Waisenschule bestellt, wird der Kandidat der Theologie Johann Andreas Conradi als „Waiseninformator“ eingestellt. Bis zur Einweihung eines eigenen Gebäudes sollten noch einige Jahre vergehen. Am 30. 6. 1747 konnte der Bauplatz erworben werden und am 10. 7. erfolgte die Grundsteinlegung. Nach einem Jahr Bauzeit wurde am 30.8.1748 Richtfest gefeiert und am 24. 9. 1749 wurde die Waisenschule in der späteren Wallstraße 55 feierlich eingeweiht.

1748

Matheus Melde erwirbt ein Grundstück in der Spremberger Straße, auf dem seit 1638 gebraut und Schnaps gebrannt wurde. Er begründete damit die Firma „Melde-Korn“, die über mehr als zwei Jahrhunderte Schnaps in Cottbus herstellte und diesen auch außerhalb der Stadt verkaufte. Am 8. 11. mußten die Cottbuser erleben, daß die erst 1746 sanierte Vorderfront ihres Rathaus einstürzte. In der Folge wurde nun das Gebäude neu erbaut. Es gliederte sich in ein westliches Langhaus, das bereits im Mittelalter errichtet worden war und in einen östlichen Gebäudeteil, der quer zum Marktplatz stand und nun nach 1748 errichtet wurde. Zwischen diesen beiden erhob sich der schlanke Renaissanceturm, der nach 1671 erbaut wurde.

1752

Am 1. 10. wird Friedrich Gotthelf Brückner in Kamenz geboren. Er kommt 1767 nach Cottbus und lernt beim Kaufmann Johann August Keyling. Gemeinsam mit Samuel Ferdinand Lobedan gründet er 14. 7. 1782 die Firma „Lobedan und Brückner –Material- und Weinhandlung“. Letzter Inhaber der Firma war Friedrich Albert Liersch, der das Haus am Neumarkt 8 1922  der Stadt vermachte, damit diese hier ihr Museum einrichten kann. Nur vier Jahre später, 1756, erwirbt Christian Rein ein Grundstück auf der Mühleninsel und richtet hier eine Wachsfabrikation ein. Seine Lichte wurden bis an die preußischen Höfe in Berlin und Potsdam geliefert, noch heute erinnert der Straßenname „An der Wachsbleiche“ daran.

1754

Am 13. 6. wurde begonnen, den mittelalterlichen Torturm des Sandower Tores abzutragen und durch ein einfaches Tor zu ersetzen. Seit mehr als hundert Jahren hatten die Stadtmauer, die Wälle, Gräben und Tore ihre militärische Funktion verloren und dienten nun noch bis 1875 als Zollgrenze.

1756

Die friedliche Entwicklung der Stadt im letzten Jahrhundert wurde durch den Siebenjährigen Krieg jäh unterbrochen. Zwar war die Stadt nicht durch direkte Kampfhandlungen betroffen, aber immer wieder erlebten die Cottbuser Durchzüge und Einquartierungen der Truppen. So zog am 5.8.1758 der österreichische General Laudan für neun Tage mit 10.000 Soldaten ein und die Stadt mußte ihm zunächst 6.000 Thaler zahlen. Als die erneut geforderten 9.000 Thaler nicht bezahlt werden konnten, nahmen die Soldaten Bürgermeister und Kämmerer als Geiseln mit. Friedrich II. weilte in diesen Jahren mehrmals in Cottbus. 1759 kamen erneut österreichische und auch russische Truppen nach Cottbus und 1760 verpflegten die Cottbuser 22.000 Soldaten des General Lacy. Nach sieben Jahren Krieg hatte die Stadt 82.000 Thaler Schulden, die u.a. durch eine Erhöhung der Biersteuer getilgt wurden.

1766

Der Überlieferung nach, werden in diesem Jahr 131 Straßenlaternen auf Holzpfählen aufgestellt. Damit wurde wohl dem Bedürfnis der Cottbuser entsprochen, die Straßen und Plätze, aber auch die öffentlichen Brunnen zu beleuchten. Bis zur Einführung der ersten Gasbeleuchtung in der Rathausgasse 1861 mußten die Cottbuser sich mit diesen bescheidenen Straßenlampen behelfen. 1766 schlägt der Blitz in den Turm der Oberkirche ein. Durch den Brand wird der Turm stark beschädigt, 1769 erhält er dann eine neue Turmhaube mit Knopf. dabei handelt es sich um eine Spitze mit einer Urkundenkugel. Vier Jahre später, 1773, erhält die Oberkirche eine vierte neue Glocke. Im gleichen Jahr wurde auch für die Klosterkirche eine Glocke umgegossen und der Turm des Spremberger Tores erhielt eine neue Haube. Aus der Festung Peitz wurden eine Uhr und zwei Glocken zum Spremberger Turm geschaffen und eingebaut.

1768

Das Cottbuser Schloß wird nicht mehr für Verwaltungszwecke benötigt. Nach dem Tod des letzen Amtshauptmannes Baron Gotter 1748 wurde diese Funktion nicht mehr besetzt. Nun dient das Fürstenhaus im Erdgeschoß als Salzmagazin und das Mittelgeschoß wird als Montierungskammer für die Garnison genutzt.

1785

Nach mehrjährigen Verhandlungen war auf Drängen des Königs Friedrich II. mit dem Bau der Kolonistenhäuser in der Kolonie Sachsendorf begonnen worden. Am 16. 6. wurde nun der erste Dorfschulze in sein Amt eingeführt. Ein Jahr später, am 10. Mai 1786, zählte man 65 Hauswirte mit insgesamt 220 Personen, die 17 Kühe und 16 Schweine besaßen. Allerdings lebten die Sachsendorfer in äußerst ärmlichen Verhältnissen, der sorbisch/wendische Ortsname „Knorawa“ bedeutet „Hungerdorf“.

1785

Im gleichen Jahr, am 30. 10., erblickte in Muskau Hermann Fürst von Pückler-Muskau das Licht der Welt. Aus Schlesien kommend, erwarben seine Vorfahren 1696 Branitz und sein Großvater ließ 1772 das bereits bestehende Gebäude zu einem Schloß in der heute noch bekannten Architektur umbauen. Sein Vater hatte 1784 Clementine Gräfin von Callenberg geheiratet und so seinen Wohnsitz nach Muskau verlegt. Zwischen 1793 und 1804 besuchte Hermann von Pückler-Muskau die Schulen in Uhyst, Dessau und Halle. In den folgenden Jahren unternahm er seine „Jugendwanderungen“ durch Süddeutschland, die Schweiz, Südfrankreich und Italien. Später sollte er die Erlebnisse seiner ersten großen Reise veröffentlichen, aber schon damals entwickelte sich in ihm der Wunsch, die Landschaft nach seinem Willen zu gestalten. Nach dem Tod seines Vaters 1811 übernimmt er die Standesherrschaft Muskau und beginnt mit den ersten Arbeiten zur Gestaltung eines Landschaftsparks nach englischem Vorbild. 1814/15 führt ihn eine erste Reise nach England, woran sich drei Jahrzehnte der Gestaltung des Muskauer Parks anschließen. 1817 heiratet er Lucie von Pappenheim (1778 – 1854), die Tochter des preußischen Staatskanzlers Hardenberg. Fünf Jahre später wird Pückler, der während der Befreiungskriege auf der Seite der Alliierten stand und gegen Napoleon kämpfte, in den Fürstenstand erhoben. Seine zweite Englandreise unternimmt der Fürst zwischen 1826 und 1829. Hier besucht er zahlreiche Landschaftsgärten, Parks und Schlösser und publiziert die Briefe an seine Frau nach 1830 unter dem Titel „Briefe eines Verstorbenen“. Diesem ersten Buch werden weitere folgen, so bereits 1834 die „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“. Zwischen 1834 und 1840 unternimmt Pückler seine Orientreise. Sie führt ihn nach Algerien, Tunesien, Malta, Griechenland, Kreta und Ägypten. Weiterhin bereist er Jordanien, den Libanon, Syrien und die Türkei. Seine Erlebnisse wird er in den folgenden Jahren in zahlreichen Büchern publizieren. Ab 1843 arbeitet er im Auftrag des Kronprinzen Wilhelm am Babelsberger Park. Nachdem er 1845 die Standesherrschaft Muskau verkaufte, zog er sich gemeinsam mit seiner Frau auf das Branitzer Gut zurück. Hier beginnt er ab 1846 mit der Gestaltung der Landschaft, in den folgenden Jahrzehnten wird aus einer eher öden Gegend einer der bedeutendsten deutschen Landschaftsgärten. Von Anfang an öffnete der Fürst den Park auch den Bürgern der Stadt und den Gästen. 1857 ernennt die Stadt Cottbus Hermann Fürst von Pückler-Muskau zum Ehrenbürger. Am 4. 2.1871 verstirbt Pückler auf Schloß Branitz. Die Beisetzung erfolgt im Tumulus, der Seepyramide. Den Park vollendete Heinrich Graf von Pückler im Sinne des Fürsten. Nach 1945 mußte die Familie Pückler Branitz verlassen, seit 1989/90 engagiert sie sich in Branitz und unterstützt das Museum.

1793

Cottbuser „selbständige Bürger“ gründen am 15. 2. den „Verein zur freundlichen Unterhaltung und Erholung“, der später „Societät“ genannt wird und aus dem am 23. 11. 1814 die „Wintergarten-Gesellschaft“ hervorgeht. Im gleiche  Jahr erwirbt die Wintergarten-Gesellschaft den „Wintergarten des Kaufmann Keyling“ in der Spremberger Vorstadt und erbaut dort später ihr Vereinslokal. Das kulturelle Leben der Stadt findet wenige Jahre später aber eine weitere Bereicherung. Am 5. 4. 1796 gibt der Cottbuser Buchdrucker Johann Gottlieb Kühn unter dem Titel „Neue Cottbusische Stadt- und Amtsnachrichten“ die erste Cottbuser Zeitung heraus. Sie wird schon bald nach Erscheinen der ersten Nummern von der preußischen Regierung verboten, aber ab 1803 werden die „Erzählungen zum Nutzen und Vergnügen“ die Cottbuser mit neuesten Nachrichten versorgen.

1796

Am 3. 1. erleben die Ströbitzer ein Feuer im Dorf, das siebzig Gehöfte zerstört.

1797

Am 28. 1. wird die Cottbuser  St. Johannis-Loge der Freimaurer „Loge zum Brunnen in der Wüste“ gestiftet. Am 5.8. finden sich sieben Cottbuser zusammen, um die Loge zu insistieren: Superintendent Schmidt, Prediger Bolzenthal, Prediger Schulze, Kaufherr Keyling, Wundarzt Wißkott, Kaufmann Ohnesorge und Buchdruckereibesitzer Kühn. Am 4. 5. erhält Apotheker Bockshammer die Erlaubnis, in der Stadt die zweite Apotheke zu eröffnen und richtet im "Schwarzen Adler" die Adlerapotheke ein. Dies ist die erste Neugründung einer Apotheke in Cottbus, die neben der bestehenden Löwenapotheke ihre Dienste anbieten darf. In den folgenden Jahrzehnten werden noch weitere Apotheken gegründet, so z. B. am 5. 12. 1890 die Kronenapotheke, am 13. 11. 1894 die Sandower Apotheke und am 15. 12. 1922 die Nordapotheke.

1798

In der Luckischen Gasse wird am 29. 7. Carl Blechen geboren. Sein Vater war Steuerbeamter und seine Mutter die Tochter eines sorbisch/wendischen Schneiders. Während seiner Schulzeit in Cottbus nahmen der Madlower Pfarrer Happatz und der Maler Lemmrich besonderen Einfluß auf ihn. Zwischen 1815 und 1822 absolvierte er eine Lehre als Bankkaufmann in Berlin, malte und zeichnete jedoch auch weiterhin in seiner Freizeit. Die folgenden beiden Jahre nutzte er zu einem Studium an der Berliner Akademie der Künste, 1823 begab er sich auf eine Studienreise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz. Von 1824 bis 1827 arbeitet Carl Blechen am Königstädtischen Theater in Berlin als Dekorationsmaler. Am 27. 12. 1824 heiratete er die Putzmacherin Henriette Boldt und im Dezember 1826 wird Blechen in den Berliner Künstlerverein aufgenommen. Nach einer Studienreise an die Ostsee 1828 bereist er bis 1829 Italien. Nach einer Empfehlung von Schinkel wird Blechen 1831 zum Professor für Landschaftsmalerei an der Berliner Akademie berufen und zwei Jahre später unternimmt er noch einmal ein Studienreise, diesmal führt sie ihn den Harz. Ab 1835 traten immer wieder Anzeichen einer psychischen Erkrankung auf und im Februar entstand seine letzte Arbeit – eine Zeichnung. Zahlreiche Freunde seiner Zeit bemühten sich um Blechen, so z. B. die Dichterin Bettina von Arnim und der Kunsthändler Sachse aus Berlin. Carl Blechen starb am 27.7.1840 und sein Werk geriet zunächst in Vergessenheit. Das ausgehende 19. Jahrhundert lenkte jedoch den Blick wieder auf die Arbeiten des Malers Blechen. In der Ausstellung der Berliner Nationalgalerie im Jahre 1881 und der „Jahrhundertausstellung“ 1906 fanden sich die Arbeiten Carl Blechens neben anderen bedeutenden Künstlern wieder. Die Stadt Cottbus beginnt ab 1911 mit dem Aufbau einer Kunstsammlung. Zunächst werden Gelder für einen ersten Ankauf zur Verfügung gestellt und zwei Jahre später konnten die Cottbuser im Sitzungssaal der Stadtverordneten die ersten Bilder des einheimischen Malers bewundern. 1915 umfaßte die Cottbuser Blechensammlung bereits 21 Arbeiten und wurde in den folgenden Jahren beständig erweitert. Während des Zweiten Weltkrieges waren die meisten Bilder der Cottbuser Kunstsammlung in das Gutshaus Klein-Döbbern ausgelagert. Durch die Zerstörung des Gutshauses hatte die Sammlung einige Verluste erfahren. Nach 1947 wurde die Sammlung im Museum der Stadt im Schloß Branitz ausgestellt und weiter entwickelt.

1799

Am Ende des 18. Jahrhunderts verändert sich die überlieferte Lebensweise der Cottbuser. Am 24. 7. eröffnet das „Restaurant zur Wachsbleiche“, es wird zu einem der beliebtesten Ausflugslokale der Cottbuser. In der unmittelbaren Umgebung der Stadt entstehen in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche andere Schankwirtschaften und Tabagien, das sind beliebte Ausflugslokale, zu denen die Cottbuser am Sonntag pilgern, so z. B. Neuholland 1821 oder auch das Bellevue nach 1813. Neben den Ausflugsgaststätten fanden aber auch die traditionellen Gasthöfe regen Zuspruch, 1801 wurden z. B. in 79 Schänken 5.275 Tonnen Bier verkauft.

Aus diesem Jahr gibt es auch die ersten Nachrichten über das hiesige Theaterleben. Zwischen dem 29. 12. und dem März 1800 gab Schauspieldirektor Glück zahlreiche Vorstellungen. Zwei Jahre zuvor hatte man noch die Schauspieltruppe der Caroline Leutner abgewiesen, da der Theaterdirektor Döbbelin das ausschließliche königliche Privileg für Theatervorstellungen in Brandenburg/Preußen besaß. Aber nach 1800 setzte sich Amtsrat Hubert dafür ein, daß auch in den folgenden Jahren Schauspieler nach Cottbus kamen und so konnten in den folgenden Jahrzehnten immer wieder Theatergruppen den Cottbusern die Bühnenwelt  nahe bringen. Gespielt wurde an den unterschiedlichsten Plätzen, so im „Fürstensaal“ des Cottbuser Schlosses, auf einfachen Bretterbuden vor dem Luckauer Tor oder in den verschiedenen Gasthöfen. Nach 1822 findet erstmals das Theater im Gasthof „Goldener Ring“ am Altmarkt 21 statt, hier entsteht später das „Cottbuser Theater“. Nach 1853 wird der Saal im Obergeschoß ausgebaut und bis 1908 laden Schauspieler und Komödianten in dieses Haus ein.

1800

Im September beginnt Carl Friedrich Claudius mit der Produktion von Wachstuchen in seiner Fabrik vor dem Spremberger Tor. Er wurde am 21. 1. 1767 in Cottbus geboren, begibt sich 1806 nach Berlin und konstruierte einen Wachstuchballon mit Flugwerk. Am 5. Mai 1811 startet Claudius im Garten der Berliner Tierarzneischule zu einer Ballonfahrt mit seiner „Claudiante“ und überflog zwei Stunden die Mark Brandenburg. Er landete aufgrund eines aufkommenden Gewitters, hatte aber bereits eine Höhe von etwa 5.000 Metern erreicht. Die Berliner bereiteten ihm fünf Tage später einen begeisterten Empfang.

1805

Ein Poststempel aus Cottbus mit dem Datum 6. 11. 1805 ist als einer der ersten in Preußen überhaupt auf einem Posteinlieferungsschein mit Unterschrift des hiesigen Postmeisters Wilke überliefert.

1806

Die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Brandenburg/Preußen und Frankreich bringen auch für die Cottbuser neue Beschwerden. Nach der Niederlage der preußischen Truppen in der Schlacht bei Jena und Auerstädt werden am 2. 1. 7.000 Bayern einquartiert. Diese sollen sich äußerst gewalttätig aufgeführt haben. Zudem mußte die Stadt noch 44.000 Thaler als Kontributionsleistung aufbringen. Am 13. 8. 1807 werden Stadt und Kreis Cottbus unter die Oberhoheit des sächsischen Königs Friedrich August von Sachsen gestellt. Einen Monat später, am 25. 9. später wird am Luckauer Tor das sächsische Wappen angebracht. Es bleibt nur wenige Jahre hier, am 15. 6. 1813 läßt es der westfälische General Wolf wieder entfernen. In den Monaten zuvor erlebten die Cottbuser im Februar 1813 den Rückzug der geschlagenen napoleonischen Truppen. Am 27. 3. 1813 nimmt Marschall Blücher Stadt und Herrschaft Cottbus wieder in preußischen Besitz. Schon am 11. 5. verläßt ein Jägerdetachement die Stadt. Dieser Truppe hatten sich 103 Bürger aus Cottbus und der Umgebung angeschlossen, zudem sammelten die Cottbuser Gelder für deren Ausrüstung. Einen Tag später trifft Major von Lützow mit etwa 400 Jägern in Cottbus ein. Am 15. 6. besetzt der westfälische General Wolf die Stadt, nachdem die Truppen des General Bülow Cottbus verlassen hatten. Er läßt die preußischen Wappen wieder entfernen und durch sächsische ersetzen. Einen Monat später werden die Cottbuser Zeugen eines militärischen Exempels: Fünf westfälische Reiter wollten die Verbündeten Napoleons verlassen und in das nahe Preußen flüchte. Sie wurden am 16. 7.  als Deserteure erschossen. Ihnen zur Erinnerung wurde am 16. 7. 1845 am heutigen Fehrower Weg ein Denkmal gesetzt. Am 19. 9. 1813 wurde Cottbus durch Verfügung der Regierung wieder preußisch, doch erst nach der Völkerschlacht verließen die letzten sächsischen Beamten die Stadt. Nachdem im April 1814 Paris eingenommen wurde, kehrten auch die Cottbuser freiwilligen Jäger am 15. 7. 1814 wieder nach Hause zurück. Am 25. 5. 1815 kam Cottbus zusammen mit der gesamten Niederlausitz auf grund der Bestimmungen des Wiener Kongresses an Preußen und wurde dem neu gebildeten Regierungsbezirk Frankfurt/Oder zugewiesen.

1808

Am 6.4. erleben die Cottbuser ihre „Branntweinrevolte“. Die Kontinentalsperre behinderte die Cottbuser Wirtschaft und führte zu Arbeitslosigkeit und Verteuerung der Lebensmittel. Die Cottbuser Handwerker gingen gegen die Stadtverwaltung vor, senkten die Lebensmittelpreise und zerstörten die Branntweinblasen. Nach ihrer Auffassung war die Kornbrennerei Schuld an der Teuerung. Drei Tage später rückte jedoch das Militär in Cottbus ein und stellte die alte Ordnung wieder her, der Magistrat erhält seine Rechte zurück und die Anführer des Aufruhrs werden ins Zuchthaus gesperrt.

1809

Durch die sächsische Regierung wird Johann Christian Bolzenthal in das Amt des Superintendenten berufen. Der 1760 geborene Bolzenthal wurde bereits 1783 in das Amt als Archediakon an der Cottbuser Oberkirche eingeführt. Er wird bis zu seinem Tod 1842 als Seelsorger in Cottbus an den beiden Kirchen tätig sein und die Schulangelegenheiten mitbetreuen.

1811

In diesem Jahr richten jüdische Bürger in Cottbus eine Betstube ein. Sie nutzen dazu das Hinterzimmer im Hause des Tuchmachermeisters Duch. Nachdem schon 1740 die Witwe Pinkus vom König Friedrich Wilhelm eine Konzession für Cottbus erhalten hatte, lassen sich in den folgenden Jahrzehnten weitere jüdische Familien in Cottbus nieder. Aber erst mit den bürgerlichen Reformen erhalten sie durch das „Judenedikt“ vom 11. 3. 1812 zahlreiche Rechte und Pflichten wie andere Bürger auch. Das 1847 erlassene Kramerprivileg wird es den Juden nun möglich, eine eigene Gemeinde zu bilden. Um 1820 lebten etwa 30 jüdische Bürger in der Stadt, sie haben nun bereits ihren eigenen Friedhof und am 9. 4. 1858 wird die Cottbuser Synagogengemeinde gegründet. Der erster Rabbiner Dr. M. Dienstfertig kann mit den Gläubigen in den gemieteten Räume in der Marktstraße 12/Ecke Mauerstraße die religiösen Feste feiern. An gleicher Stelle wird am 29. 9. 1875 die erste Cottbuser Synagoge geweiht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte die Gemeinde ca. 90 Mitglieder und am 15. 9. 1902 wird in der Jahrstraße die neue Cottbuser Synagoge geweiht. Den prunkvollen Bau hatte die Firma „Hermann Pabel Co.“ errichtet. Da der alte Jüdische Friedhof bald zu eng und klein wurde, stimmten die Stadtverordneten am 31. 8. 1916 zu, der Jüdischen Gemeinde eine Fläche des Südfriedhofs für ihr neues Gräberfeld zu verkaufen. In der Pogromnacht am 9. 11. 1938 wird die Cottbuser Synagoge niedergebrannt und der alte Jüdische Friedhof in der Dresdner Straße geschändet. Der Jüdische Friedhof auf dem Cottbuser Südfriedhof und die dort befindliche Feierhalle werden jedoch nicht zerstört und mahnen noch heute an das Schicksal der zahlreichen ermordeten jüdischen Mitbürger.

1816

Das Cottbuser Schloß, für das schon seit längerem eine wirtschaftliche Nutzung gesucht wurde, wird an die Gebrüder John und William Cockerill verpachtet. Die beiden in England geborenen und aus Belgien stammenden Unternehmer hatten bereits in Guben die Tuchherstellung vorangebracht und richteten nun hier in Cottbus eine „Wollgarn-Spinnerei“ ein. Die Arkwright-Maschinen erhielten 1818 einen Zentralantrieb – die erste Cottbuser Dampfmaschine wurde auf dem Schloß in Betrieb genommen. Der qualmende Schornstein signalisierte den Beginn einer neuen Epoche, jedoch sollten noch einige Jahrzehnte vergehen, ehe die neue Technik in zahlreichen Cottbuser Fabriken Eingang fand. Die Fabrik der Cockerills erwies sich als erfolgreiches Unternehmen, 1832 übernahmen sie auch die anderen Gebäude auf dem Schloß und nutzten sie zur Fabrikation von Tuchen und Stoffen.

1819

Maria Groch soll ihre Baumkuchenbäckerei eröffnet haben. Diese Spezialität wurde in den folgenden Jahrzehnten auch von anderen Cottbuser Bäckern hergestellt, Hoflieferant jedoch wurde später ihre Tochter Wilhelme Kluge, deren Baumkuchen auf der Grundlage eines alten Familienrezeptes hergestellt wurde. Neben den Tuchen, dem Korn und dem Bier wurden die Baumkuchen eine weitere bedeutende Cottbuser Spezialität.

1820

Der wirtschaftliche Aufschwung führte auch in Cottbus zu mancher neuen Unternehmung. So gründete z. B. Emil Graske eine Kornbrennerei und Likörfabrik und der Apotheker Bertrand richtete die erste hiesige Buchhandlung ein. Ihm folgt Moses Heinemann, der am 6. 1. 1826 ebenfalls eine Buchhandlung in Cottbus eröffnet. Während Heinemann 1828 schließen muß, erwirbt im gleichen Jahr Karl Ludwig Bertrand Buchhandlung mit Leihbibliothek und Lesezirkel des verstorbenen Dr. Ch. Gottfried Flittner. Am 3. 3. wird in Cottbus Gustav Feckert geboren. Nach seiner Lehre als Lithograph und seinen Studien arbeitet er als Porträtist und wird Mitglied der Berliner Akademie. Er stirbt am 5. 10. 1899 in Berlin. Das Cottbuser Lyzeum erhält am 20. 3. den Status eines Gymnasiums. Benannt wird es nach Friedrich Wilhelm III., der zwischen 1797 und 1840 regierte. Ein Jahr zuvor hatten bereits die Dörfer Sandow und Brunschwig bereits jeweils eine eigene Schule erhalten und auch für Schmellwitz und Saspow wurde 1820 vom Lehrer Martin Schuppan der Antrag gestellt, eine Schule zu erbauen. Die Stadt Cottbus übernimmt im gleichen Jahr das Waisenhaus, das bereits 1749 erbaut wurde und nach einem Umbau seit 1835  als Bürgerschule genutzt wird. Aus der vorstädtischen Schule wird nun die 1. Elementarschule, die 1822 in der Taubenstraße ein neues Gebäude bezieht.

1824

Die neuen territorialen Strukturen erfordern auch eine Veränderung des Verwaltungsaufbaues. In Cottbus wurde nun ein Landgericht aufgebaut und am 1. 10. wird das Gebäude des alten Landgerichtes seiner Bestimmung übergeben. Bereits wurde 1821 das alte Amtsgericht abgetragen und an seiner Stelle am Schloßberg, dem heutigen Gerichtsplatz, in neues errichtet.

1825

Der Umbau des Spremberger Turmes wird abgeschlossen. Erste Pläne für den Umbau waren bereits um 1811 entstanden, denn der Turm war seit längerer Zeit baufällig. 1773 hatte er eine neue Kuppe erhalten, eine Uhr und zwei Glocken waren aus der Festung Peitz nach Cottbus gebracht wurden und im Turm eingebaut. Den Umbau übernimmt nun der Cottbuser Maurermeister Friedrich Wilhelm Schneider sen., der den Spremberger Turm mit einem Quadersockel und einer Zinnenkrone ganz im Stil der Zeit versah. Zwei Jahre zuvor, 1823, war schon das Sandower Tor mit dem zugehörigen Turm abgetragen und durch eine neue Anlage ersetzt worden.

1827

Am 2. 3. erläßt der Magistrat eine Verordnung, in der das Rauchen auf den Straßen und Plätzen der Stadt verboten ist. Bis 1848 durften die Cottbuser diesem Laster nur in ihrer Wohnung oder in den neu begründeten Tabagien frönen. Am 29. 3. wird der Grundstein für den Neubau des Hospitals am Sandower Ufer gelegt und mit dem Rezeß vom 7. 5. durfte die Stadt nun gegen die Zahlung von 561 Thalern die Einnahmen auf den Cottbuser Jahrmärkten selbst einziehen. Am 1. 12. erhält Karl Christian Stäber eine Anstellung als Kantor. Im Jahre 1832 gründet er den Männergesangsverein und später gibt er mit der „Liederchronik der Stadt Cottbus“ nicht nur ein Gesangbuch sondern auch eine kleine Stadtgeschichte heraus. Stäber stirbt am 26. 11. 1857.

1829

In Cottbus wird am 13. 6. Wilhelm Riedel geboren. In Berlin und Peitz erwarb er durch seine Unternehmen in der Tuchindustrie Ansehen und Reichtum. Am 13. 6. 1897 errichtete er in Cottbus das „Riedelstift für vaterlose Waisen“. Das Haus in der Bautzener Straße fand 1903 noch Erweiterungen durch das „Riedelstift für achtbare Arme“ und 1907 durch die Stiftung „Werkstättenhaus Selbsthilfe“. Die Stadt Cottbus ehrte Wilhelm Riedel 1903 mit der Ehrenbürgerwürde. Er starb am 23. 1. 1916.

1830

Am 1. 1.  nimmt die Cottbuser Sparkasse ihren Geschäftsbetrieb offiziell auf. Einen ersten Antrag für die Einrichtung einer Sparkasse hatte der Cottbuser Kämmerer Wenzig schon am 1. 6. 1827 eingereicht. Nachdem am 25. 6. 1828 der Entwurf eines ersten Statutes für die Sparkasse abgelehnt wurde, bildeten dreißig Cottbuser Bürger am 21. 11. 1828 eine Vereinigung, um als Garanten der zu begründenden Sparkasse aufzutreten. Mit der Bürgschaftserklärung vom 29. 4. 1829 konnte nun die Cottbuser Sparkasse gegründet werden. Gegen Ende des ersten Geschäftsjahres, im Dezember 1830, lagen auf 189 Sparbüchern bereits 16.289 Mark. Zum 1. 1. 1833 übernimmt die Stadt die Garantien für die Geschäftseinlagen und die Sparkasse entwickelt sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer der wichtigsten Banken in der Region.

1831

Nach dem Unwetter im Jahr zuvor das Große Spreewehr zerstört hatten, erfolgt nun ein Neubau. Zwei Jahre später wurde auch das Kleine Spreewehr neu errichtet. Zwischen 1831 und 1832 wird das Klostertor angelegt. Die nördliche Stadtmauer besaß einst keine Tore, nun aber forderten die Cottbuser dieses, damit ihre Kinder einen kürzeren Weg zur Schule nehmen konnten. Am 17. 3. 1831 wird in Cottbus die revidierte Städteordnung eingeführt. Die wirtschaftliche Entwicklung aber fordert neue Strukturen und so arbeiteten der Landrat von Pannwitz, Oberbürgermeister Krenkel und Vertreter der Cottbuser Bürgerschaft eine neue Stadtverfassung aus. Diese erhielt am 14. 12. 1831 die Genehmigung der Regierung. Zu Michaelis 1831 besteht Ludwig Leichhardt am Cottbuser Gymnasium seine Abiturprüfung. Seit dem Herbst 1829 wohnte er in Cottbus bei seinem Schwager Friedrich August Schmalfuß. Leichhardt, am 23. 10. 1813 geboren, studierte zunächst in Berlin und ging nach 1837 auf Forschungsreisen in Europa. Mitte Februar 1842 kommt Ludwig Leichhardt in Australien an und unternimmt schon im Sommer erste Streifzüge ins Innere des Landes. Er wird drei Expeditionen ins Innere Australiens unternehmen. Die erste führt ihn 1843/1845 quer durch das unentdeckte Land und begründet seinen bis heute anhaltende Ruhm als einer der bedeutendsten Entdecker des Kontinents. 1846 startet er zu einer zweiten Expedition, die er aber bald abbrechen muß. Im März 1848 bricht er erneut zur Erkundung ins Innere Australiens auf. Einen Monat später verlieren sich seine Spuren – bis heute hat man seine Überreste nicht gefunden.

1832

Zwischen dem 12. und 15. 2. 1832 finden in Cottbus die ersten Wahlen zu einem Stadtparlament statt. Gewählt werden 30 Stadtverordnete und Johann Gottlob Roemelt tritt sein Amt als Oberbürgermeister an. Er wird 1849 diese Funktion niederlegen, da es zu unterschiedlichen Auffassungen zwischen ihm und den Cottbusern Bürgern kam. Während seiner Amtszeit setzte sich Roemelt wiederholt für Verbesserungen in der Betreuung der Arbeitslosen und Armen ein, scheitert jedoch mit seine Vorschlägen. Roemelt stirbt Mitte August 1867 in Cottbus. Erster Vorsteher der Stadtverordneten wird der Apotheker August Mast. Noch in diesem Jahr wird ein erste Verordnung erlassen, die das Baden in der Spree regelte. Das Frauenbaden galt als unschicklich und an der Spree wurden von den Kahnverleihern „Badehäuschen“ gegen Entgelt vermietet. Bisher war  „wildes Baden“ an der Spree und ihren Nebenarmen und den Nebengräben üblich. Als besonders gefährlich galt der Spreeabschnitt zwischen Sanzebergbrücke und Großem Spreewehr. Im gleichen Jahr wird eine weitere bedeutende Cottbuser Firma begründet, „Franz Schneider, Kornbrennerei und Spirituosenfabrik“ hatte in der Berliner Straße ihr Domizil.

1833

Nachdem bereits im Jahr zuvor das Klostertor gebaut worden war, wird nun an dieser Stelle auch ein Torwärterhäuschen errichtet. Der Steueraufseher Baumgarten übernimmt die Aufsicht und erhält dafür eine freie Wohnung und eine Gartenparzelle. Erstmalig erscheint in diesem Jahr das konservative „Cottbuser Wochenblatt“. Bis 1879 konnten die Cottbuser hier ihre wöchentlichen Nachrichten lesen. Am 22. 10. wird das neue Schützenhaus in Sandow eingeweiht. Das alte war im September 1832 abgebrannt, bereits am 7. 3. 1833 legte der Cottbuser Baumeister Friedrich Mund den Grundstein für das neue Gebäude. Am 18. 11. wird die „Kasino-Gesellschaft“ gebildet. Auch dieser Verein sollte den gestiegenen Bedürfnissen der Bevölkerung nach Unterhaltung Rechnung tragen. Zwischen 1846 und 1847 ließ die Gesellschaft auf dem Grundstück in der damaligen Dresdner Straße durch den Maurermeister Friedrich Wilhelm Schneider ein Vereinshaus errichten, die Einweihung findet am 6. 2. 1847 statt. Noch heute dient das Haus dem Vergnügen – es ist das Gladhouse.

1834

Der alte Stadtfriedhof im Bereich der heutigen Schwan- und Roßstraße wird geschlossen. Dafür wird am 22. 11. 1835 ein neuer Friedhof eingeweiht. In der heutigen Straße der Jugend fanden in den folgenden Jahrzehnten die Cottbuser ihre Ruhestätte. 1841 erhält der Baumeister Friedrich Wilhelm Kahle den Auftrag für den Bau der neuen Leichenhalle; der klassizistische Bau wird das wichtigste Bauwerk des Cottbuser Architekten sein und erinnert sehr stark an Entwürfe Schinkels. Die Feierhalle wird 1963 abgerissen.  Am 12. 12. gibt die Regierung den Bau der Chaussee zwischen Cottbus und Spremberg bekannt. Die neue Straße wird 1837 fertig gestellt. Der zunehmende Handelsverkehr macht den Ausbau der Straßen notwendig und auch in andere Richtungen werden nun feste Wege errichtet. Beim Bau der Chaussee zwischen Gallinchen und Groß Oßnig wird eine vorgeschichtliche Urne gefunden. Zwischen 1837 und 1841 entsteht auch die Berliner Chaussee.

1835

Am 1. 7. zieht das Postamt in das Lobedansche Haus in der Spremberger Straße, dem späteren Kaufhaus Waldschmidt. In diesen Jahren soll auch der berühmte Cottbuser Spruch entstanden sein: „Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten“. Der Baumeister Friedrich Wilhelm Kahle erhält am 17. .2.  das Cottbuser Bürgerrecht. Er wohnt in der Spremberger Straße 26 und wird in den folgenden Jahrzehnten einer der bedeutendsten Architekten in Cottbus sein. Kahle stirbt am 17. 9. 1857 an einem Gehirnschlag, vier Tage später wird er auf dem Friedhof in der damaligen Dresdner Straße beigesetzt. Am 29. 8. wird die Schriftstellerin Amely Marby geboren. Mit ihren Romanen und Novellen in zahlreichen Familienzeitschriften, im „Cottbuser Anzeiger“ und im „Cottbuser Wochenblatt“ brachte sie sentimentale Lebensansichten und verträumte Hoffnungen unter die Menschen ihrer Zeit. Sie starb am 25. 8. 1915. Auch die Tuchindustrie veränderte sich. 1837 stellt ein Magistratsbericht fest, daß die „Notlage der Arbeiter und Angestellten nicht in den schlechten Arbeitsverhältnissen und den Lebensgewohnheiten zu suchen sind, sondern darin, daß die Tuchmachern an alten Gewohnheiten festhalten“. Noch hatten die Cottbuser Tuchmacher nicht den Sprung zum industriellen Produzieren gefunden, nur langsam fanden Jaquardwebstuhl und Dampfmaschine Eingang in den Arbeitsalltag. 1839 waren im Bereich der Cottbuser Tuchindustrie insgesamt 985 Arbeiter beschäftigt, von ihnen waren 177 Kinder unter 14 Jahren. Erst zwei Jahre zuvor, am 5. 10. 1835, hatte Heinrich Kittel eine Fabrikkonzession erhalten. Er vereinigt nun als erster in der Stadt alle Arbeitsgänge zur Herstellung eines Tuches. Im Jahr 1835 wird aus der alten Elementarschule in der Wallstraße 55 eine städtische ungeteilte Bürgerschule.

1836

Der Cottbuser Magistrat gibt am 24. 9. bekannt, daß eine Bürgerwehr für polizeiliche Zwecke gebildet wird. Jedem Stadtviertel wurde eine Kompanie zugeordnet, den Stamm der Mannschaft bildeten die Mitglieder der Schützengilde.

1839

In der Stadt leben nun etwa 8.400 Einwohner, die umgebenden Dörfer und Vorstädte ziehen aber auch zahlreiche neue Bewohner an. Noch wird in Cottbus Wein angebaut, fünf Winzer bewirtschaften etwa fünf Morgen Weinland. Zwanzig Jahre später wurde der Weinbau ganz eingestellt. In diesem Jahr wurde ein verein für die „Kleinkinder-Bewahranstalt“ eingerichtet, eröffnet wird diese zum 1. 1. 1840. Hier wurden die nicht schulpflichtigen Kinder der berufstätigen Mütter durch Männer betreut, so daß die Frauen ihrer Arbeit nachgehen konnten.

1843

Im Januar und Februar weilt die Photographin Bertha Beckmann in der Stadt. Sie bietet die neue Technik des Photographierens an, damals handelt es sich noch um die Daguerreotypie. Schon am 4. 12. 1842 hatte Friedrich August Schmalfuß in den hiesigen Zeitungen inseriert und für die „Lichtbilder“ geworben. Während Schmalfuß später aufgibt, wird Bertha Wehner-Beckmann eine erfolgreiche Photographin. Die Technik findet aber auch in Cottbus schnell Verbreitung, 1849 bieten A. E. Rodig mit seinem „Atelier für Lichtbilder“ und der Lehrer Münch ebenfalls Photographien an. Später folgen noch 1861 Gustav Thiele, 1863 C. Ansorge und 1866 Carl von Wieland. Sicher boten jedoch auch immer wieder „“Reisephotographen“ ihre Leistungen zeitweilig in Cottbus an. Auch die Cottbuser erleben nun den wachsenden Frachtverkehr. Da sich das Luckauer Tor allmählich als zu klein für die großen Frachtwagen erwiesen und zudem auch durch die Baumeister F. W. Schneider und F. Mund als baufällig beschrieben wurde, ließ der Magistrat dieses abreißen. Durch Friedrich Wilhelm Schneider wurde nun ein neues Torgebäude errichtet, dessen Abnahme am 1. 8. 1844 erfolgte. Schon ein Jahr später erhielten Tor und Straße einen neuen Namen: Berliner Tor und Berliner Straße. Das Tor war noch zwei Jahrzehnte geschlossen, bis die Anlagen ab 1. 9. 1865 von  Maurermeister Schneider endgültig abgetragen wurden.

1844

Eine Kabinettsordre zur Genehmigung der „Cottbus-Schwielochsee-Eisenbahn“ wird am 18. 4. erteilt. Am 1. 10. wird nun eine Aktiengesellschaft mit 273.000 Thalern zur Anlage einer Pferdeeisenbahn zwischen Cottbus und Goyatz gegründet. An der Berliner Straße entsteht ein Packhof, der gleichzeitig auch als Zollstation dient. Im Hafen von Goyatz werden die Waren auf Lastkähne verladen und per Schiff weiter transportiert. Die Eröffnung der Pferdeeisenbahn auf der 31,5 km langen Strecke erfolgte am 24. 6. 1846. Die Pferdeeisenbahn wird 1879 stillgelegt und der Bahnkörper an einen Dresdner Unternehmer verkauft. In der Taubenstraße ließ die Stadt zwischen 1844 und 1846 ein neues Krankenhaus errichte. Baumeister war Friedrich Wilhelm Kahle, von den zwölf Zimmern dienten neun als Krankenzimmer.

1848

Während das „Cottbuser Wochenblatt“ nun in drei Ausgaben pro Woche erscheint, wird die erste niedersorbische Zeitung, der „Bramborski Serbski Casnik“ gedruckt. Am 1. 7. verkauft Albert Heine die erste Nummer des „Cottbuser Anzeigers“. Fast einhundert Jahre wird diese Zeitung die Cottbuser begleiten, sie wird ein wichtiges demokratisches Presseorgan und die Herausgeber erleben manche Schwierigkeiten mit dem Behörden des monarchistischen Deutschlands. Beide Zeitungen sind als Ergebnis der Ereignisse vom Frühjahr gegründet worden. In den Jahren zuvor hatten Mißernten zu einer Teuerung der Lebensmittel geführt, auch der Absatz der Fabriken war zurückgegangen. Nun wurden die Forderungen nach politischer Betätigung in der Bevölkerung laut. In Cottbus hatte die Armut so zugenommen, daß die Arbeiter in der Cockerillschen Fabrik sich am 29. 2.  über die drastischen Lohnkürzungen des Fabrikherren beschwerten und der Magistrat bereits am 11. 1. beschlossen hatte, Wärmestuben einzurichten . Da der hiesige Magistrat wohl Kenntnis hatte über die Unruhen in Paris, diskutierten die Stadtverordneten am 7. 3. den Vorschlag zur Bildung einer „Commission, welche die Beschäftigung der Arbeiter-Klasse und die dahin gehörigen fürsorglichen Maßregeln“ bespricht. Wenige Tage später erhalten die Cottbuser zudem die Nachrichten über die Berliner Geschehnisse am 18. 3. und schon am 23. 3. richten sie einen Gruß an die Berliner Bürgerschaft, die auf den Barrikaden gekämpft hatte. Eine breite Front der Unterstützung wird sichtbar, Kantor Stäber organisiert ein Konzert mit seinem Gesangsverein und in der Stadt werden an zahlreichen Orten Gelder gesammelt. Insgesamt 550 Thaler schicken die Cottbuser als Unterstützung für die Bürger nach Berlin. Aber auch in Cottbus kommt es zu Unruhen. Am 18. 4. ziehen Demonstranten durch die Stadt und entwaffnen die Bürgerwehr der Schützengilde. Sie verleihen ihren Forderungen nach gerechter Verteilung der Arbeit und höheren Löhnen Ausdruck und fordern die Absetzung der Beamten und des Bürgermeisters. Aber es kommt auch zu zahlreichen Zerstörungen in der Stadt, Kneipen und manche Cottbuser Bürger erfahren  Plünderungen und im Rathaus werden Fenster eingeworfen. Drei Tage später treffen Jäger aus Lübben ein und stellen die „gewohnte Ordnung“ in der Stadt wieder her. Im Ergebnis dieser Unruhen wird Oberbürgermeister Roemelt nach dem 24. 9. pensioniert, er hatte u.a. den Versuch unternommen, mit einem „Armen-Statut“ die Stadt an der Beseitigung der größten Ungerechtigkeiten zu beteiligen. Das liberale Bürgertum gründet am 30. 4.  eine konstitutionellen Klub, der aber noch im gleichen Jahr nach dem Ausscheiden Bolzes wieder aufgelöst wird. An seiner Spitze stand Dr. Ludwig Heinrich Bolze, der von 1813 bis 1888 lebte. Er hatte bereits 1846 einen Handwerkerbildungsverein begründet, wurde jedoch nicht – trotz aller Hoffnung - am 1. 5. 1848 als Abgeordneter zur Preußischen Nationalversammlung nach Berlin gewählt. Aber auch in diesen Wochen und Monaten heftigster Auseinandersetzungen nutzen Unternehmer ihre Möglichkeiten zur Entwicklung der Wirtschaft. So erfolgte am 1. 11. die Gründung der Segeltuchfabrik G. L. Schmogrow. Zwei Jahre zuvor, am 23. 7. 1846, hatte der Müller Christian Krüger den Bonnaskenberg gekauft und hier eine Windmühle erbaut.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 12. September 2008 um 09:19 Uhr